WAZ Logistik Hagen will Weihnachtsgeld abschaffen

Hagen. Die Sparwut der WAZ-Mediengruppe macht auch vor den Geringverdienern unter ihren Beschäftigten nicht halt. In einer Information „Jahressonderzahlung für Zustellerinnen und Oberboten“ hat sie den „lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ der WAZ-Logistik Hagen mitgeteilt, dass die wirtschaftliche Lage des Unternehmens „eine freiwillige Zahlung von Weihnachtsgeld leider nicht mehr zulässt“.

Großzügigerweise habe man sich trotzdem entschieden, eine freiwillige Jahressonderzahlung „mit der Abrechnung für den Monat Dezember 2012 auf der Basis neuer Kriterien vorzunehmen“. Gestaffelt erhalten danach Zusteller mit dem Eintrittsjahr 2011 noch 15 % vom Bruttolohn, Zusteller mit den Eintrittsjahren 2010 oder 2009 25 % vom Bruttolohn und Zusteller, die seit 2008 oder früher die Zeitung bei Wind und Wetter im Morgengrauen austragen, 35 % vom Bruttolohn. Das als Aufwandsersatz gezahlte Kilometergeld  gehört „natürlich nicht zum Bruttolohn“, heißt es in dem Schreiben der Geschäftsführung WAZ-Logistik, das der Redaktion von medienmoral-nrw.de vorliegt.

Für die Zukunft werden den Beschäftigten vage Hoffnungen gemacht: Falls sich die wirtschaftliche Lage im 1. Halbjahr 2013 wieder deutlich verbessere und „Weichenstellungen für eine relevante Ergebnisänderung greifen“, will die Geschäftsführung „gerne die Möglichkeit für eine freiwillige Sonderzahlung im Sommer 2013 prüfen, bei der dann auch die Mitarbeiterinnen mit dem Eintrittsjahr 2012 berücksichtigt würden“. Die gehen nämlich in diesem Jahr komplett leer aus. Im übrigen hofft die Geschäftsleitung „sehr auf Verständnis für die leider zwingend notwendige Veränderung“. Der Dortmunder ver.di-Sekretär Rolf Ellerkamp kommentiert diesen Vorgang so: „Jetzt wird auch noch bei den Ärmsten der Armen gespart. Zusteller, organisiert und wehrt Euch und leistet Widerstand. Nur Tarifverträge schützen vor der Willkür der Arbeitgeber.“

Beim Betriebsrat gehen immer wieder entrüstete Anrufe ein, denn viele Boten hatten das Weihnachtsgeld schon fest eingeplant, und sich z.B. Winterreifen gekauft. Sie wissen nun nicht, wie sie diese bezahlen sollen. In der Vergangenheit lag die Höchstzahlung immer bei bis zu 185.- €.

Nach der Berechnung in Prozenten werden die Zahlungen für die meisten der  etwa 630 Zusteller/innen weitaus geringer ausfallen. Die einzigen, die davon profitieren würden, wären nach Berechnungen des Betriebsrats die Beschäftigten, die im Stundenlohn arbeiten (Oberboten, Einsatzleiter).

Was zusätzlich im Bereich der WAZ Logistik Hagen für Unmut sorgt, ist die Tatsache, dass den Zustellerobleuten von der Geschäftsführung für die Jahre 2012 und 2013 das Weihnachtsgeld auf dem Niveau der letzten Jahre verbindlich zugesagt wurde.

In anderen WAZ Logistiken (fünf davon gibt es insgesamt), in denen die im Bereich Hagen noch ausstehenden  Revierumstrukturierungen schon abgeschlossen sind, wurden sogar Lohnerhöhungen und das Weihnachtsgeld in der vorher versprochenen Höhe gezahlt.

Der Betriebsrat hat inzwischen in der Frage der Jahressonderzahlung seine Mitbestimmungsrechte geltend gemacht und erwägt arbeitsrechtliche Schritte. /fbi

5 Kommentare zu “WAZ Logistik Hagen will Weihnachtsgeld abschaffen”

  1. Kopfschütteln sagt:

    “Die wirtschaftliche Lage als Zusteller läßt eine weitere Tätigkeit für die Mediengruppe leider nicht mehr zu” wäre die stilgerechte Antwort auf diesen Tritt in die Weichteile menschlicher Würde.
    Es ist ja kurz vor Weihnachten, warum also sollte die Mediengruppe nur über Opel schreiben, wenn sie ihren MitarbeiterInnen doch in ähnlicher Weise ein schönes Fest bereiten kann.
    Oder glaubt in den Führungszirkeln tatsächlich irgendjemand “von den Zustellspesen wird die WAZ genesen”?
    Ach so, war nur ‘ne rhetorische Frage….. ;-)

    Im Ernst, die logische Konsequenz kann doch nur sein, die Brocken vor die Füße (oder wie geschehen in die nächste Hecke) zu werfen.
    Wozu denn zustellen, wenn die entstehenden Kosten ähnlich oder sogar höher sind, als der mögliche Verdienst?
    Die Logik sehe ich nicht.
    Vielleicht sieht man diese ja ganz weit oben, oder bei den Zitronenfaltern ….äh Unternehmensberatern. Oder würde man nach all den Jahren der Zumutungen und Illoyalitäten gegenüber dem eigenen Personal jetzt die Unwürdigkeit noch auf die Spitze treiben?
    Wer einem Handwerker seinen Lohn schuldet, ist ein Blutsauger!
    Und dass bei den kärglichen Gehältern nun niemand auf die Freiwilligkeit der Sonderzahlung verweist!

    Anscheinend hat bei WAZ’ens noch immer niemand kapiert, dass ein Bote nicht irgendein schlafgestörter, lichtscheuer, beliebig austauschbarer Lümmel ist, sondern mit einer der wichtigsten Elemente in der gesamten sog. Wertschöpfungskette (kleines Zückerli an unsere Zitronenfalter).
    Ein Bote ist DIE Verbindung zum Leser, zum Kunden.
    Wenn ein Bote nicht oder nicht vernünftig zustellt, ist der ganze Wertschöpfungsdingsbums davor und drumherum für die Tonne.

    Daher muß ein Unternehmen, welches erfolgreich sein will, die Verbindung zu seinen Kunden (hier: seine Boten) hegen und pflegen.
    Es sei denn, man plant nach dem überragenden Erfolg mit den umtriebigen und kompetenten Bürgerreportern für die Zukunft mit dem umtriebigen und kompetenten Bürgerboten, der sich freiwillig oder für einen klebrigen Händedruck die Nacht um die Ohren schlägt. Oder genug willige Altersarme. Aber so pervers wären nicht mal WAZ’ens. Hoffentlich…

  2. Dee Dee sagt:

    Die Verdienste von gestern zählen in der neoliberalen Welt nichts. Diese hier von Medienmoral beschriebenen Entscheidungen der WAZ-Gruppe zeigen erneut: Das Geschäftsmodell der Regionalzeitung ist heute ein Geschäftsmodell der Eliten.
    .
    Diese Eliten rekrutieren sich untereinander, auf den “kleinen Mann” unter sich blicken sie herab. Die neoliberal geprägten Kinder der Eliten produzieren Medien für die Krisengewinner: ihre eigenen Eltern und ihre neoliberalen geprägten Freunde und Verwandten. Wer nur einen Funken Ehrgefühl hat, für den kann es daraus nur eine Konsequenz geben: Den kompletten Verzicht auf die Produkte dieser Verlagshäuser. Bye Bye.

  3. helen sagt:

    nicht nur das weihnachtsgeld wurde gestrichen.auch ein für oktoberversprochenes sachgeschenk/kopflampe/ wurde nicht überreicht,einsatz und teamleitung verkleinert.geldgeschenke der kunden für die boten,werden nur auf anfrage ausgehändigt.macht doch spass

  4. semmel sagt:

    Wer die Umstrukturierung der Zustellgebiete veranlaßt hat,den sollte man in den allerwertesten treten.

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