DerWesten: Rückkehr von waz.de & Co.?

Wie es mit der WAZ-Seite DerWesten weitergeht, fragen sich Beobachter spätestens, seit Ex-Chefredakteurin Katharina Borchert das Haus verlassen hat und Ulrich Reitz zu ihrem Nachfolger ernannt wurde. Jetzt berichten Pottblogger Matheuszik (http://www.pottblog.de/2010/02/08/derwesten-rueckkehr-waz-de/) und Thomas Knüwer (http://www.indiskretionehrensache.de/2010/02/der-westen-soll-wachsen-aber-wie/) übereinstimmend von Überlegungen zu einem umfassenden Relaunch des Portals.

Denkbar sei, dass die Zeitungsmarken der WAZ-Mediengruppe online wieder zurückkehren und als Nachrichtenseiten die „journalistischen“ sowie lokaleren Inhalte präsentieren. DerWesten solle zu einem Unterhaltungsportal umgebaut werden, das vorwiegend auf „weichere“ Themen setze – nackte Haut inklusive. Nicht nur inhaltlich, auch optisch solle sich DerWesten an Bild.de annähern.

Was Knüwer darüber hinaus aus unternehmensnahen Kreisen meldet: WAZ New Media habe zuviele Planstellen. Aus 36,8 sollen 30 werden. Allerdings werde es „erstmal nicht ganz so schlimm werden, da verschiedene Mitarbeiter freiwillig ausgeschieden sind“.

Nachtrag:  Die WAZ-Gruppe hat die Pläne für einen Relaunch bestätigt, wie das Portal Meedia schreibt (http://meedia.de/nc/details-topstory/article/derwesten–relaunch-ja–boulevard-nein_100026115.html?tx_ttnews[backPid]=23&cHash=3b3260d378). Kernelement solle „eine weitere Stärkung der lokalen und regionalen Inhalte sein“. Behauptungen in Blogs, DerWesten werde ein Boulevardportal, seien aus der Luft gegriffen.

93 Antworten zu “DerWesten: Rückkehr von waz.de & Co.?”

  1. Anonymous sagt:

    „Alles […] hier“
    hat leider recht. Bei der WAZ und ihren Anhängsel-Blättchen gibt es erschreckend viel Billig-Jounalismus.

  2. Redaktor sagt:

    @Anonymous
    Den Billigjournalismus gibt es wohl. Nur: Es tragen nicht die Kolleginnen und Kollegen daran Schuld, die fast ohne Ausnahme schon seit langer Zeit bis an die Grenzen ihren Leistungsfähigkeit gehen. Sondern die, die zwar gebetsmühlenartig von „Qualität statt Quantität“ faseln, dabei aber letztlich doch bloß Personal kürzen, bis die restlichen Kollegen nur noch dünn drüber gehen können. Insofern sind sie tatsächlich nicht mehr in der Lage…

  3. falsch! sagt:

    Das sehe ich nicht so. Es ist ungleich schwerer als früher und es gibt viel mehr schlechten Journalismus als früher im Blatt. Aber insgesamt überwiegen die guten Geschichte und es ist eine gute Zeitung, die am Rande der Kräfte gemacht wird.
    .
    Aber jemand, der um 11.59 Uhr in einem eher Special Interest Forum posten kann (normale Leser werden sich inzwischen kaum noch hierhin verirren), der muss Frust auf der GF-Ebene oder darunter haben oder das perlweiße Lächeln eines sogenannten Unternehmensberaters.
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    Der Beitrag von „appell“ gefällt mir. So käme der Konzern wieder auf Kurs.

  4. anhängsel sagt:

    @freierfotolieferant
    Hier ist aber die Rede von Kapitänen mit sozialer und fachlicher Kompetenz. Die würden auch den Appell lesen und darüber nachdenken. Aber Fachwissen ist hier nicht mehr erwünscht. Stattdessen werden erfahrene Leistungsträger rausgemobbt oder rausprämiert. Informationen über die Wirklichkeit kommen bei Bodo nicht mehr an, weil durch mehrere Lagen Flanell gefiltert. Gute Nacht Marie, ich hab die Hoffnung aufgegeben. Ich versuch nur noch, irgendwie über die Runden zu kommen. Viel zu viele haben schon innerlich gekündigt. Schade um den Laden.

  5. Redaktor sagt:

    @falsch! „eine gute Zeitung … am Rande der Kräfte“ Beides schließt sich m.E. absolut aus! Guter Journalismus kann nur unter halbwegs akzeptablen Bedingungen betrieben werden und eben auf Dauer nicht am Rande der Kräfte (mal abgesehen davon, dass die irgendwann bei jedem am Ende sind – und damit dann logischerweise auch die jeweilige Zeitung).
    .
    Die halbwegs akzeptablen Bedingungen gibt es vielerorts nicht mehr, wobei mir wie jedem anderen natürlich klar ist, dass wir bei der Tageszeitung ohnehin nicht von optimalen, gründlich ausrecherchierten Geschichten sprechen. Es hieß schon zu Zeiten früherer GF gerne: „Wir sind, im Gegensatz zu den anderen, schlank aufgestellt.“ Sprich: Wir waren schon immer etwas geiziger. Die optimalen Geschichten waren deshalb stets selten – aber es gab gute, und eine wohl hinreichende Qualität. Mittlerweile ist es aber so, dass vieles noch oberflächlicher gehandhabt wird – werden muss.
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    Letztlich ist das aber natürlich alles auch eine Definitionsfrage: Definiere „billig“. Diese Definition kann nur im Kontext des gesamten Medienmarktes erfolgen. Und da, wie wir alle wissen, in den letzten beiden Jahrzehnten dieser Markt sehr viel enger geworden ist, kann sogar das, was früher vom Leser noch toleriert wurde, von ihm heute als „billig“ empfunden werden. Dann reicht die Qualität eben nicht aus, der Journalismus ist zu billig, und die Auflagenzahlen sinken. An diesem Punkt stellt sich die Frage: Warum tun sie das bei der Zeitung XYZ derart rapide und beim Wettbewerber nicht? Könnte das vielleicht doch am allzu deutlichen Qualitätsunterschied liegen?

  6. Rand der Kraft sagt:

    Es geht nicht nur um Journalismus „am Rande der Kräfte“. Auch vom überbesetzten Essener Desk kommt täglich viel gequirlte K…

  7. Noch WAZ´ler sagt:

    „Spiegel“-Vorabmeldung:
    Peper wird „DerWesten“-Chef
    Wundert sich doch nicht wirklich jemand darüber…oder?
    Das „Springer“ U-Boot ist doch schon vor langer zeit in den Kellern der WAZ angekommen…..

  8. zaw sagt:

    Wenn auch mit Peper ein subalterner, mehr oder weniger ausrangierter Springer-Mann nach Essen kommen soll, so zeigt es weiter, dass die WAZ-Springer-Liäson weitergeht. Hier bahnt sich seit langem eine strategisch wohlüberlegte Koopereation auf allen Gebieten mit Springer an. Ein U-Boot im Keller ist das schon lange nicht mehr. In allen Etagen ist die Springer-Infiltration zu sehen.
    Die Content-Ausweitung in Essen in ihrer Übersichtlichkeit nimmt Formen an, dass es bis zum Crash nicht mehr lange dauert. Jetzt zeichnet sich bereits ab, dass über die Hälfte aller Beschäftigten von DerWesten wird künftig nicht mehr gerbraucht wird. Und für die ehemaligen WAZ-Bildredakteure in dieser Gesellschaft beginnt demnächst die „Billig-Entlohnung“, da die Sicherheiten auslaufen.
    Ein Niedergang in allen Bereichen!

  9. zaster sagt:

    Genau so ist es!!!

  10. Ex-WR-Redakteur sagt:

    #Alles

    Zugegeben, vieles das ich online und in den Printausgaben lese, ist grauenhaft. Das liegt abereben daran, dass dem Verlag „Edelfedern“ fehlen und der Tagesdruck so enorm ist, dass nicht einmal mehr Lokalchefs die Artikel der Praktikanten und freien Mitarbeiter stilistisch bearbeiten können.

    Das freilich hat sich schon in den Achtzigern abgezeichnet, als Redaktionen mit Platz überhäuft wurden, den aber mit immer weniger Leuten zu füllen hatten.

    Die Folgen: Es wurden „Freie“ zu Billig-Tarifen auf Termine geschickt; deren Artikel grobschlächtig redigiert, weil für`s Umschreiben die Zeit fehlte und dann ins Blatt gehoben.

    Dieser Trend ist nun noch mehr zu beobachten. So leidet zunehmend die Qualität der Zeitung. Gute Redakteure sind nun mal nicht zum Billig-Tarif zu haben.

    Und die, die gut sind, versuchen in anderen Verlagen ihre Karierre zu machen. So war beispielsweise der Enthülungsjournalist Leyendecker mal bei der WR als Reporter, wenn ich mich recht erinnere.

    Welcher ehrgeizige Journalist will aber schon bei einer Zeitung bleiben, deren Geschäftsführung und Chefredaktion immer weniger die journalistische Profession und Qualität zu würdigen weiß, sondern Redakteure nur als Kostenfaktoren sehen ? Ohne gute, motivierte, professionell handelnde und spannend schreibende Journalisten verliert eine Zeitung an publizistischem Gewicht. Und wenn Artikel langweilig geschrieben, stümperhaft aufgebaut und obendrei noch schlecht recherchiert sind, wendet sich der Leser ab.

    Mag die Geschäftsführung da noch so sehr von „Premium“, „Qualitätsjournalismus“ etc. reden. Beispiele, wie schlecht die Produkte aus der WAZ-Mediengruppe geworden sind, wurden hier schon öfter angefühjrt und lassen sich täglich neu erlesen.
    Eine Zeitungsredaktion ist eben kein Orchester und Opern sollten die erst recht nicht schreiben.

    Doch Hombach und Co ficht das nicht an. Die reden allenfalls gegen den Verfall guter journalistischer Sitten an und handeln reziprop zu Ihrem unerträglich gewordenen Gefasel von einer „Premium-Qualität“, von denen man nur noch träumen kann…

  11. zaster sagt:

    Einiges von „Ex-WR-Redakteur“ ist eine Fehleinschätzung. Sogenannte Edelfedern müssen keineswegs der Garant eines guten Printproduktes ausmachen, geschweige für Auflage sorgen. Wenn die Redakteure und Redakteurinnen der WAZ-Medien so schreiben dürften wie sie es können, gäbe sofort eine enorme Qulitätssteigerung. Die echte brisante Enthüllungsstory liegt vor der „Mahlzeit-Zeit“.

  12. Redaktor sagt:

    @Zaster Es gab und gibt bei der Rundschau ausgezeichnete Journalisten – und auch einige, wenn man so will, „edle“, die mit regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet wurden. Aber es ist leider auch richtig, dass nicht wenige von ihnen gingen und die Zeitung dadurch vor allem in den letzten beiden Jahren auf Menschen verzichten musste, die ihr einst Profil verliehen.

  13. tz sagt:

    @redaktor/zaster Gute Redakteure sind nicht nur eine Frage der Bezahlung ( Verlegerverband als Tarif-„partner“ hat die Bezahlung und die Soztialleistungen in den letzten 20 Jahren um fast 40 v.H. gesenkt ) auch eine Frage der Motivation. Und da sieht es in der WAZ-Mediengruppe ganz duster aus. Das Arbeitsklima ist unten durch, die Restriktionen der Chefredaktionen oft unerträglich, das WAZ-Ansehen in der Bevölkerung, Leserschaft unten durch ( Auflagenschwund so hoch wie nie zuvor – und nicht wegen der sogenannten Medienkrise ). Das alles bedeutet jedoch nicht, dass Lokalchefs oder andere Redaktionsmitglieder Artikel nicht sorgfältig redigiere. . . wenn sie redigieren. Nur zu großen „Nachbesserungen“ istmeist keine Zeit. Der Aderlass erfahrener ( älterer und teuerer ) Redakteurskolleginnen und -kollegen ist nicht zu verkraften. Das spürt man überrall auch an den Inhalten. Deshalb der große Qualitätsschwund, der von Chefredaktionen und Verlagsleitung in Kaufgenommen wird. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass von diesen Etagen jetzt so sehr wider besseres Wissens die Premium-Qualität ins Spiel gebracht wird. Eine Lachnummer! Wie sagte der Verlagschef der Rheinischen Post und Boss des NRW-Verlegerverbandes so schön: Es gibt keine Zeitungskrise, es gibt nur eine Krise bei schlecht gemachten Zeitungen. Wie wahr!

  14. Mahlzeit III sagt:

    “Manche behaupten, selbst dann noch Qualität zu liefern, wenn sie gar keine Redakteure mehr beschäftigen und verkaufen das vollmundig als Qualitätssteigerung.”
    .
    Der Ex-Chefredakteur der Thüringer-Allgemeinen, Sergej Lochthofen, im Interview mit dem Magazin „Berliner-Journalist“.
    .
    http://tinyurl.com/yaerj86

  15. Täglich grüßt der Bodo sagt:

    G+J und WAZ legen „iPhone-Streit“ bei

    http://meedia.de/nc/details-topstory/article/gj-und-waz-legen-iphone-streit-bei_100026433.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=23&cHash=35d543f479

    Dazu fällt mir nix mehr ein. Außer: Wenn zwei Kranke sich zusammen tun, ergibt das keinen Gesunden, sondern ein Krankenhaus.

    Und schön, dass wieder die Qualität verteidigt wurde. Und macht ja nix, dass die WAZ fleißig Bewegtbild-Material der ARD und ihrer aktuellen Redaktionen auf ihren Internetseiten vorhält.

  16. Club sagt:

    Rüttgers & Reitz.
    Mehr sage ich nicht.

  17. Ex-WR-Redakteur sagt:

    Täglich grüßt

    Nach Bodos Theaterdonner mit dem Hamburger Großverlag nun der
    Schulterschluß mit Gruner in Sachen „Feindbild“ Tagesschau.

    Den „Schulterschluß“ in NRW mit dem WDR, um Filme für „Den Westen“ zu bekommen, gab`s wortreich früher. Da lobte der gewichtige Zeitungsmanager von der Ruhr noch das Projekt und wies die kritisierenden Verleger in ihre Schranken.

    Weiß der Hombach eigentlich, dass der WDR dem „Westen“ das gleiche Material auch der Tagesschau anbietet ?

    Wieviel Rotwein muß man eigentlich getrunken haben, um all solchen Irrsinn zu vollziehen ?

    Es wird allmählich doch an der Zeit, dass die Erben der Medienkrake die Reißleine ziehen. Sonst wird am Ende nicht mehr viel da sein, von dem schönen Großkonzern.

    Zur Erinnerung: Hat Mike Krüger nicht schon ganz früher dem Bodo ein Liedchen gewidmet ? Da „baggerte“ der allerdings noch….

  18. Hallo, Herr Hombach sagt:

    Großartig der Beitrag von Thomas Knüver (indiskretionehrensache.de) zum Thema:

    http://www.indiskretionehrensache.de/2010/02/hallo-herr-hombach/

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

  19. Ex-WR-Redakteur sagt:

    Hallo, Herr Hombach

    ich verspreches hier heilig: Nie wider Rotwein, nie wieder Alkohol.

    Bos böser Weingeist soll nmir Lehre immer dar sein.

  20. Brisko sagt:

    Am Montag gab es ja eine Betriebsversammlung der Westfälischen Rundschau im Druckzentrum in Hagen-Bathey. Da wurden einige Informationen bestätigt, die hier im Blog auch schon berichtet wurden. Die WAZ hat offensichtlich mit dem Verleger der eigentlich konkurrierenden Ruhrnachrichten, Lambert Lensing-Wolff einen Riesen-Deal gemacht. Obwohl Schwerte z.B. direkt an Hagen-Bathey grenzt und Unna und Lünen auch nicht weit weg sind, druckt nicht Europas modernste Zeitungsdruckerei in Hagen-Bathey die WAZ-eigenen Zeitungen, sondern tatsächlich Lensing auf seinen alten Maschinenchen in Dortmund. Was dazu führt, dass in den betreffenden Lokalausgaben der WR wohl arge Pannen passieren – mal ganz abgesehen von der Schlußzeit von 16 Uhr (sechszehn!), tja, schöne neue Zeitungswelt
    Am Montag trifft sich dann die Belegschaft der Westfalenpost zur Betriebsversammlung

  21. Ex-WR-Redakteur sagt:

    Brisko:

    So könnte doch aus einer Morgenzeitung mit den Themen von gestern doch eine tagesaktuelle Abendzeitung werden ?!

    Man möchte fast schon an Satire glauben, wäre das alles nicht real und schlimm.

    Hombach fährt den Karen wirklich an die Wand. Unfaßbar, wie dieser Mann agiert und redet.
    Entweder ist er gerade dabei als Politiker sein Manager-Praktikum zu machen oder aber man könnte glatt glauben, er wurde nur angeheuert, um Europas größten Regionalzeitungsverlag zu liquidieren.

    Mit dem Redaktionsschluß um 16 Uhr dürfte er nun auch den Standort Lünen leichtfertig verspielen. Erst das Vest, jetzt also Lünen. Vom Siegerland mal ganz zu schweigen.

    Wie lange noch, darf dieser Mann so schalten und walten ? Wer gebietet ihm endlich Einhalt ? Es ist wirklich erschreckend zuzusehen, wie eine Zeitungsära langsam dem Ende entgegen gemanagt wird.

  22. aktüll sagt:

    Redaktionsschluss 16 Uhr. Herrlich.
    Aktualität wird ja auch schwer überschätzt. Nicht wahr, Herr Hombach?

  23. Hodo Bombach sagt:

    Wird die Oper besser, nur weil die Geiger ein paar Stunden früher auf der Bühne sitzen?

    Oder so ähnlich…

  24. WAZ des Tages sagt:

    Interview mit Hombach in der FR: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/2374898_Interview-mit-WAZ-Geschaeftsfuehrer-Bodo-Hombach-Wir-sind-eine-Journalismus-Manufaktur.html
    .
    Frage: Wie kommt es dann, dass innerhalb eines Jahres kein Verlag so viel Auflage verloren hat wie Ihrer? Verstehen die Leser die Qualität Ihrer Blätter nicht?
    Antwort: Das können Sie nicht im Ernst fragen.

    Frage: Doch.
    Antwort: Zunächst einmal müssen Sie jene Auflagen herausrechnen, wo wir Lokalausgaben aufgegeben haben, weil wir dort nur Zweitzeitung ohne jegliche Perspektive waren. Außerdem erscheinen wir in einer Region, in der die Bevölkerung schrumpft und der Migrantenanteil überdurchschnittlich hoch ist. Und über die soziale Bedrängnis in der Region, die sich durch Beschäftigungsraten und durch Transferleistungsempfänger ausdrückt, muss ich wohl nichts sagen. Der Auflagenverlust hat mit der gestiegenen Qualität unserer Zeitungen gar nichts zu tun.
    .
    Aha. Kein Zusammenhang zwischen Qualität und Produktverkauf. Danke Bodo, für die Einsicht.

  25. bindungen sagt:

    Vorab: selber arbeite ich nicht als Redakteur im Hause der WAZ, bekomme aber täglich mit, unter welchen Umständen die Redakteure nun arbeiten müssen.

    Zum einen fallen mir immer neue und jüngere Gesichter auf, die sich täglich den Weg in unsere Redaktionsräume bahnen. Zynisch gesagt, glaube ich manchmal, dass man sich ZEUS nun ins Haus geholt hat.

    Dieser ständige Wechsel des Redaktionspersonal kann doch zu nichts Gutem führen. Ein Lokalredakteur, wie ich ihn mir auch als Leser vorstelle, muss vor Ort sein/leben und das über mehrere Jahre hinweg. Nur so lassen sich Netzwerke aufbauen, Kontakte schmieden…. man muss halt nah dran sein am Ort des Geschehens, über den man als Redakteur zu berichten hat.

    Wie will ein „Freier“ oder ein Volontär (ohne ihnen persönlich einen Vorwurf zu machen!), der mal wieder für 3 Monate die Tastatur in Redaktionsstube XY bedienen darf an die Internas aus der Stadt/dem Dorf kommen? Da bleibt doch nichts anders übrig, als ständig die Polizeiberichte abzutippen und nur noch das ins Blatt zu bringen, was das Fax-Gerät den lieben langen Tag so alles ausspuckt.

    Diese ständigen Neubesetzungen in den Redaktionsstuben bekommen letztendlich auch die Leser mit, die nur noch Berichte geliefert bekommen, die an der Oberfläche kratzen, aber nichts mehr zu Tage fördern, was Stadtgespräch ist/sein könnte. Und ständig muss man sich als Leser nun an immer neue Namen der Artikelverfasser gewöhnen. Seriösität gewinnt man so beim besten Willen nicht!

    Im Mantel hat es ja zu dem Kuriosum geführt, dass nun ständig wechselnde Redakteure über die großen Fußballvereine des Ruhrgebiets schreiben, was dann in allen Titeln identisch abgedruckt wird.

    Auch hier geht eine Bindung (=Seriösität) verloren, nämlich die gewachsene Bindung des Lesers mit „seinem“ Redakteur, der vormals über Jahre/Jahrzehnte das Geschehen um Fußballverein XY begleitete.

    Jeder Redakteur hat halt seine eigene Art zu schreiben (was ja positiv ist), aber ein Leser merkt schnell, wenn ein Artikel nicht mehr von „seinem“ Redakteur verfasst worden ist, dem er über Jahre hinweg vertraut hat.

    All diese „Bindungen“ tauchen in keiner noch so bunten PP-Präsentation jedweder Unternehmensberatung auf. Und da dies so ist, wird nun mit ständig wechselendem Pool-Personal eine gewachsene Bindung zw. Leser und „Stammredakteur“ mutwillig zerschlagen.

    Es ist ja nicht nur mit einem Artikel geschehen, um alles gleich auf den Punkt zu bringen. Oftmals unterliegen Geschichten einem Entwicklungsprozess, den es über Tage zu verfolgen gilt, weil es regelmäßig neue Informationen zu diesem Thema gibt. Und da hat halt jeder Redakteur seine eigene Meinung zu, bewertet neue Informationen ganz anders, als ein Kollege, der vorher über das selbe Thema einen Artikel verfasste.

    Wenn also ständig Redakteure wechselnd über ein- und dasselbe Thema schreiben, dabei wechselnde Beurteilungen abgeben, entsteht so beim Leser automatisch ein konfuses Bild. Es fehlt auch hier an Kontinuität, die letztendlich zu einem Bindungsverlust zw. Leser und Redaktion führt.

    Ich habe mal von einer Studie gehört, die zu dem Schluss kam, dass Leser aus Bayern sofort erkannten, dass ein Artikel von einem Redakteur aus einer anderen Region Deutschlands geschrieben wurde. Gleiches Phänomen soll nicht nur auf Bayern begrenzt sein, sondern für ganz Deutschland gelten. Also auch fürs Ruhrgebiet!

    Lange machen in meinen Augen Leser so etwas nicht mit. Die WAZ-Titel sind keine nationalen Titel, sondern leben vom Lokalen/Regionalem. Wenn also ständig andere Redakteure ihre Kürzel unter ihre Artikel setzen, fühlt sich der Leser am Ende verschaukelt und zieht den Inhalt des Artikels in Zweifel, weil man sich halt denkt, dass ein „Auswärtiger“ ohne „Insiderwissen“ ihn verfasst hat, der nicht lokal verwurzelt ist.

    Ebenfalls ist mit den massenhaften Schließungen von Geschäftsstellen eine weitere Bindung zwischen Leser und Verlag mutwillig zerschlagen worden. Die WAZ hat ihr „Gesicht“ vor Ort dadurch komplett verloren. Was für einen Eindruck macht es bei den verbliebenen Lesern, wenn sie nun gähnend leere Räume (meist in Innenstadtlage) dort vorfinden, wo sie einst Kleinanzeigen aufgeben, Tickets kaufen oder Urlaubsaussetzer anmelden konnten? Wo sie von Menschen bedient und nicht durch Endlosschleifen von Callcentern gejagt wurden?

    Der ganze Zentralisierungswahn hat in meinen Augen dazu geführt, dass sich auf allen Ebenen (Redaktionen, Geschäftsstellen, Anzeigenbüros) die WAZ-Titel aus den Köpfen der Leser/Anzeigenkunden vor Ort verabschiedet hat. Man wird – seitens der Leserschaft – nicht mehr als „Tageszeitung vor Ort“ wahr genommen, sondern als ein „Fremdkörper“.

    Will ich als Leser meine Zeitungszustellung kurzzeitig aussetzen, werde ich jetzt dazu genötigt, eine kostenpflichtige „Hotline“ anzurufen. Und auch dort, in WAZ Dialog, bekommt man es ja auch nur mit ständig neuen Namen und Stimmen zu tun. So lassens ich keine Bindungen aufbauen, kein Vertrauen entsteht so.

    Die WAZ anonymisiert sich, wo sie es nur kann. Eigentlich ein „Todesurteil“ für eine regionale Tageszeitung.

    Pools mögen ja kostengünstiger sein, aber sie führen zu einer schleichenden Entfremdung zwischen dem Verlag und seiner Leserschaft. Ein Redakteur muss sich bei Vereinsfesten zeigen, sein Gesicht muss den Leuten auf der Straße bekannt sein, der Leser muss spüren, dass Menschen über ihren Heimatort schreiben, die eine Bindung selber dazu aufgebaut haben. Nur so werden Artikel authentisch und glaubhaft. Das erzielt man nicht mit ständig wechselndem Pool-Personal.

    Der Auflagenschwund mag natürlich viele Gründe haben. Das Internet, die wirtschaftlich schlechte Situation im Verbreitungsgebiet der WAZ… alles Argumente, denen man sich nicht mutwillig verschließen sollte.

    Aber in meinen Augen befördert man nur den Auflagenschwund, wenn man sich in Zeiten massiver Auflagenrückgänge (die WAZ hat das größte Auflagenminus aller Zeitungstitel in NRW!) aus den Orten zurück zieht, zentralisiert und nicht mehr für den Leser „greifbar“ ist.

    Und ist erst einmal eine Bindung zerschlagen, dann ist es wie im Privaten: Ein zurück zum „Vorher“ ist nahezu unmöglich.

    – ich hoffe der Beitrag war nicht zu lang und deshalb zu ermüdent-

  26. Ex-WR-Stammredakteur sagt:

    Der Beitrag war weder zu lang noch ermüdend. Er trifft den Nagel auf den Kopf. Leider.

  27. anhängsel sagt:

    Spitzenbeitrag. Wie einige andere auch. Aber ich fürchte, daß diejenigen, die vielleicht noch was retten könnten, solches entweder nicht lesen oder ignorieren. Diese Ignoranz zieht sich leider wie ein weißer Faden durch alle Ableger der Gruppe. Als nächstes ruinieren wir … da finden wir doch noch was! Und danach ziehen die Totengräber weiter und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter.

  28. anhängsel sagt:

    # Dr. Holthoff-Pförtner
    Übrigens: Sie sollten sich schämen, ein Verdienstkreuz für soziales Engagement entgegenzunehmen, solange in Ihrer Verantwortlichkeit Menschen zu Kostenstellen degradiert und ihrer Existenz beraubt werden.
    (…)

  29. Frustriert sagt:

    Es stimmt. Wir werden als Fremdkörper wahrgenommen.

    Viele Geschäftsstellen sind geschlossen, die Redaktionen zum Teil nicht im Ort, Telefonkontakt gibt es über Hotlines. Die durch die Zusammenschlüsse und Schließungen verschobenen Redakteure kennen das Verbreitungsgebiet in der Regel nicht und sind obendrein oft demotiviert. Kurz nach 17 Uhr ist Feierabend – schnellster Weg nach Hause über die Autobahn. Außerdem schreiben ständig ortsfremde Leute total unterschiedlich über für die Bürger relevante Themen ohne ein Ziel oder einen Standpunkt zu verfolgen.

    Abends und am Wochenende vertreten nur noch schlecht gebriefte (und ebenso bezahlte) Kinder, Jugendliche und Senioren unsere Zeitung. Aus der Sicht von Vereinen, Parteien und Veranstaltern schreiben die unser Blatt.

    Auf der Titelseite ist nicht das Verbreitungsgebiet, sondern irgendwas in irgendwo. Und natürlich der Name. Heimatzeitung ist der, der die Stadt oder die Region im Titel führt. Weder Dortmunder, Kamener oder Lüdenscheider identifizieren sich mit Westfalen. Aber das ist ein alter und grundsätzlicher Fehler dieser Zeitung. Siegener Rundschau ist da der einzig vernünftige Schritt.

    Bevor nun einer jammert, dass ich den Personalmangel und den reduzierten Seitenumfang vergessen habe: Die Masse macht’s nicht. Kein Leser bezahlt auf Dauer mehr als 20 Euro für ein Blatt, um 100 Zeilen-Berichte und Gruppenfotos von Jahreshauptversammlungen zu sehen. Wenn eine Redaktion allerdings nicht in Vereinsmeierei macht und außerdem keine anderen lesenswerten Inhalte liefert, sollte sich keiner wundern, dass die Leser kündigen. Gibt es in den Redaktionen eigentlich noch Leute, die morgens ihre Zeit opfern, um unser eigenes (für sie kostenloses) Blatt zu lesen?

    Das eigentliche Problem liegt derzeit innerhalb der WR: Nachdem fast alle erfahrenen und viele der überdurchschnittlich guten Schreiber die Zeitung verlassen haben, bleibt oft nur ein trister Rest, der durch die Bank demotiviert und leider oft auch unfähig ist. Ich habe derzeit das Gefühl, dass viele nur noch hoffen, am Ende großzügig abgefunden zu werden.

    Gibt es hier eigentlich noch einen WR-Mitarbeiter, der glaubt, dass es die WR noch nach 2015 geben wird? Ich meine die Frage durchaus ernst. Ich denke es nämlich nicht.

  30. ciao sagt:

    Nein, ich glaube es nicht.
    Und Schuld ist der Zentralisierungswahn.
    Wie soll sich noch jemand für ein Produkt verantwortlich fühlen, wenn er nur noch Content aus einer Lokalredaktion an ein Desk im fernen Nirgendwo schickt und dort ohne Ortskenntnis von ein paar Wichtigtuern und ein paar armen Kerlen eine Zeitung zusammengekloppt wird. Natürlich erscheint die Zeitung weiter. Aber sie ist nicht mehr lokal, sie hat kein Herzblut mehr. Meins zumindest nicht.

  31. Auch frustiert sagt:

    Und noch eine kleine Ergänzung zu „Siegener Rundschau ist da der einzig vernünftige Schritt.“:
    Völlig idiotisch wird das allerdings, wenn dann in Siegen und Umgebung die „Siegener Rundschau“ auf den großformatigen Werbetafeln an den Hauswänden weiterhin als „Westfälische Rundschau“ beworben wird. Aber was tun wir nicht alles, um die Desorientierung des Lesers zu steigern!

  32. Ex-WR-Redakteur sagt:

    #Bindungen und Frustriert

    Ich stimmeIhnen beide voll zu. Ja, der Leser findet sich immer weniger ernst genommen. Geschlossene Geschäftsstellen, kein direkter Draht mehr zum Redakteur. Und selbst am Tresen fehlt der Lokalredakteur – zum Beispiel in der Kleinstadt.

    Doch nicht nur die vertrauten Schreiber werden vermisst. Wer aufmerksam liest, wird fesstellen, selbst die Konkurrenz zur WAZ-Gruppe wird offensichtlich von dieser bedient.

    Ein beispiel aus dem Impressum der Westdeutschen Zeitung, Düsseldorf. Dort steht verantwortlich für das Büro Brüssel: Kunt Priest. Er leitet das Büro der WAZ-Mediengruppe in Brüssel. So wird der Einheitsbrei aus diesem Büro nicht nur den WAZ-Blättern, sondern auch in anderen Blättern „verwurstet“.

    Zweites Beispiel aus dem Impressum der WZ:Das Berliner Büro. Für die Westdeutsche Zeitung schreiben Dirk hautkapp, Miguel Sanches. Autoren, die auch die WAZ-Mediengruppe unter Vertrag hat.

    Was soll der Leser davon halten ? Gleiche Autoren, aber tatsäöchlich konkurriende Zeitungen aus konkurriende Verlage ? So geht der journalistische Einheitsbrei munter weiter.

    Wenn das die neue „Manufaktur Journalismus“ sein soll, dann kann es mit der „Qualität“ wohl nicht mehr weit her sein. Wohl aber mit einem Einheitsbrei, der nun auch über die Verlagsgrenzen reicht.

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass einst der Verleger-Stolz exklusiv schreibende Journalisten waren, die gut informiert dem Blatt für das sie arbeiteten, einen Informationsvorsprung gaben, mit dem sogar neue Leser geworben werden konnten. Von diesem Ehrgeiz scheinen die Verlagsmanager der WAZ-Mediengruppe wohl endgültig befreit zu sein. „Manufaktor Journalismus“ im Hombachsen Sinn kann wohl nur heißen: Einheitsbrei in möglichst vielen Blättern….

  33. Salamitaktik sagt:

    @ Frustiert „Ich habe derzeit das Gefühl, dass viele nur noch hoffen, am Ende großzügig abgefunden zu werden. Gibt es hier eigentlich noch einen WR-Mitarbeiter, der glaubt, dass es die WR noch nach 2015 geben wird?“
    .
    Gegenfrage: Wer glaubt eigentlich noch, dass das alles nicht geplant ist?
    Ich jedenfalls glaube es nicht, und ich halte sogar den Zeitraum bis 2015 für zu großzügig bemessen. Es stimmt, der Frust unter den Verbliebenen ist unüberseh- und unüberhörbar. Der Qualitätsverlust und der galoppierende Auflagenschwund auch. Das Ende der WR war doch schon in der Lichtburg beschlossene Sache. Es ließ sich nur nicht sofort durchsetzen, sonst hätte es wohl wirklich Streiks gegeben. So entschied man sich für die Salamitaktik. Offenbar mit Erfolg.
    Mir jedenfalls und manchem anderen auch wäre inzwischen ein halbwegs „sauberes“ Ende lieber, als dieses qualvolle Dahinsiechen einer Zeitung miterleben zu müssen, auf die ich als Beschäftigter einst stolz war.

  34. Ruhrgefilz sagt:

    Was zahlt eigentlich ein Medienmanager für den Miet-Ministerpräsi?
    Gibt’s da auch einen Euro-Stundensatz oder wird das in Rotwein abgerechnet?

  35. Mystifiziert sagt:

    @Frustriert: „Weder Dortmunder, Kamener oder Lüdenscheider identifizieren sich mit Westfalen. Aber das ist ein alter und grundsätzlicher Fehler dieser Zeitung. Siegener Rundschau ist da der einzig vernünftige Schritt…“

    Mit welchen vernunftgeleiteten Schritten begründest Du diese geradezu absurde, medienfremde und mystisch anmutende Annahme? Für das Leser-Blatt-Verhalten ist es so gut wie vollkommen unerheblich, ob die eingeführte Zeitung im Titel ihres Lokalteils „Westfalenpost“ oder „Westfälische Rundschau“ heißt, wie sie immerhin seit 60 Jahren eingeführt sind, oder die lokalen Standorte in den Zeitungstitel, wie am fehlgeschlagenen Beispiel „Siegener Rundschau“, gerückt werden. Für Zeitungsleser ist entscheidend, was sie an Blattinhalten in ihren Lokalausgaben zugestellt kriegen. Alles andere ist Kirchturmsdenken und hat mit einer Analyse von Leser-Blatt- und Kauf-Verhalten genauso wenig wie mit veränderter lokaler Medienwirkung zu tun. Nenn‘ mal ernst zu nehmende Medienanalysen oder empirische Studien, die so etwas verbreiten.

  36. sinkflotte sagt:

    Hallo??!! Jemand zuhause?? Kuckt ma raus aus eurem Elfenbeinturm! Glaubt ihr, z.B. beim HA („HEIMAT“zeitung, bald 180 Jahre) geht´s anders zu?? Wenn bei der PK des Kirchenkreises eine jungsche Mitarbeiterin demütig wissen will, wer am Tisch denn die Superindententin sei und wie sie heißt, spricht das Bände. Fremdschämen und Wispern im Rund, wenn die Redaktöse draußen ist: „Wer war das denn wieder? Wieder wer Neues?“ Dass kaum noch irgendwo Lokalredakteure am Tresen hängen (es sei denn […], für die ich aktuell größtes Verständnis habe) oder sich mal abends aus freien Stücken gern! selbst! persönlich!! ins Theater setzen statt Fremdrezensionen ins Blatt zu rotzen, ist nicht WAZ-immanent, sondern flächendeckend ausgebreitet wie eine Pest. Beim HA rotzt inzwischen jeder Schreiber eineinhalb BIS ZWEI seiten zu, inklusive unbezahlter Abendtermine, die im Aktualitätswahn noch bis 23 Uhr im Blatt zu stehen haben und nur noch in Ausnahmefällen von Freien übernommen werden dürfen. Statt am Tresen hängen die Leute abends in der Redaktion. Theater pp: maximal nach der Pause zur zweiten Hälfte zu schaffen. Und vielleicht will man dann zu später Stunde auch noch mal der Familie von Ferne noch Winke-Winke-Gutnacht sagen. So sieht die Realität bei Lokalzeitungs aus. Die mangelnde Verwurzelung in der Stadt sieht man doch nicht nur den WAZ-Blättern an!
    So, das musste jetzt mal raus. Ihr sitzt alle in einem Boot!

  37. salz sagt:

    Hallo!
    Gerade eher zufällig bin ich bei Euch gelandet und finde es auch erschreckend, wie miserabel das Management bei der WAZ ist. Ich habe mich bei „www.derwesten.de“ aktuell mit einem Artikel beschäftigt und diverse Kommentare abgegeben.

    http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/Protest-macht-am-Schalker-Gymnasium-Schule-id2760277.html

    Dabei bin ich zunächst total erstaunt gewesen und inzwischen richtig sauer, dass die da systematisch Beiträge löschen. Von meinen Beiträgen sind jetzt schon insgesamt vier vollständig gelöscht worden. Kennt Ihr das? Kann man da was machen?

  38. Ex-WR-Redakteur sagt:

    Sinkflotte

    Mit Verlaub, schon in den Siebzigern bei der Westfälischen Rundschau, war es teilweise üblich, dass ein Mann bis zu anderthalb Seiten allein in den Revierredaktionen füllte.

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als junger „Nachwuchsmann“ allein gelassen in einer Redaktion mitten im Pott die tagesausgabe von anderthalb Seiten zusammen frimelte, inklusive selber angefertigter Bilder. Die wurden dann unentwickelt (weil kein Fotolabor im Hause) ans Zentrallabor nach Dortmund geschickt. Ach ja. Fast vergessen: Weil die Klischeekosten damals sehr hoch waren, durften auf einer Seite nicht mehr als drei Bilder veröffentlicht werden….

    Und später dann, als Redakteur, saß ich sonntags mit dem Sport allein da. Mit bis zu drei Seiten und ein paar freien Mitarbeitern, die für ein „Armenbrot“ und viel Ehr (den gedruckten Namen im Blatt zu lesen) die Texte schrieben und Bilder lieferten.

    So gesehen hat sich daran nichts geändert. Geändert hat sich aber die Grundhaltung von Chefredakteuren zu ihren Mitarbeitern. So gab es trotz des Niedergangs der Westfälischen Rundschau damals keine betriebsbedingten Entlassungen. Lediglich einen Einstellungsstop..

    Und auch das Betriebsklima war mal ein anderes, weil deutlich besser.

  39. schattig sagt:

    Die WR und die NRZ sind nur noch Schatten ihrer selbst.

  40. unglaublich! sagt:

    Mal noch so kurz angefügt: Können wir es nicht besser? Nehmen wir alle unsere Abfindungen und produzieren die Zeitung, die wir uns vorstellen. Wir haben doch die WAZ überhaupt in die Lage versetzt, Schickler bezahlen zu können! Alles zunichte gemacht von Leuten, die vielleicht wissen, wie man „Strippen zieht“, aber von einer Zeitung keine Ahnung haben!

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