Wer schürt hier Angst?

In einem offenen Brief hat der stellvertretende Chefredakteur der Westfälischen Rundschau, Frank Fligge, dem DJV vorgeworfen, die Angst unter den Beschäftigten der WAZ-Mediengruppe zu schüren. Fligge, der in diesem Brief den Wechsel seiner Mitgliedschaft von DJV zu dju in ver.di mitteilte, nimmt den Bericht „Redaktionsschluss im Sauerland“ in der April-Ausgabe des journalist (Herausgeber DJV-Bundesverband) zum endgültigen Anlass für Schritt. Er schreibt u.a.:

“ […]Richtig ist, dass viele Beschäftigte der WAZ-Mediengruppe Angst haben – weil der DJV Angst mit solchen, ganz und gar unjournalistischen und tendenziell polemischen Berichten seit vielen Monaten immer wieder schürt. Was glauben Sie wohl, was ein solcher Artikel in der WR-Belegschaft anrichtet, die nach der schwierigsten Phase in der Geschichte dieser Zeitung allmählich wieder Vertrauen fasst und Sicherheit zurückgewinnt?! Vielleicht sollten Sie als Gewerkschafter sich auch darüber einmal Gedanken machen. Als stellvertretender Chefredakteur, der in den zurückliegenden 17 Monaten hart daran mitgearbeitet hat, dieser traditionsreichen Zeitung eine Zukunft zu eröffnen, habe ich nicht länger Lust, mir die zarten Erfolge von Gewerkschaftsdogmatikern kaputt machen zu lassen.[…]

„Diese Wertung ist menschlich verständlich, geht aber an der Sache vorbei“, so der Vorsitzende des DJV-Landesverbandes NRW, Helmut Dahlmann. Er erinnert an die Aussage des Vertreters der Beratungsfirma Schickler am 5. Dezember 2008 in der „Lichtburg“ in Essen, dass eine aus „rein betriebswirtschaftlicher Sicht nahe liegende Option“ gewesen sei, die Redaktion der Westfälischen Rundschau aufzugeben. Genau diese Aussage hätten noch viele Kolleginnen und Kollegen in den Ohren. Bis heute habe es keine „Entwarnung“ gegeben. „Im Gegenteil“, sagte DJV-Hauptgeschäftsführer Kajo Döhring: „Die Firma Schickler werkelt weiter im Hause. Und noch vor wenigen Wochen machte eine Mail der Personalabteilung die Runde, bei NRZ und Rundschau gebe es noch insgesamt 21 Stellen zu viel. Wer also schürt hier Angst?“

619 Antworten zu “Wer schürt hier Angst?”

  1. WAZ des Tages sagt:

    Ich denke immer, es wird doch irgendwann mal eine Feuerlanze niedergehen, während einer der WAZ-Oberen so daherredet. Aber es passiert einfach – nichts.
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    Es ist ungeheuerlich, mit welch schmalziger Selbstverliebtheit Herr Hombach sich die Welt zurechtlügt. Unangefochten durch die pulverisierte Auflage seiner Blätter, des Beifalls seiner Claqueure sicher.
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    Aber es ist auch kein Wunder, dass er sich auf der richtigen Schiene wähnt, wenn man liest, mit welcher Tonalität der HORIZONT die Ergüsse von Herrn Hombach anreißt: „Mit einem eindringlichen Appell wendet sich Bodo Hombach an die regionalen Zeitungen.“
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    E-k-e-l-h-a-f-t. Bäh!

  2. Hodo Bombach sagt:

    „Haltet den Dieb! Er hat mein Messer im Rücken!“

  3. Schmerz, lass nach! sagt:

    Welch ein Gewäsch. Niemand hindert ihn, die Lokalteile zu stärken.

  4. Mach doch endlich! sagt:

    Los, Hombach! Nicht immer nur predigen und schwadronieren. Mach doch endlich! Stärk doch mal die Lokalteile! Warum nur Sonntagsreden?

  5. ganzunten sagt:

    Mein lieber Herr Hombach,
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    nein, wir haben es nicht nötig artig mit den Größen unserer Stadt in der ersten Reihe zu sitzen. Das gibt den meisten von uns gar nichts.
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    Aber ja, wir drucken ungeprüfte Pressemitteilungen und lassen spannende Geschichten liegen, regelmäßig sogar. Wir müssen nicht geweckt werden, damit es anders wird: Wir haben kaum noch Zeit für Recherche, weil es ganz da oben ein riiiiiiiesen Content Desk gibt und ganz da unten nur noch kümmerliche, zusammenschicklerte Lokalredaktionen.
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    Und wissen Sie was? Die meiste Zeit verbringen wir auch noch mit Absprachen. Wir können nichts mehr eben schnell auf den Seiten ändern. Wir haben wie in den 70er-Jahren keine Layoutmöglichkeit (mehr). Da gibt es sogenannte Regiodesks. Mit denen stimmen wir uns den lieben langen Tag ab. Das ist toll, oder?

    Dass die Leser schon seit Jahren etwas möchten, nämlich einen starken, gut gemachten Lokalteil, das haben Sie erkannt.
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    Dann ziehen Sie mal die richtige Schlüsse daraus. Oder fragen Sie die RP. Oder die WN. Oder die NW. Oder oder.
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    Es grüßt Sie ein ganz kleiner Lokalredakteur ausm Pott

  6. Abgehoben sagt:

    Mein Gott, wie abgehoben und fern jeglicher Realität können Menschen eigentlich sein?
    Man wünscht sich nur noch, dass die sich einmal, ein einziges Mal nur, mit dem Alltag in einer von ihnen gnadenlos zusammengestichenen Redaktion vertraut machen müssten.
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    Wie wär’s? Einen Tag lang mal ganz allein gleichzeitig in vier Kommunen gleichzeitig präsent sein! Zwischendurch hektisch gegen die Uhr schreiben und ein paar Dreispalter hinrotzen, Abstimmungsgespräche mit Kollegen führen, die keinen blassen Schimmer von der Stadt haben, aus der Du anrufst. Schnell wieder ins Auto, nächster Termin – und auf der Fahrt dahin von der interessanten, größeren Reportage und den dafür notwendigen Recherchen träumen, für die Du aber nicht den Funken Zeit hast angesichts eines maßlos mit internen Regularien überfrachteten Arbeitsalltags. Außerdem ist dein Kollege gerade krank, weil er schon am Ende ist, und Du machst seine Arbeit mit, weil eine Vertretung gibt es nicht, und Du bist ja auch noch nicht am Ende. Noch nicht ganz jedenfalls.
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    Ganz nebenbei darfst Du dann die Noch-Leser bedienen, die in die Redaktion schneien, weil sie sich partout nicht mit einer Hotline-Mitarbeiterin in Bad Nirgendwo unterhalten wollen, weil die sich nämlich auch nicht auskennt und nicht weiß, wer zuständig ist. Und ein bisschen Geschäftsstelle spielen darfst Du auch noch, weil das Reisebüro in der Shopping-Mall, das neuerdings eigentlich als Geschäftsstelle dienen soll und deshalb ein kleines Schildchen rechts oben im Schaufenster kleben hat, nicht einmal mehr gefunden wird von Deinem Noch-Leser und im übrigen mit Leuten besetzt ist, die sich als Reisekaufleute hervorragend mit Reisen auskennen, aber komischerweise überhaupt nicht in Verlagsdingen.
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    Deshalb darfst Du am Telefon noch ein paar Abonnenten erklären, warum wieder morgens keine Zeitung gekommen ist, und dass das bestimmt nicht wieder vorkommt und dass Du gleich persönlich eine vorbeibringst, wenn sie denn bloß, bitte, bitte, keine Abbestellung schreiben, weil es im letzten Quartal ja schon wieder um fünf Prozent in den Keller ging und Dein Arbeitsplatz sonst bald flöten geht. Das Letzte sagst Du ihnen natürlich nicht, sondern höchstens noch, dass die Zeitung trotzdem tolle Qualität bietet, auch wenns täglich anders aussieht, und dass die paar Mängel, die jeder hingesch… Text leider hat, branchenüblich und nur eine notwendige Folge der leider notwendigen Nutzung von Synergien sind. Das versteht zwar keiner, das macht aber nichts, weil Du hast es ja selbst auch schon nicht verstanden. Du weißt nur, dass dieselbe Arbeit, die früher fünf Kollegen getan haben, nun allein an Deiner Backe hängt. An zwar an Deiner linken, weil an der rechten hängt schon Geschäftsstellen- Regiodeskabstimmungs- und administrativer Regularienunfug.
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    Wenn dann Dein Arbeitstag nach zehn, elf Stunden, von denen Du natürlich nur 7,5 registrierst, weil Überstunden gibt es ja nicht, beendet ist – dann hast Du garantiert keine Lust mehr, mit dickbauchigen Gläsern in der Hand über die Zukunft der Zeitung im Allgemeinen und über Anforderungen an Redakteure im Besonderen zu schwadronieren. Dann wärst Du nämlich erstens fix und fertig und hättest zweitens wenigstens ansatzweise einen Blick auf den riesigen Scherbenhaufen geworfen, den Du in Deiner ganzen Größe während der letzten Jahre verursacht hast.
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    Aber das alles liegt Dir ja fern, so fern wie der Mond. Ja, dann bleibt Dir halt nur der langweilige Job als Wanderprediger. Und die dickbauchigen Gläser, Zigarrenqualm im Hirn und der leidende Blick über die Halbbrille. Ist ja auch ganz schön.
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    Mahlzeit!

  7. Arno Tilsner sagt:

    Bodo Hombach ist ein deutscher Politiker, der sich in seiner im wesentlichen abgeschlossenen Berufsbiographie vor allem als Polit-Manager einen Namen gemacht hat. Herr Hombach war nie ein erfolgreicher Frontmann. Tatsächlich hatte er ein außergewöhnliches Vermögen, Visionen der jeweiligen Frontleute in zählbare Wähler/Innen-Stimmen umzusetzen. Wahrscheinlich in Folge seiner Vernetzung im sozialdemokratischen Milieu hat ihn dieses Talent an die Spitze der WAZ gespült.

    Da steht er und redet von Dingen, die er sich vorstellen kann. Bodo Hombach macht Politik am falschen Platz. Es kommt nämlich nicht nur darauf an, was die lieben Leserinnen und Leser gerne hätten, es kommt auch darauf an, wie man damit Geld verdient, um mit dem Unternehmen, dem man vorsteht, auf dem Markt nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften.

    Im Markt trifft Bodo Hombach auf Lambert Lensig-Wolff, der sich als entschiedener Umsetzer einen Namen gemacht hat. Das ist für einen Unternehmer durchaus eine Qualität. Im Umbruch, in dem sich die Zeitungsverlage weltweit befinden, ist sie notwendig, aber nicht hinreichend. Entschiedenheit braucht eine Idee wohin die Reise gehen soll. Die Idee ist in der gesamten Branche nicht da, weshalb Lambert Lensing-Wolff sie nirgends kopieren kann. Er müsste – was der Branche bisher nicht eingefallen ist – als Konzept für seinen Verlag entwickeln.

    Den Tageszeitungen im Pott fehlt der Unternehmer.

    Wenn man in der Position eines Unternehmers eigene Ideen nicht hat oder nicht verantworten will, holt man eine Unternehmensberatung. Offensichtlich ist die seit geraumer Zeit in den Häusern. Wenn die UB die beiden Verlage hinreichend abgespart hat, wird sie – auch damit es für sie noch ein paar Jahre weiter geht – möglicherweise empfehlen, die Gerippe zu fusionieren.

    Wer eben kann, sucht vorher das Weite!

  8. brisko sagt:

    nun sollen es Leserbeiräte richten bei der Westfälischen Rundschau
    http://www.evangelisch.de/themen/medien/ombudsstellen-bei-zeitungen-was-die-leser-wollen25187

  9. Wanderprediger sagt:

    So ist das nun ‚mal mit Wanderpredigern: Sie schwadronieren wie selbstverständlich über Dinge, die sie noch niemals gesehen haben.

  10. Schmerz, lass nach! sagt:

    Lasst doch die Leserbeiräte das Blatt machen. Die sind vielleicht besser besetzt als die ausgedünnte WR-Redaktion.

  11. Wiebke Westhues sagt:

    Mit Sicherheit ist es sinnvoll das Weite zu suchen, wo Menschen wie Bodo Hombach und Lambert Lensing-Wolff wirken. Hombach gehört zu den Kräften, die mit Clement und Co. die Umverteilung von unten nach oben auf den Weg gebracht haben. Im Namen der deutschen Sozialdemokratie wurde damit einkalkuliert, dass ein Teil der Gesellschaft zum Wohle des Kapitals auf der Strecke bleibt. Nun darf er als beruflicher Seiteneinsteiger in einem ehemals angesehenen Verlagshaus für Chaos sorgen. Und die Opfer seiner Personalpolitik müssen sich durch seine erbärmlichen Sonntagsreden zum Thema Medienpolitik auch noch verhöhnen lassen….

  12. Wanderprediger sagt:

    Schön wäre doch eine ausführliche Sonntagsrede zum Thema: „Wie man für ein Wochenmagazin, das niemals erscheinen wird, mal eben ein paar Millionen Euro zum Fenster ‚rauswirft“. Oder: „Wie man ganz locker und schmerzfrei über 100 Millionen Euro in Serbien versenkt“.

  13. Schließungen? sagt:

    „Nur in wenigen Großstädten wird die lokale Zweit- oder gar Drittzeitung bestehen. Der Titel ohne Todesanzeige ist dem wirtschaftlichen Tode nahe.“
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    Ich kann mich irren, aber m. E. deutet Hombach hier ziemlich klar weiteres Aufräumen an. Ich kenne eine Ausgabe, auf die das, was er da sagt, haargenau zutrifft. Dort würde ich mich jetzt sehr fürchten.

  14. Schmerz, lass nach! sagt:

    @prfuerbodo
    Da kann man nur wieder sagen: Schmerz, lass nach!

  15. Jubelperser sagt:

    „Sein Konzept sieht anders aus: Nicht mehr jeder sollte alles machen, sondern nur das, was er besonders gut kann.“
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    Genau. Hombach kann Politiker. Aber wirklich NUR Politiker.

  16. Arno Tilsner sagt:

    @Jubelperser
    Vormals hätte Herr Hombach das auch in der Zeitung nachlesen können. Damit war die Zeitung ein wesentlicher Bestandteil sozialer Kontrolle. Heute steht der Satz nicht in der Zeitung, weil das Büro Hombach ihn nicht als Presseerklärung raus gegeben hat. Dass er hier in einem Blog steht, stört nicht weiter. Die öffentlichkeitswirksame Bedeutung dieses Blogs kann man in Umrissen hier ablesen:

    http://www.alexa.com und https://www.medienmoral-nrw.de eingeben.

    Fazit: Platz 3.500.029 der weltweiten Websites

    Für eine Wirkung ist das in jeder Hinsicht entschieden zu wenig und bleibt weit unter den Möglichkeiten der Wortgewaltigen in NRW.

  17. brisko sagt:

    @arnotilsner das mag alles richtig sein, was Du schreibst, aber wer erlebt hat, wie Bodo Hombach auf Analysen. Fakten und Meinungsäußerungen aus diesem Blog auf Betriebsversammlungen der Zeitungstitel der WAZ-Mediengruppe reagiert hat, der weiß: Auch dieser special interest-Blog hat seine Wirkung – ohne natürlich jemals die Möglichkeiten der Wortgewaltigen in NRW erlangen zu können

  18. Arno Tilsner sagt:

    Ich würde keinen Schnipsel Lebenszeit hier verbloggen, wenn ich nicht von der Wirkung überzeugt wäre. Was ich meine: mehr Wirkung ist möglich.

    Dazu braucht es weder Genialität noch Kapital. Es braucht ist die persistence vieler Öffentlichkeitsarbeiterinnen und -arbeiter, die Mo-Fr sowieso auf Arbeit sind.

    Aus dem politischen Blickwinkel genügt es nicht, wegen Bodo Hombach und Lambert Lensing-Wolff das Weite zu suchen. Wenn alle Titel im Land wegen Überlastung des Personals gleich geschaltet sind, sollte die öffentliche politische Diskussion um unsere gesellschaftliche Zukunft dennoch weiter gehen.

  19. Redaktor sagt:

    @Arno Tilsner „mehr Wirkung ist möglich…“
    .
    Ich glaube nicht mehr daran. Zum einen mag es am immer noch relativ geringen Sozialprestige des Journalisten liegen, an dem die elektronischen Medien leider erheblichen Anteil haben. Schließlich gibt es kaum einen Fernsehkrimi, in dem Journalisten nicht als lästige, penetrante Schmeißfliegen verunglimpft werden. Oder es wird das Bild von der überheblichen, champagnerglasschwenkenden Journaille vermittelt, die über die Maßen Zeit zur Recherche hat und völlig überbezahlt ist. Oder es vermitteln Typen wie Kerkeling das Bild vom Loser, vom Schmierlappen mit Trenchcoat und Schnapsfahne. Alles nicht besonders geeignet, in der Öffentlichkeit Verständnis für die tatsächliche Situation der Presse und ihrer wichtigen Funktion in einer Demokratie zu wecken.
    Wer das Bild von lästigen, schmierigen Reporter im Hinterkopf hat, der erlebt dieses Blog aus einem anderen Blickwinkel als das Fachpublikum.
    Zudem muss der Mediennutzer im Internet mit einem riesigen Angebot fertig werden, vor dem selbst die Intelligenteren mehr und mehr kapitulieren.
    Hinzu kommt das abfällige, elitäre Getue einiger Web 2.0-Nerds, die sich in den Online-Abteilungen größerer Verlagshäuser eine virtuelle Parallelwelt aufbauten und in den „Kollegen“ der vorsintflutlichen Holzmedien bestenfalls nützliche Idioten als Lieferanten kostenlosen Web-Contents sehen. Sorry, es mag Ausnahmen geben – aber das ist meine Erfahrung nach fünfjähriger (Nicht-)Zusammenarbeit mit kahlrasierten Designerbrillenträgern.
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    So kann es geschehen, dass Manager einerseits ihr eigentliches Handwerk ganz offensichtlich nicht beherrschen, sauer verdiente Euros millionenweise in irgendeinem Lokus auf dem Balkan ‚runterspülen, aber zugleich noch weiter salbungsvolles Politiker-Geschwätz auf Symposien von sich geben dürfen und damit, selbst nahezu unerfahren im Journalismus, alte Fuhrleute lehren wollen, wie man mit der Peitsche knallt.
    So kann es leider auch geschehen, dass das alles die „Öffentlichkeit“ kaum noch interessiert.

  20. Arno Tilsner sagt:

    Ferseher/Innen schauen halt in die Röhre. Medienmacher/Innen schauen jeden Tag in Medienhäuser. Darüber, was da drinnen abgeht, können alle, die unmittelbaren Einblick haben, unter sich mehr Öffentlichkeit herstellen. Damit meine ich, die künftige Gestalt, die sich bei so komplexen Gebilden wie Zeitungen, im Vorfeld abzeichnen muss, wie ein Puzzle zusammentragen. Beispiel: Ich gehe bei allem, was ich von Münster aus sehen kann, davon aus, dass WAZ und Lensing-Wolff eine Fusion im Sinn haben. Deshalb werden systematisch alle Teilbereiche von hoch bezahlten Redakteurinnen und Redakteuren „befreit“, um anschließend in einem sehr großen Einzugsbereich das 1-Zeitungsmodell (Hombach) als Abo-Zeitung mit flankierenden kostenlosen Ausgaben zu fahren. Einsparungspotential – oder wie sagt man heute klangvoller – Synergien ergeben sich vor allem, wenn man in dem neuen Konzern die mittleren Ebenen der beiden alten Häuser schleift. Wenn ich mir den Markt in Münster anschaue, habe ich nicht den Eindruck, dass die Hüffers mit Herrn Lensing-Wolff fusionieren wollen. Ist es von Vorteil für die WAZ es im Ruhrgebiet zu tun? So eine Art Stalloder von Herrn Hombach statt sich im knallharten Wettbewerb um die bessere Zeitung zu profilieren? Einfacher ist es natürlich, man macht panibratsch und lässt den Leserinnen und Lesern keine Wahl.

  21. Das Kartell sagt:

    @Arno Tilsner „dass WAZ und Lensing-Wolff eine Fusion im Sinn haben.“
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    Mag sein, dass die Herrschaften sich das sehnlichst wünschen. Ganz einfach wird das aber sicher nicht, denn es gibt noch so schöne Sachen wie Fusionskontrolle, Kartellverbot, BKartA … Da ist, der EU sei Dank, auch der Spielraum des Gesetzgebers nicht besonders groß.

  22. Arno Tilsner sagt:

    Aha, ja, nicht ganz einfach. Immerhin könnten wir in B.H.’s Fensterrede so mehr als eine Fensterrede erkennen. Wenn Zeitungen nur in 1-Zeitungs-Regionen wirtschaftlich überleben, dann müssen Gesetzte, die das verhindern, für diesen konkreten Fall geändert werden. Andernfalls stünde das gesamte Medium Abo-Zeitung auf dem Spiel, was man mit Beispielen aus USA belegen kann. Was eben noch als „salbungsvolles Politiker-Geschwätz auf Symposien“ erschien, könnte aus diesem Blickwinkel auch eine Rede in the middle of the job sein. Hat man den Politiker Bodo Hombach auch dafür engagiert, dass er diese nicht ganz einfache Sache im Sinne der drei Verleger in der Politik durch bringt?

  23. Redaktor sagt:

    „nur in 1-Zeitungs-Regionen wirtschaftlich überleben, dann müssen Gesetze, die das verhindern, für diesen konkreten Fall geändert werden“
    .
    Oh, da gibt es durchaus Varianten, die ganz ohne Fusionen funktionieren (und deshalb das BKartA nix angehen). Zum Beispiel diese kleine Absprache: „Ziehst Du Dich aus meinem Gebiet x zurück, dann mache ich meine Redaktionen in yz dicht. Et voilà: Wir tun uns nicht mehr weh, das Leben ist wieder schön…“
    Alles ganz ohne Kartellamt. Damit es nicht so sehr abgesprochen aussieht, lässt der Eigner der Zweitzeitung die Redaktion in der betreffenden Region zwei, drei Jahre am ausgestreckten Arm verhungern. Wettbewerb? Kostet doch bloß viele Seiten, Redakteure und damit unnötig Geld.

  24. Arno Tilsner sagt:

    „lässt der Eigner der Zweitzeitung die Redaktion in der betreffenden Region zwei, drei Jahre am ausgestreckten Arm verhungern.“

    In der Fläche ist das Modell ja wohl überwiegend abgearbeitet. Bleibt die spannende Frage: wer macht im Großraum Dortmund den langen Arm?

  25. Schmerz, lass nach sagt:

    @Arno Tilsner
    Na, wer wohl?

  26. versteheichnicht sagt:

    Einerseits verhungert die WR, andererseits werden die RN gerade journalistisch vor die Wand gefahren. Also wer?

  27. Ganz einfach sagt:

    Wenn die eine Zeitung kräftig hungert, muss man die andere auch nicht mehr unnötig mit Qualität füttern…

  28. Elend sagt:

    Mal wieder Butter bei die Fische: Mit den rund 12 Mio. Euro Miesen, die ausweislich der jüngsten Betriebsversammlung für die WR am Jahresende zu Buche stehen werden (statt der von der Chefredaktion zuvor angekündigten „schwarzen Null“) dürften die nächsten Monate den verbliebenen Rundschau-Kollegen schwer an die Nerven gehen.

  29. brisko sagt:

    Bodo H. im Bewegtbild hat positive Erfahrungen mit dem Zusammenlegen von Redaktionen gemacht, na wenigstens einer
    http://www.meinelokalewelt.de/?page_id=132

  30. Medienmoral sagt:

    Die WAZ-Mediengruppe hat gerade eben bekanntgegeben, dass Daniela von Heyl neue Leiterin Online für den Bereich „Der-
    Westen.de“ und damit Mitglied der Geschäftsleitung von WAZ NewMedia wird. Die 44-Jährige kommt am 1. Januar 2011 zur WAZ Mediengruppe. Seit 2009 war sie bei der Hubert Burda Media als Innovationsdirektorin ( Director Innovation ) in der Burda Women & Entertainment Group tätig

  31. WAZgeschäftsführerGmbH sagt:

    …vergeht eigentlich noch irgendein Tag, an dem nicht ein neuer Mensch in irgendeine Geschäftsführung der WAZ Gruppe berufen wird? Nichts gegen Frau Heyl als Person. Aber nicht nur mein Gefühl sagt mir, dass an der Basis kaum noch Mitarbeiter sind, während sich oben inzwischen eine nicht mehr zu überschauende Schar an Geschäftsführern tummelt.
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    Neben sinnvollen Tätigkeiten möchten die natürlich auch alle einen Tätigkeitsnachweis erbringen. Sie knobeln also alle mehr oder weniger tolle Ideen aus, die bitteschön nach unten durchgereicht werden und dort umgesetzt werden sollen. Daran krankt die WAZ auch. Daran, dass zu viele Leute oben zu viele Vorgaben machen, so dass unten nur noch mit der Erledigung von Vorgaben befasst ist. Ganz nebenbei verkauft man noch Anzeigen. Oder macht Zeitung. Oder schreibt online. Aber nur nur wenn gerade noch Zeit ist.

  32. WAZgeschäftsführerGmbH sagt:

    Nachgeschaut: Ist ja erst Geschäftsführung Nummer vier bei WAZ New Media. Gerade genug für ein defizitäres Unternehmen, wobei Print finanziert es ja. Da kommt es nicht mehr auf den ein oder anderen oben an der Spitze an. Vielleicht lässt sich im Gegenzug noch etwas in den Printredaktionen holzen.

  33. Erdnuss sagt:

    @Elend
    12 Millionen: Für die WAZ-Gruppe Peanuts, für die WR eine Menge Holz.

  34. Anonymous sagt:

    … seven, eight, nine, ten – out!

  35. Arno Tilsner sagt:

    @http://www.meinelokalewelt.de/?page_id=132

    Bodo Hombach stellt eine gewagte These an den Anfang seiner Überlegungen zur zukünftigen Entwicklung von Zeitungen, wenn er, wie er meint, ’nüchtern analysiert‘ feststellt, „dass man im Augenblick mit Print nicht mehr das Geld verdient, das man früher verdient hat und mit Online noch nicht das verdient, was die Lücke füllen würde, …“. Wirklich nüchtern ist die Analyse, wenn beim möglichen künftigen Online-Verdienen das noch vor dem nicht gestrichen ist. Aus meiner Sicht der Lage deutet nichts darauf hin, dass Online in Zukunft für Zeitungsverlage einen nennenswerten Deckungsbeitrag bringen wird. So erklärt sich auch der schnelle Personalwechsel in dem Sektor. Verleger Hoffnung trifft auf schöne Worte mit gutem Willen, die in ihrer gesamten Berufsbiographie noch nicht verdienen mussten. Gut sind sie, weil sie teuer eingekauft werden. Sie sind unverzichtbar, weil sie angeblich den Zugang zur Zukunft in ihren Köpfen haben. Eine Situation, wie sie unglaublicher nicht sein kann: täglich rackern sich Holzarbeiter an den Riemen ab, während Onliner die Brücke besetzt haben und einen Kurs ins Nirgendwo angeben. Und von ganz oben tönt der Ruf: Rudert, Männer, ruddert!

  36. Redaktor sagt:

    Naja, auf der Brücke stehen die Onliner nicht. Da stehen welche, die in naivem Kinderglauben und ohne hinreichende persönliche Erfahrung den Traum vom Web2.0-Geldsegen träumen, den ihnen die Nerds mit den rasierten Glatzen und den Designerbrillen noch immer in schönsten Farben ausmalen. Dass inzwischen bereits einige ehemalige Web2.0-Erfolgsnummern mangels Gewinn schon wieder in den Sack hauen, das entgeht den Träumerles auf der Brücke natürlich. So gut kennt man sich als Manager nicht aus mit solchen Sachen wie Internetz oder wie das Dings heißt.
    Und so halten sie keinen Kurs ins Nirgendwo, mit dem es ja wenigstens noch die Chance gäbe, irgendwann zu neuen Ufern zu gelangen. Nein, die halten Kurs aufs Riff…

  37. WAZgeschäftsführerGmbH sagt:

    …und berufen neue Geschäftsführer…

  38. Arno Tilsner sagt:

    @“dass man im Augenblick mit Print nicht mehr das Geld verdient, das man früher verdient hat und mit Online noch nicht das verdient, was die Lücke füllen würde, …”

    Um den Blick auf die ökonomische Entwicklung der Branche zu schärfen, möchte ich einige Zahlen aus einem Experiment der letzten Wochen anreichen. In diesem Versuch hatten wir 67.874 Seiten-Besucher/Innen die von Google angelieferte contentbezogene Werbung gezeigt. 207 von 67.874 klickten die Werbung an, eine Vermittlungsleistung, die das Mountain Viewer Unternehmen uns mit 49,83 EUR provisioniert. Die PIs der jeweiligen Medien kann man bei der IVW nachlesen und sich also selbst in Umrissen ein Bild machen.

    Wir haben nach dem Experiment entschieden, auf nadann.de keine Google Werbung zu zeigen. Maßgeblich für die Entscheidung war eine Besonderheit des Provisionssystems, die mir erwähnenswert erscheint. Provisioniert wird die Verlinkung der Seitenbesucher/Innen auf die in der Werbung hinterlegte URL. Nicht bezahlt wird für das Zeigen der Werbung, die zum klick führen soll. Man könnte daraus folgern, dass Google das Zeigen der Werbung nix wert ist, der Klick alles. Tatsächlich ist es so, dass der Link von einem größeren Motiv deutlich mehr einbringt, als ein Link von einem kleineren. Auf einmal ist Link nicht mehr gleich Link, woraus wir messerscharf schließen, dass das Zeigen der Werbung so umsonst nicht ist, wie es gemacht wird.

  39. Hans Lassmann sagt:

    Die Schicklerzahlen sind auf einmal auch nicht mehr das, was sie waren: Aus 2 MAKs im Lokalen werden plötzlich 1,7 MAKs und so weiter. Die Arbeitszeitverkürzungen werden wahrscheinlich im großen Topf (Contentdesk) verrudert und sind nicht mehr in den Lokalredaktionen verortet. Von wegen Ausgleich! Chaos ohne Ende!

  40. eisberg sagt:

    Im Lokalen knallt doch ohnehin alles gegen die Wand. Aber Super-Bodo und einige andere predigen, wie wichtig der Lokalteil ist. Haha.

  41. Auf zum Vortrag! sagt:

    Wieder schönes Eigentor in der Samstags-WAZ. Da wird in der Westseller-Eigenanzeige für den Vortrag von Dieter Lange geworben.Thema: „Den Sieger erkennt man am Start – den Verlierer auch“ – Wer Menschen führen will, sollte erst einmal sich selbst führen können!
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    Na fein, dann wäre der Saal schon einmal für der 75% der jetzigen WAZ-Führungsmannschaft reserviert die dann sehen und hören kann, warum gerade zweites auf sie zutrifft. Beispiele für den negativen Ausblick gibt es zuhauf.

  42. oh Tannebaum, wie rot sind deine Zahlen? sagt:

    Wenn ich mir so in diesem Forum immer wieder die Probleme der Lokalredaktionen so anschaue, dann kommt mir das doch alles sehr vertraut vor.

    Man müsste sich nur einmal den Spaß machen und das Organigramm der WAZ von vor 10 Jahren mit dem heutigen vergleichen. Sehr leicht würde sich einem das Bild eines „auf den Kopf gestellten“ Tannenbaumes aufdrängen.

    Im Anzeigensektor hatte man einst, als die Umsätze zurück gingen, damit angefangen, div. Arbeitsprozesse zusammen zu legen (das nannte sich Teammodell). Einhergehend wurde aus dem vorhandenen Mitarbeiterstamm eine neue zwischengeschaltete Führungsriege installiert (die nannten sich Teamleiter).

    Die Folge:

    Ein immer weiter ausuferndes Berichtswesen, eine Verbürokratisierung der Arbeit und ein „enormer, interner Gesprächsbedarf“ (die nennen sich Teamsitzungen).

    Mit zunehmender Zeit kam es zu „autistischen Zügen“, wo man den eigentlichen Auftrag (nahe beim Kunden zu sein) völlig aus den Augen verlor. Man war zunehmend der internen Kommunikation und dessen Berichtswesen verpflichtet als dem Verkauf.

    Kollegen, die während einer der regelmäßig terminierten Besprechungen einen Kundentermin wahrnehmen, werden im besten Falle von der nächsthöheren Stelle schief angeschaut, wenn nicht sogar verbal vor versammelter Mannschaft mahnend darauf hingewiesen, dass die internen Besprechungen vorzugehen hätten.

    Ich will da niemanden einen persönlichen Vorwurf machen, denn so ein „auf den Kopf gestellter Tannenbaum“ produziert in meinen Augen automatisch solche Vorgehensweisen, wo jede Führungsebene durch hektische Betriebsamkeit seine eigene Daseinsberechtigung herbeiführen möchte. Getreu dem alten Motto: „Wer schreibt, der bleibt“.

    Zynisch wird es für mich an dem Punkt, wenn z.B. nach der Umstrukturierung der div. Redaktionen, einhergehend mit knapp 30% Stellenabbau, gewisse Herren durchs Land gehen und behaupten, dass man fortan mit weniger Personal effektiver und effizienter arbeiten könne.

    Sollten diese Herren, die so etwas öffentlich vertreten auch wirklich an ihre eigenen Worte glauben, dann müssten sie ja zu dem logischen Umkehrschluss kommen, dass ihre vergrößerte Führungsriege alles andere als effizient und effektiv ist.

  43. Aha sagt:

    @ „oh Tannebaum“
    Danke für den Einblick.

  44. Tannentrauer sagt:

    Da liegt aber nicht an den Teamleitern, das sind nur die armen Schw* auf einer sehr niedrigen Ebene, die dafür sorgen, dass der Karren überhaupt noch irgendwie läuft. Problematisch sind vielmehr die Ebenen darüber, allen voran die Produktmanager. Diese geschaffenen Strukturen sorgen für ein ausuferndes, bürokatisches, in sich gekehrtes Berichtswesen. Der Rest der Beschreibung ist zutreffend.

  45. Weihnachtsfraggel sagt:

    @Tannenbaum
    Nein, es sind nicht die von ehrgeizzerfressenen Produktmanager (schaut sie euch doch mal an…..).
    Es ist – wie immer – die noch „höhere, und höhere und noch höhere Ebene“ die keine Ahnung mehr hat wie man eine Zeitung macht und warum es „LESER“ gibt.

  46. Frommer Wunsch sagt:

    @bodolehrtinbonn
    Da wünscht man sich die Studis von 1968 hin.