Fehlende Konkurrenz schadet

Das Zeitungsland Nordrhein-Westfalen steht nicht gut da:  In auffällig vielen NRW-Städten werden eher wenig Tageszeitungen gekauft. Ein wichtiger Faktor scheint dabei der fehlende Wettbewerb zu sein. Das zeigt ein Ranking der deutschen Zeitungsstädte, das der Branchendienst Meedia aufgestellt hat. Dafür wurde anhand der aktuellen IVW-Zahlen für Tageszeitungen in den 50 einwohnerstärksten Orten errechnet, wie viele Zeitungsexemplare pro 100 Einwohner verkauft werden.

In der Liste der Städte mit den eifrigsten Zeitungslesern stehen Düsseldorf (Platz 3) und Münster (Platz sieben) noch unter den ersten zehn, gefolgt von Mülheim an der Ruhr (14), Köln (16) und Dortmund (19). In der zweiten Hälfte folgen u.a. Bielefeld, Essen, Bonn, Hamm, Bochum, Hagen, Solingen, Oberhausnen und Krefeld. Am Ende der Liste, ab Platz 42, finden sich schließlich Gelsenkirchen, Leverkusen, Herne, Duisburg und Wuppertal. Schlusslichter sind Mönchengladbach und Aachen auf Platz 49 und 50.

„Ein Grund für die unterdurchschnittlichen Verkaufszahlen der Branche in diesen Städten dürfte der kaum vorhandene Wettbewerb sein“, schreibt Meedia-Autor Jens Schröder. Und verweist auf die Dominanz der RP in Mönchengladbach, wo die  lokale Ausgabe der WZ kaum eine Rolle spiele, und auf Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten, die im selben Verlag erscheinen. In Städten wie Gelsenkirchen und Herne habe die WAZ das Sagen.

Insgesamt zeige sich gerade an der Spitze des Rankings, dass der Zeitungskonsum vor allem in umkämpften Zeitungsmärkten mit viel Konkurrenz überdurchschnittlich hoch sei, so die Analyse. In den beiden bestplatzierten Städten, München und Frankfurt, gebe es mehrere Titel. In Düsseldorf kämpfen u.a. die Rheinische Post, der Düsseldorfer Express, die Westdeutsche Zeitung, die kleinere NRZ und die Düsseldorf-Ausgabe der Bild gegeneinander.

Fazit des Autor: In Orten mit einer gesunden Konkurrenz aus mehreren Regionalblättern werde auch öfter eine Tageszeitung gekauft, „in Städten, in denen es keinen lokalen Kontrahenten gibt, sind die Leute hingegen nicht sehr motiviert, zu einer Zeitung zu greifen“.

Im Mai 2009 hatte die damalige Landesregierung unter Miniterpräsident Jürgen Rüttgers noch das vielfältige Zeitungsland Nordrhein-Westfalen gelobt. Der DJV-NRW hatte damals mit einer Stellungnahme dagegengehalten: Anders, als von Schwarz-Gelb dargestellt, sei die Zahl von 40 Zeitungsausgaben mit gut 3,2 Mio. Exemplaren Gesamtauflage für NRW kein gutes Ergebnis. Von insgesamt 350 Tageszeitungen in Deutschland erschienen damit nur elf Prozent in NRW. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl müssten es doppelt so viele sein (siehe auch diese Meldung vom 22. Mai 2009).

Zur Meldung bei Meedia, inkl. dem kompletten Ranking (16. Juli 2010)

16 Antworten zu “Fehlende Konkurrenz schadet”

  1. […] Medien: Fehlende Konkurrenz schadet…Medienmoral NRW […]

  2. […] Sonntag, 18. Juli 2010 |  Autor: zoom Medien-Tristesse: fehlende Konkurrenz schadet … medienmoral […]

  3. Der erste Satz... sagt:

    …der ersten Meldung ist grammatikalisch falsch. Obwohl es ganz lustig klingt, würde ich es ändern.

  4. Medienmoral sagt:

    Danke für den Hinweis!

  5. Nee, näh sagt:

    @lesestoff
    Ich halte das weitgehend für Humbug. Tausend Behauptungen, die durch nichts belegt sind. Die Tageszeitungen waren in den 80ern besser? Lächerlich.
    Auch die Schlussfolgerungen finde ich abenteuerlich.
    Unser Job ist es, den Leuten die für sie notwendigen Infos in komprimierter Form zukommen zu lassen. Wir entscheiden, was lesenswert ist und was nicht.
    Einfach alles veröffentlichen hilft niemandem und das kauft garantiert auch keiner, weil: Millionen ungewichtete Infos findet jeder jederzeit im Internet.
    Als Leser will ich morgens nicht 200 unredigierte Zeilen aus der JHV des Karnickelzüchtervereins.
    Ich will halbwegs intelligent geschriebene Texte, die mein Leben berühren, sich für meine Interessen einsetzen und sonst nirgends zu finden sind.
    Was ich nicht brauche, sind die Sitzungsprotokolle meines Vereins oder die Fotos vom Besuch des Kindergartens beim Bäcker. Die finde ich – wenn es mich interessiert – im Internet.

  6. zu kurz gedacht sagt:

    @Nee, näh „Sitzungsprotokolle meines Vereins finde ich – wenn es mich interessiert – im Internet.“
    .
    Mag sein, soweit es Dich betrifft. Sitzungsprotokolle standen und stehen allerdings selbst beim „Graswurzel“-Lokaljournalismus (schönes Wort, übrigens) nicht im Blatt. Aber alles andere?
    Jaja, das Internet. Damit kann man sich das natürlich auch passend reden. Den ganzen Vereinskram da abladen, das haben schon einige Lokalredaktionen in den letzten Jahren praktiziert. Und manche mussten Lehrgeld zahlen. Denn es wird dabei einerseits die reputative Funktion übersehen, die es für den jeweiligen Verein hat, in „unserer Zeitung“ zu stehen. Und das sind ja keineswegs immer nur die viel zitierten relativ kleinen Kaninchenzüchtervereine, so oft kommen die in Wahrheit gar nicht vor, sondern eben auch wichtige Elemente eines Soziallebens und damit auch wesentliche Multipliaktoren. Es ist aber vor allem auch eine landläufige, aber falsche Annahme unter manchen Journalisten, dass dieses Vereinsleben nur die jeweiligen Vereinsmitglieder selbst interessiert. Sorry, ich wohne in einer größeren Gemeinde im Sauerland – da interessieren die einzelnen Vereine sehr wohl, und zwar die weitaus meisten Bürger, weil nämlich der Organisationsgrag bei über 80 Prozent liegt. Mit anderen Worten: Fast jeder hier ist in irgendeinem Ortsverein. Und von den Leuten hier haben selbst Technikbegeisterte weder Lust noch Zeit, stundenlang im Netz Infos über ihre und die anderen Vereine und die der Nachbargemeinden herauszusuchen. Die wollen das strukturiert und serviert. Eine Zeitung, die das überheblich zu übergehen versucht, sägt sich hier garantiert selbst den Ast ab.
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    @Nee, näh „Tageszeitungen waren in den 80ern besser? Lächerlich“
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    Kommt darauf an, was man unter besser oder schlechter versteht. Die Druckqualität? Stimmt, die ist heut viel besser, weil praktisch nur Offset. Früher gabs schwarze Finger. Fotos? Sind heute auch zumindest besser eingepasst, weil am Schirm layoutet und eingelesen. Und sie sind in Farbe, ja.
    Das war’s aber dann auch schon mit besser. Ich bin sehr wohl der Meinung, dass die inhaltliche Qualität, sowohl bei Texten als auch bei Fotos, deutlich nachgelassen hat. Wer liest heute (außer den Verfassern selbst) noch einmal drüber? Keine Sau. Keine Zeit. Da wird dann schon mal munter ein „Bundestagspräsident Lammert“ fett als Überschrift gedruckt. Und ja, es landen, so scheint es, immer mehr PR-exte kaum verändert im Blatt. Einlesen, Überschrift drüber – fertig. Früher musste man notgedrungen ab- und damit meistens auch umschreiben. Heute? Keine Zeit. PR-Abteilungen wissen das längst und beliefern Zeitungen mit druckfertigen Texten. Copy and Paste, fertig ist der Dreispalter über die ach so innovative Firma Bruch und Dalles, den Weltmarktführer in Sachen Irgendwas. Gegenrecherche? Tut mir leid, keine Zeit. Drei Lokalseiten und vier Kommunen auf einen Redakteur – der Verleger will es ja nicht anders.

  7. zu kurz gedacht sagt:

    Bitte die Tippfehler zu entschuldigen, ich hatte leider zu früh auf die Sendetaste gedrückt. Passiert in den Redaktionen heute aber leider auch immer öfter. Eines hatte ich noch vergessen: den Leserreporter! Den gabs früher auch nicht. Heute kommen da schon mal ganz rasante Texte ins Blatt, mit mehr oder weniger falschen Namen und fast wahren Vermutungen zum Geschehen unterm unscharfen Handy-Bildchen.
    Ich will auch halbwegs intelligent geschriebene Texte, die mein Leben berühren. Allein, sie werden immer weniger. Für solchen Luxus ist in den neuen Mini-Redaktionen kaum noch Zeit. SchülerInnen und PraktikantInnen füllen Lücken, die inzwischen so groß sind wie Scheunentore. Neulich, nach einer Stunde Pressekonferenz der Stadtverwaltung, meldete sich die sehr junge Mitarbeiterin des bislang noch einigermaßen renommierten Lokalblattes: „Und wer von Ihnen ist jetzt nochmal der Bürgermeister?“ Da ist sie, die Wahrheit im real kaputtgesparten Lokaljournalismus. Und der Leser? Der bestellt einfach ab. Zu Recht.

  8. zu kurz gedacht sagt:

    och nö, der Bolzen in der Überschrift hieß tatsächlich „Bundespräsident Lammert“.

  9. Wiebke Westhues sagt:

    @ zu kurz gedacht:
    Ist doch menschlich, so ein Fehler. Deshalb gibt es in unserem Beruf ja auch das Vier-Augen-Prinzip, besser noch das Sechs-Augen-Prinzip. Damit die Leser Qualität bekommen. Die heutigen Verleger und ihre Adlaten haben davon offenbar noch nie gehört. Wie auch? Diese Leute verbrennen lieber Geld für hippe und trendige Projekte, die Ihnen so genannte Unternehmensberater verkaufen. Ein guter Freund grinst bei den Geschichten aus unserer Branche meistens nur noch. Und kommentiert dann meistens mit einem Spruch aus der Unizeit: „Ich sag nur: `Bitte Was Leichtes – und dann viel Geld verdienen`“……….

  10. Anonymous sagt:

    @Wiebke Westhues „Deshalb gibt es in unserem Beruf ja auch das Vier-Augen-Prinzip“
    …gab es in unserem Beruf… Präteritum. Leider.

  11. Schlechter sagt:

    @zu kurz gedacht
    Völlig richtig. Eine kleine, aber wichtige Ergänzung wäre noch, dass es selbst in größeren Redaktionen heute kaum noch Fotografen oder Fotoredakteure gibt, die das Fotografieren von Pressebildern 1. richtig gelernt haben und 2. sich darauf konzentrieren können und zudem damit den Textredakteur bei wichtigen Geschichten entlasten würden.
    Es ist heute schon sehr schwierig geworden, halbwegs akzeptable Aufmacherbilder zu finden. Die meisten Fotos sind heute kaum mehr als nebenbei erstellte Anwesenheitsbeweise Marke „So, und jetzt muss ich noch ein Foto machen. Stell’n Se sich mal dahin…“

  12. […] WordPress-Statistik nicht mehr angezeigt werden. Wichtigste Klick-Quelle über einen Trackback war ein Beitrag auf „Medienmoral NRW“ mit 38 Aufrufen. Leider gibt es keine Analysemöglichkeit herauszufinden, wie viele Klicks per […]

  13. Negationmark sagt:

    Neinzeichen gegen Eingeborene von Duisburg – Ulrich Reitz WAZ und Klaus Beck WDR – Mediation in Medien…

    Dismigration. Duisburg ist auf der Flucht. Alles schrumpft: Schaufenster, Arbeitsplätze, Einkommen, Wahlbeteiligung, Bevölkerung, Auflage der Tageszeitungen, die gesamte Stadt und der Bock auf Bürgerengagement. Wo gibt es die meisten Leser von Tageszei…

  14. keineauswahlmehr sagt:

    NRW ist besonders vom Rückgang der Lokalredaktionen betroffen, befindet Zeitungsforscher Horst Röper vom Dortmunder Formatt-Institut. 45 % der NRW-Bevölkerung haben demnach bei Tageszeitungen keine Auswahl mehr. Die Gesamtauflage deutscher Zeitungen ist in zehn Jahren um rund 25 % gesunken.
    http://meedia.de/2014/06/23/konzentration-bei-den-tageszeitungen-auf-historischem-hoechststand/?

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