Fotografen sollen Platz machen für die lokale Offensive

Zehn Redakteure der Westfälischen Rundschau (WR), die schwerpunktmäßig fotografieren und/oder Bilder bearbeiten, sind am Donnerstag Mittag letzter Woche in die Chefredaktion nach Dortmund einbestellt worden. WR-Chefredakteur Malte Hinz eröffnete ihnen, dass sich die WR sehr bald schon von ihnen trennen wolle. Sie bekämen alle Verträge für den WAZ-Fotopool angeboten. Der WAZ-Fotopool gehört zur nicht mehr tarifgebundenen WAZ New Media. Hinz versprach ihnen weitestgehende Besitzstandswahrung.
Wie ihr Einsatz dann genau geregelt wird und ob und in welchem Umfang sie dann noch für die WR tätig werden sollen, blieb unklar. Dass vor etlichen Jahren genau diese Kollegen bereits unterschreiben mussten, dass sie fortan Text- und Bild-liefernde „Normal“-Redakteure der WR seien, scheint heute niemandem mehr zu stören. Nun sind sie plötzlich doch wieder Fotografen. Laut Malte Hinz sollen die zehn Platz machen für KollegInnen aus den verschiedenen Titelressorts der WAZ-Printmedien, die künftig als lokale Offensive die Lokalredaktionen überall im Land verstärken sollen. Dass „ihre Rundschau“ sie zum Teil nach Jahrzehnten treuer Dienste einfach vor die Tür setzt, soll bei den  Betroffenen  sauer aufgestossen sein. In den WR-Lokalredaktionen wächst jetzt die Sorge, wie die Kollegen demnächst noch motiviert und engagiert Bilder für die Lokalausgaben liefern sollen und sich an der optischen Gestaltung der Zeitungen beteiligen sollen, wenn sie keine Redaktionsmitglieder mehr sind.

Ob der Wechsel in den WAZ-Fotopool auch für die schwerpunktmäßig bei der Westfalenpost Bilder liefernden KollegInnen gelten soll, blieb bislang unklar. Die WAZ und die NRZ bedienen sich längst der Kollegen des Fotopools.

In verschiedenen Betriebsversammlungen werden die KollegInnen der WAZ, der WR, der WP und der NRZ gerade vom neuen Geschäftsführer der Mediengruppe, Manfred Braun, über die anstehenden Veränderungen informiert. Es wird ein großes Personalkarussell erwartet, bei dem alle Titelressorts und der Conten Desk in Essen Federn lassen müssen zugunsten der Lokalredaktionen.

 

40 Antworten zu “Fotografen sollen Platz machen für die lokale Offensive”

  1. WAZ des Tages sagt:

    Na mal sehen, wie die Entlokalisierer der zweiten Reihe, die die Deskstrategie gestern noch glühend befürworteten, diesen späten Schritt zurück jetzt verkaufen. Wahrscheinlich als „logische und konsequente Fortsetzung des Weges hin zu noch mehr und qualitativ noch hochwertigerem Qualitätsjournalismus“. Würd ich gerne mal von Reitzi hören…

  2. werweisswas sagt:

    Tach zusammen,

    wie ich hörte, werden die Bildredakteure – sprich Fotografen – der Westfalenpost NICHT mit Abwanderung in den WAZ-Fotopool behelligt.
    Wenn’s stimmt, haben die Rundschau-Leute mal wieder die A….karte.
    Aber der Chefredakteur macht sich dafür stark, dass sie bleiben, hörte man auch.
    Dann wird ja alles gut . . .

  3. WehErr sagt:

    … und bei alledem gibt es sogar noch Kollegen, die in der Ruhephase ihrer Altersteilzeit festeweg als Freie beinahe in Vollzeit arbeiten, um „ihrem“ Blatt zu „helfen“! Und ein ehemals aktiver Gewerkschafter entblödet sich dabei nicht, dies auch noch zum großen Teil ohne Honorar zu tun. Würg.
    .
    Wem ein derartiges Verhalten tatsächlich hilft, liegt auf der Hand. Den (noch) fest angestellten Kolleginnen und Kollegen jedenfalls nicht!

  4. soso sagt:

    ja, ja is schon klar, am Ende ist wieder irgendein Gewerkschafter Schuld an der Misere, wer auch sonst, und wenn es auch nur ein ehemals aktiver ist :-))

  5. aubacke sagt:

    Das liest sich wie die Lobhudelei einst im Medium Magazin, wo Madame noch vor dem ersten Tastendruck zur Journalistin des Jahres gekürt wurde. Ja, die hat uns ganz weit nach vorn gebracht…

  6. WehErr sagt:

    @soso „ist wieder irgendein Gewerkschafter Schuld “
    .
    Mich als noch aktivem Gewerkschafter nervt so ein Verhalten trotzdem. Widersprüchlicher geht’s nimmer.

  7. Anonymous sagt:

    Schön, noch einmal über die wundersame Karriere lesen zu dürfen. Aber wieso „Tellerwäscher(in)“? Welch‘ eine Untertreibung! Ihre ersten Erfolge basierten doch auf journalistisch bereits sehr niveauvollen Geschichten wie der vom Sex in Stöckelschuhen. Also quasi eine Laufbahn von der „Pike“ auf…

  8. WehErr sagt:

    @portraitvonderex
    .
    Der sogenannte Beweis „Ich hätte die Sachen doch nachträglich löschen können“ ist höchstens entweder ein Beweis für eine stupende Unkenntnis der Web-Strukturen (was man in diesem Fall kaum glauben mag) oder ein Beweis dafür, dass die Dame andere erfolgreich verschaukeln kann. Denn natürlich weiß sie genau, dass das Löschen ihrer teilweise hochpeinlichen, teilweise befremdend banalen Geschichtchen ziemlich zwecklos ist: Das Netz, das mussten viele andere auch bereits leidvoll erfahren, vergisst nichts.
    Aber was hat das eigentlich mit unseren Fotografen zu tun? Was hat es überhaupt noch mit uns zu tun?

  9. klarerfallvonnachdenken sagt:

    @WehErr
    vielleicht dient das allem der Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit der WAZ-Gruppe???

  10. WehErr sagt:

    @klarerfallvonnachdenken
    .
    Die Gruppen-Episode der Lyssa B. ist hier doch in allen Schattierungen durchgehechelt und hinreichend festgehalten worden – meiner Meinung nach beinahe zuviel der Ehre. Für mich und viele andere vermutlichl auch hat sie jetzt höchstens noch Bedeutung als kurze Randnotiz in der Chronik der Gruppe.
    .
    Was sie jetzt bei der Konkurrenz Schönes macht und von wem sie sich gerade wieder als supertoll loben lässt und wen sie dabei auf die Rolle nimmt: Glaubst Du wirklich, DAS hätte noch irgend etwas mit der „jüngeren Vergangenheit der WAZ-Gruppe“ zu tun, klarerfallvonnachdenken?
    .
    Außerdem: Wenn man als Kommentar im Thread eines Blogs jedes andere beliebige Thema auftischt, wird es schnell unübersichtlich. Aber egal. Vielleicht macht Medienmoral ja bei Gelegenheit einen Thread zu diversen Ex-Leuten auf, zu den ganzen Bodos, Kathrins, Katharinas und wer sonst noch alles bis dahin ehemalig wird. Nostalgie kann ja so schön sein. Aber ob sie jetzt auch den Fotografen hilft?

  11. klarerfallvonnachdenken sagt:

    @WehEr
    das wird den Fotografen nicht helfen, aber es wird einen Betriebsrat geben, der bei dieser Personalrochade gehört und beteiligt werden muss….

  12. Anonymous sagt:

    Es wurde wirklich Zeit für so eine Story. So langsam wusste nämlich niemand mehr, was mit der Peitsche und alledem gemeint ist. Kleiner Tip: Immer wieder ‚mal zum Telefon greifen und von irgendeiner Volontärin aufwärmen lassen. Die freuen sich auch über einen Waschzettel zum „Interview“. Und dann musst Du ihr das mit der Peitsche und vor allem das mit der Ministertochter erklären und dass die Karriere natürlich nichts damit zu tun hatte und dass selbstredend jede andere Anfängerin ebenso leicht Zugang zur Kanzlerin bekommen hätte und dass Du nie gedacht hättest, dass irgendjemand im Internet Geschichten einer „Großstadtnomadin“ lesen würde. Und das bekannte Foto dazu ist noch für weitere zehn Jahre gut. Mindestens. In diesem Sinne: Man liest sich.

  13. ofensive sagt:

    Bei der sogenannten Lokaloffensive weiß niemand mehr so richtig was Sache ist. Es ist mal wieder ein typisches Beispiel von destruktiver Organisation. Oder ist die überall herrschende Verunsicherung gewollt?
    Die Ende letzten Jahres vorgegebenen Termine sind fast alle gekippt. Hat beispielsweise noch niemand von den „Herrschenden“ erkannt, dass das System Fotopool für den A . . . ist. Der Pool hat eine Adminisdtrationsstruktur, die den Fotokollegen zuviel Zeit kostet. Noch nie sind so viele Kilometer von ihnen abgerrissen, so viel Zeit verplempert worden. Ihre Einbsatzpläne sind hanebüchen, behindern oft die Aktualität. Ganz abgesehen davon, dass ein Verwaltungspopans aufgebaut wurde. Das sollte alles mal analysiert werden. Hombach hatte damals angekündigt, dass nach einem Jahr der Fotopool auf seine Effiziens hin überprüft wurde. Das ist nie passiert. Nur geflickschustert.

  14. verstehichnich sagt:

    ich verstehe nicht, warum auch da wieder nichts so richtig funktioniert, sollte nicht alles besser werden, mit der Übernahme durch die Grotkamps und dem neuen starken Mann Manfred Braun?

  15. Kritiker sagt:

    Und was ist mit den (nicht nur Siegener) freien Fotografen? Was passiert mit denen? Werden die jetzt alle vor die Tür gesetzt, wenn die Bildredakteure umgetopft werden? Oder müssen die dann auch für weniger als die Hälfte dessen was sie am Tag umsetzen müssen um zu überleben für den Pool auf eigene Kosten quer durch das gesamte Verbreitungsgebiet rasen und Boyoutverträge unterschreiben? Fragen über Fragen unter dem Damoklesschwert.

  16. Termin sagt:

    die betroffenen Fotografen (und möglicherweise auch noch andere) treffen sich jetzt am Montag um 19 Uhr in Schwerte in der Gaststätte „Zur Waage“. Dabei sein wird auch der Dortmunder verdi-Sekretär Norbert Szepan

  17. Concordia sagt:

    „Wir haben alles unter Kontrolle. Gehen Sie zurück in Ihre Kabinen.“

  18. applaus sagt:

    Hat die Jury auch die Auflagenzahlen berücksichtigt, die mit diesem durchschlagenden Konzept erzielt worden sind…?

  19. Jubel sagt:

    @applaus
    Nur die Auflagenzahlen.
    Als Mitbewerber würde ich das plakatieren: Die WR – in jedem Ort die zweitbeste Zeitung.

  20. drollig sagt:

    ist doch irgendwie drollig wenn ein Blatt, an dem zu 13,1 Prozent die SPD beteiligt ist, einen Preis der Konrad-Adenauer-Stfitung verliehen bekommt….

  21. frage sagt:

    Das ist doch wurscht. Frage ist doch wohl warum die WAZ nicht ausgezeichnet wurde. Antwort: Die WR macht den besseren Lokalteil!

  22. Katerstimmung sagt:

    @frage
    Das ist wie bei dem Altenaer Bürgermeister. Keiner bekommt mehr Preise für seine Arbeit. Aber es hat auch keiner mehr Schulden und mehr Einwohnerverlust.
    Offenbar sind die Bürger völlig anderer Meinung als die Preisvergeber.
    Egal, wenn wir untergehen, stehen ganz viele Preise auf dem Grab. Sie haben sie stets bemüht und BvB-Fans waren sie auch.

  23. Experimenteller Journalismus sagt:

    Wie schön, dass sich mit „DerWesten“ eine abgebrochene Studentin allen Warnungen erfahrener Kolleginnen und Kollegen zum Trotz so richtig austoben durfte. Und jetzt: Schwamm drüber. Wieviel Kohle wurde mit dem tollem Konzept wohl in den Sand gesetzt? Vom Imageschaden, verlorenen Marktanteilen und dem Schaden für die einzelnen Titel reden wir lieber erst gar nicht.
    .
    Ist es nicht wunderbar, was in der Medienbranche unter der Ägide aphrodisierter Manager so alles möglich ist?
    BTW: Was macht denn eigentlich der Wanderprediger? Man liest so gar nichts mehr von seinen tollen Vorträgen…

  24. weissnurdass... sagt:

    jetzt hier mal zum Thema ds Beitrags diskutiert werden sollte.
    Alles andere bitte in den passenderen neuen Blogeinträgen.
    Was läuft denn jetzt mit den Fotografen der WR?
    Sind die schon abgehakt? Und ist es tatsächlich so, dass von der „lokalen Offensive“ der WR eigentlich nur überbleibt, dass mehr oder weniger alle „Foto“-Stellen nur im Block Dortmund in Schreiberlinge umgewandelt werden?

  25. WP-Fotografen sagt:

    auch die Fotografen der Westfalenpost (WP), drei oder vier waren es nur noch, haben inzwischen beim WAZ-Fotopool andocken müssen, diese Entwicklung sollte man äußerst großer Sorge verfolgen, dass immer mehr Personal in tariflosen Zonen landet, auch wenn deren Rechte noch gewahrt bleiben, für deren Nachfolger wird es ganz anders aussehen!

  26. Was genau sagt:

    verstehst Du unter „mit äußerst großer Sorge verfolgen“? Etwa dieselbe Sorge, mit der die Belegschaft in den letzten Jahren verfolgte, wie Geschäftsstellen und Anzeigenabteilungen dichtgemacht wurden, wie Lokalausgaben und -redaktionen zusammengemanscht wurden und ein Drittel der Redakteursstellen in den Eimer gehauen wurden?
    Dann ist das natürlich sehr erfolgsversprechend, dieses „Verfolgen mit großer Sorge“. Das Kaninchen verfolgte die Schlange auch mit großer Sorge…

  27. Stil und heimlich sagt:

    Die Aktionen laufen still und heimlich bei der WP. Wenn es stimmt, habe ich es nur aus diesem Blog erfahren! Vorbildliche Kommunikation im Hause!!!

  28. original sagt:

    wer David Schravens Aussagen im Original hören will, kann das hier tun
    http://wissen.dradio.de/journalismus-mehr-handwerk-die-recherche-kommt.92.de.html?dram:article_id=215064

  29. ex-wrler sagt:

    sagt der da echt, dass er freie nicht mag? und dass er nicht weiß, wie knauserig sein/euer/unser verlag bei der honorierung von freien mitarbeitern ist? wie die honorare sind? und dass die waz erbärmlich ist, da hat er recht. mutig, so deutlich zu reden, wenn man in der waz-führung sitzt. bin mal gespannt, was newsroom noch so aufdeckt!

  30. noch-wrler sagt:

    Nix hat newsroom da aufgedeckt.
    Ich hab mir das radio-interview komplett angehört. ist total verfälschend zusammengefasst.
    Wenn da wer aufklärend unterwegs ist, dann die leute vom radio

  31. original sagt:

    @noch-wrler. Da geb ich Dir vollig recht!

  32. exNRZler sagt:

    … mmmmh, die aktuelle Situation für die Fotoredakteure war m. M. schon vor einigen Jahren so absehbar. Gerade die Freien sind gnadenlos verheizt worden – 1997, 150 DM Tagespauschale, kein Km-Geld, eigentlich kein Anspruch auf Labor & Material und Abtretung der Bildrechte.

    Und bei einem renommierten Kölner Verlag sind einem festangestellten Fotokollegen nach einer Schlaganfall auf Veranlassung des Verlegers körperliche Gewalt angedroht worden, damit er endlich die Planstelle freigibt. Liegt zwar einige Jahre zurück, aber spiegelt den Wert eines Fotoredakteurs wider.

    Ohne Lobby kannste nix machen. Und wir haben keine!

  33. scoopshot sagt:

    Die finnische Firma Scoopshot, die Redaktionen massenhaft zu Dumpingpreisen Fotos von Leserreportern anbietet, die ihre Handybilder über eine App auf das Online-Fotoportal von Scoopshot hochladen, raubt professionellen Fotografinnen und Fotografen einen beträchtlichen Teil ihrer Existenzgrundlage, stellt die taz heute fest. Größter Scoopshot-Kunde in Deutschland ist die zur Funke Mediengruppe gehörende WAZ New Media
    http://taz.de/App-fuer-Amateur-Fotografen/!127260/

  34. zukunftfotopool sagt:

    jetzt am Mittwoch findet bei der WAZ New Media eine Betriebsversammlung statt, dabei wollen die großen Chefs der Funke Tochter über die Zukunft von WAZ New Media und dem Fotopool berichten!

  35. pflichtprogrammvideo sagt:

    ach was! Bemerkenswert finden wir das Zitat: ++++ Für das Onlineportal „Der Westen“ seien Fotografen unterwegs, die zusätzlich in Video geschult worden seien. Allerdings habe „Der Westen“ auch Lehrgeld bezahlt, räumte Kloß ein. Früher sei aufwendig und tiefgründig recherchiert und berichtet worden, doch hätten die Nutzer dies wenig angenommen. Daher gebe es heute meist „kurze Drehs von 30 Sekunden“ ++++ http://www.bdzv.de/aktuell/bdzv-branchendienste/bdzv-intern/artikel/detail/video_gehoert_zum_pflichtprogramm/

  36. lobhudelei? sagt:

    ungewöhnlich viele kritische Kommentare hat dieser Text über den Sensationsreporter Wolfgang Wiebold bekommen, der sich mit Fragen von Ethik und Moral nicht so gerne auseinandersetzt
    http://www.derwesten.de/staedte/essen/wiebold-tv-tag-und-nacht-dem-verbrechen-auf-der-spur-id9395506.html

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