05.01.2012
Westfalen-Blatt: Schnelle Aufklärung gefordert
Steht die Zeitungslandschaft in Ost-Westfalen-Lippe vor einem großen Umbruch? Das Bundeskartellamt hat eine Übernahme der Bielefelder C.W. Busse Holding GmbH (u.a. Westfalen-Blatt) durch die Aschendorff Medien GmbH mit Sitz in Münster (u.a. Westfälische Nachrichten) freigegeben. Noch im Sommer war lediglich von einer Finanzbeteiligung die Rede. Im Interesse der betroffenen Journalisten ist schnelle Aufklärung dieses Widerspruchs gefordert.
Am 3. Januar 2012 hat das Bundeskartellamt seine bereits am 30. September getroffene Entscheidung überraschend im Internet veröffentlicht. Danach plane die Aschendorff Medien „den Erwerb der alleinigen Kontrolle über die C.W. Busse Holding in zwei Schritten“. Schritt eins, der Erwerb eines 24,9-Prozent-Anteils an der Busse-Holding im Juli letzten Jahres, dürfte damit abgeschlossen sein. Schritt zwei ist nicht näher beschrieben – und bleibt daher Spekulation.
Der Geschäftsführer des Westfalen-Blatt, Michael Best, hat dem DJV-NRW am 5. Januar 2012 versichert, dass die Familie Busse an der Holding und der Westfalen-Blatt-Gruppe nach wie vor die Mehrheit habe und dass dies auch so bleiben solle. Von der Aschendorff Medien GmbH liegt bisher keine Stellungnahme vor.
Zweifel bleiben: So titelt die Online-Ausgabe des Mindener Tageblatts heute „Wechselt Bielefelder Westfalen-Blatt endgültig den Besitzer?“ Eine Frage, die nicht nur wegen der Formulierungen in der Veröffentlichung des Kartellamts nahe liegt. Auch in anderen Bundesländern gab es in der jüngeren Vergangenheit wieder Verschiebungen im Markt der Regionalzeitungen. So kauften beispielsweise Madsack in Niedersachen und die Augsburger Allgemeine in Bayern vor kurzem andere Titel zu.
Das Mindener Tageblatt und die Neue Westfälische, die beide über die Kartellamtsentscheidung berichteten, halten zudem das Erschließen von „Synergiepotenzialen“ in den Bereichen Redaktion, Anzeigenvermarktung, Druck und Vertrieb für möglich. Erfahrungsgemäß sind Übernahmen häufig mit personellen Einsparungen und anderen Nachteilen für die Arbeitnehmer verbunden. Sollte Aschendorff die vollständige Kontrolle über die Busse Holding anstreben, von der das Bundeskartellamt spricht, könnte dies die Medienvielfalt in Ostwestfalen empfindlich beschneiden.
Das Bundeskartellamt vertritt in seinem Bericht hingegen die Auffassung, dass „der geplante Zusammenschluss keine Verstärkung der in einigen räumlichen Märkten bestehenden marktbeherrschenden Stellungen der Verlage erwarten“ lasse. Die Behörde erklärt dies u.a. wie folgt: „Die Verbreitungsgebiete der Westfälischen Nachrichten und des Westfalen-Blatt grenzen lediglich in einem kleinen Gebiet aneinander und weisen keine Überschneidungen auf.“

Vorsicht! Natürlich schreiben “Neue Westfälische” und “Mindener Tageblatt” genüsslich über mögliche Verschiebungen und heizen Spekulationen damit an – beide sind schließlich die schärfsten Konkurrenten im Verbreitungsgebiet.
http://www.mt-online.de/lokales/wirtschaft/5744440_Mehrheit_soll_bleiben.html
[...] Übernahme Westfalen-Blatt: Schnelle Aufklärung gefordert … medienmoral [...]
Und wer ist nun GF beim Westfalen-Blatt? Der bisherige GF des Druckzentrums Aschendorff in Münster, sein Nachfolger ist übrigens Gerr Dust von der WAZ.