WR-Redaktion wird abgewickelt

[Aktualisierte Fassung] Aus der Mitarbeiterversammlung der Westfälischen Rundschau heraus wurde am Vormittag bekannt, dass die Redaktion der Westfälischen Rundschau abgewickelt wird. Betroffen sind 120 Redakteurinnen und Redakteure, hinzu kommen Pauschlisten sowei freie Journalistinnen und Journalisten, die ihren Auftraggeber verlieren. Der Arbeitsplatzabbau soll so sozialverträglich wie möglich erfolgen, verspricht die Geschäftsleitung in einer Pressmitteilung, die einige Stunden später online gestellt wurde.  Begründet wird der Schritt, der als „Sanierung“ des Titels verkauft wird, mit langjährigen Verlusten in Millionenhöhe.

Der WAZ-Pressemitteilung zufolge werden Mantelthemen künftig komplett vom Content-Desk der WAZ-Gruppe in Essen geliefert. Die lokale Berichterstattung kommt dagegen von anderen Zeitungen – vorwiegend aus Konkurrenzverlagen. Für Wetter/Herdecke und Ennepe-Süd übernimmt künftig die Westfalenpost, die in Wetter und Schwelm eine Lokalredaktion aufbauen soll. Die WR-Ausgaben in Dortmund, Lünen und Schwerte werden ab Februar mit lokalen Inhalten der Ruhr Nachrichten (Verlag Lensing-Wolff) beliefert.Im Verbreitungsgebiet Unna und Kamen kommen die Lokalteile vom Hellweger Anzeiger (Verlag Rubens) zum Zuge. Im Märkischen Kreis übernimmt der Märkische Zeitungsverlag die Zulieferung.

Die Maßnahmen, die sowohl DJV-NRW als auch verdi in ersten Pressemitteilungen verurteilt haben, kamen für die Beschäftigten überraschend: Selbst der Betriebsrat der WR erfuhr erst kurz vor der heutigen Versammlung in Hagen, was genau die Geschäftsführung entschieden hat.

Und auch die Mitgesellschafterin, die SPD-Medienholding ddvg, die über die Westfälische Verlagsgesellschaft (WVG) 13,1 Prozent der Anteile an der Zeitungsverlag Westfalen KG (ZVW) hält, wurde nach eigenen Angaben von den geschaffenen Tatsachen überrascht: Man sei zwar Ende November 2012 „sehr rudimentär“ über geplante Einschnitte bei der WR informiert worden, habe dazu aber trotz mehrfacher Nachfragen keine näheren Informationen erhalten, schreibt die ddvg in einer Pressemitteilung. Auf einer Gesellschafterversammlung am 27. Dezember 2012 habe man „ausdrücklich gegen einen Beschlussvorschlag der WAZ gestimmt, der der Geschäftsführung der WAZ freie Hand gegen geben sollte“.

Die ddvg pocht darauf, dass die von der WAZ ergriffenen Maßnahmen „den Kern der Westfälischen Rundschau berühren“ und dass diese ihrer Zustimmung bedurft hätten. Gesellschaftsrechtlich sei eine äußerst schwierige Situation entstanden, das Vertrauensverhältnis zum Mehrheitsgesellschafter sei zerrüttet. Die ddvg will rechtlich prüfen, wie sie mit der Situation umgeht.

Pressemitteilungen:

DJV-NRW entsetzt über Kahlschlag bei WAZ-Gruppe

ver.di kritisiert Schließung der WR-Redaktion als fragwürdig und nicht nachvollziehbar

 

Es berichten bereits:

kress: http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/119612-120-redakteure-und-redaktionsmitarbeiter-betroffen-aus-fuer-die-redaktion-der-westfaelischen-rundschau.html

Newsroom: http://www.newsroom.de/news/detail/$HVIUEOMUIOMQ/waz_streicht_120_stellen_bei_westflischer_rundschau_-_sozialplan

Meedia: http://meedia.de/print/westfaelische-rundschau-zeitung-ohne-redaktion/2013/01/15.html

1.130 Antworten zu “WR-Redaktion wird abgewickelt”

  1. Der Presserat sagt:

    Der Presserat kann doch auch nichts anderes machen, als irgendwelche Dinge anprangern. Und im Gegensatz zu dem, was tagtäglich bei der BILD-Zeitung passiert, ist doch die ‚Zensur‘ bei der WAZ-Mediengruppe, die aus deren Perspektive sogar nachzuvollziehen ist (wieso soll ich öffentliche Kritik dulden, wenn ich die Leute bezahle), geradezu lächerlich.

  2. Nix Neues sagt:

    Das ist eben Qualitätsjournalismus, wie die WAZ ihn versteht. Transparenz gilt immer nur für die anderen oder dann, wenn es einem in den Kram passt. In Thüringen wurde auch zensiert als die Redaktion gegen die Entlassung des Chefredakteurs eine Erklärung ins Blatt heben wollte, die klar die persönliche Motivation der Geschäftsführung für diesen Schritt benannte. Jetzt trifft es halt die WR.

    Schon putzig, dass die DDR-Methoden heute offenbar im Management des ach so freien Westens zu Hause sind.

    Da beruhigt es mächtig, dass es bei der WAZ ein Investigativ-Ressort gibt, das bestimmt ganz ganz doll aufpaßt, das unsere Demokratie von der vierten Gewalt richtig kontrolliert wird.

    Schämen sollten sie sich! Allesamt. Aber ganz besonders diejenigen „Journalisten“, die sich für weiter für die Bemäntelung dieses ekelhaften und unfreien Verlagskurses hergeben.

  3. offenerbriefwrbr sagt:

    Offener Brief
    Noch besteht die Chance:
    Schließung rückgängig machen

    Sehr geehrter Herr Braun,
    sehr geehrter Herr Nienhaus,
    sehr geehrter Herr Ziegler!

    Der Betriebsrat der Westfälischen Rundschau fordert Sie auf, die angekündigte Schließung der WR-Redaktionen wieder rückgängig zu machen, noch besteht die Chance dazu.

    Nach Ihrer Schließungs-Mitteilung am Dienstag sind weit über 10.000 Solidaritätsadressen mit den Beschäftigten beim Betriebsrat und in Internet-Foren der Gewerkschaften eingegangen. Und stündlich kommen neue Proteste und Aufforderungen zur Rettung der Rundschau hinzu.

    Als die Betriebsräte der Westfälischen Rundschau mit denen der WAZ, NRZ, WP und WAZ New Media am Mittwoch bei der Personalleitung mündlich einen Wirtschaftsprüfer eingefordert haben, weil wir die genannten Verlustzahlen bezweifeln, hat der Verlag betont, dass die Entscheidung zur Schließung der WR-Redaktion stehe – egal, was ein Wirtschaftsprüfer herausfinden werde. Das bedeutet für uns, dass nicht wirtschaftliche, sondern vielmehr politische Gründe zur Ihrer Schließungs-Entscheidung geführt haben.

    Die öffentlichen Reaktionen bestärken den Betriebsrat in der Auffassung, dass politische Hintergründe zu dieser falschen und katastrophalen Entscheidung geführt haben. Diese hat bereits konkrete Auswirkung: Ein desaströses kommunikatives Verhalten hat dazu geführt, dass im Dortmunder Raum Anzeigenkunden nicht verstehen, dass die Redaktion geschlossen wird, das Anzeigengeschäft aber bestehen bleiben solle. Mittlerweile belaufen sich aufgrund etlicher Stornierungen die Verluste in Millionenhöhe, unseren Informationen nach. Daher unsere eindringliche Forderung: Machen Sie die Schließung rückgängig, noch besteht die Chance dazu.

    Sehr geehrte Herren, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der WR-Redaktion eine ausgesprochen engagierte Belegschaft sind, haben insbesondere die vergangenen Tage gezeigt. Die WR-Ausgaben erscheinen in gewohnten Umfängen und in gewohnten Qualitäten. Das wäre auch in Zukunft so. Ein weiterer Grund zur eindringlichen Forderung: Machen Sie die Schließung rückgängig, noch besteht die Chance dazu.

    Und: Der Verlag hat dem Betriebsrat die Chance verwehrt, alternative Vorschläge zum Stellenabbau zu unterbreiten. Das steht uns gesetzlich zu. Es gäbe Alternativen, was Gespräche des BR mit der Chefredaktion gezeigt haben. Ein Grund mehr zur eindringlichen Forderung: Machen Sie die Schließung rückgängig, noch besteht die Chance dazu.

    Für den zurzeit tagenden Betriebsrat
    Uwe Tonscheidt, Heinz-G. Lützenberger,
    Manja Franke, Susanne Schulte, Christina Römer,
    Alexander Völkel und Rüdiger Kahlke

  4. WR-ler sagt:

    @Maltespricht
    „jeden Tag schmerzlich … bitter … Herzblut … nicht von Erfolg gekrönt …fabelhafte Leistung … selbst überrascht … bemühen uns … ungeheuer stolz ….unendlich traurig … blablabla…“
    .
    Meinetwegen kann Malte „Niemand-hat-die-Absicht-die-WR-zu-schließen“ Hinz ja auch Geister-Chefredakteur des rot-schwarz-blau-weißen-Zombie-Blättchens bleiben. Die Fähigkeit zur Flexibilität und Tatsachenverleugnung hat er ja offensichtlich. Und er wird schlau genug sein, künftig um jeden Spiegel einen großen Bogen zu machen.
    .
    Aber bitte, bitte: Belästige keinen WR-Mitarbeiter mehr mit einem derart verlogenen Geseire! Du kannst doch nicht allen Ernstes behaupten, dass Du nichts wusstest! 2012 „das erfolgreichste Jahr der WR-Geschichte“!
    Mann, ich könnte kotzen!

  5. Anonymous sagt:

    @offenerbriefwrbr
    Netter und überaus ehrenwerter Versuch. Aber wenn die jetzt einen Rückzieher machen, springen denen die Banken ins Genick. Dann gibt es nämlich auf absehbare Zeit keine Möglichkeit mehr, so einfach die geforderten 20 Prozent einzusparen, indem man „MAKs“ in den Arsch tritt und vor die Türe setzt.

  6. Krabatzbär sagt:

    Zum Thema Presserat nur dieser Gedanke: In diesem Gremium sitzt u.a. ein Herr eines jener Konkurrenzverlage, mit dem schon lange VOR dem 15.1. hinter verschlossenen Türen die künftige Leichenschändung der WR ausgehandelt wurde.

    Nochmal, Leute, macht euch nichts vor.

  7. Letzte Aufgabe sagt:

    Anonymous und Krabatzbär haben völlig RECHT!
    Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Entscheidung steht und wird auch nicht mehr zurückgenommen! Unsere journalistische Pflicht ist es nun, über alle zur Verfügung stehenden Kanäle, die Leser über den bevorstehenden Etikettenschwindel, den Betrug, zu informieren und ihnen die Augen zu öffnen. Dieses Patchwork-Geschäftsmodell darf keinen Erfolg haben. Man stelle sich die Auswirkungen deutschlandweit für viele, viele Kolleginnen und Kollegen vor! Nun hat die GGF die Katze endlich aus dem Sack gelassen, was sie immer mit Qualitätsjournalismus meinte! Warum nimmt denen eigentlich niemand die Drogen weg? Da wird von diesen Herren eine katastrophale Fehlentscheidung nach der anderen getroffen, benötigen – weil ahnungslos – eine Unternehmensberatung nach der anderen – obwohl die es auch nicht besser wissen – bezíehen trotzdem fürstliche Gehälter und dürfen immer weiter und weiter wurschteln! Das macht einen wirklich sprachlos!
    Medienkrise hin oder her. Was die da seit Jahren verzapfen ist der reinste Brandbeschleuniger!
    Also Leute, lasst uns die Öffentlichkeit und unsere Leser darüber informieren, was da geplant ist. Soll der Leser und auch die Anzeigenkunden die Möglichkeit bekommen selbst zu entscheiden, ob sie diesen Schwindel mitmachen wollen und dafür weiterhin einen hohen Abo-Preis zahlen, der dem Produkt in keinster Weise mehr gerecht wird!
    Auf, auf zum letzten Gefecht ihr treuen Kameradinnen und Kameraden! Lasst uns ehrenvoll in den Sonnenuntergang reiten!

  8. ehemaliger mitarbeiter sagt:

    Diese Mentalität gibt es bei der Waz schon länger.
    Wo war die Reaktion der Redaktionen bei der Kündigung aller bisherigen Leserläden-Mitarbeitern und Neueinstellung von Leserläden-Mitarbeitern (neue Ges.)
    Bisher habe ich von Solidarität und Zusammenhalt der Abteilungen und Redaktionen nichts bemerkt.
    Im übrigen finde ich den redaktionellen Teil der WR viel informativer als die Westfalenpost (Hagen).
    Habe gehört, die WR-Mitarbeiter bekämen eine sehr hohe Abfindung?

  9. Wahrer Grund sagt:

    Der Protest morgen kann gar nicht laut genug und zahlreich ausfallen. Natürlich wird die WR nicht aus rein wirtschaftlichen Gründen getilt, da passte einigen dieser -wieder gut gemachte- Titel nicht mehr ins Ego! Zig Auszeichnungen bei den European Newspaper Awards können ja nicht irren. Diese hirnrissige Entscheidung nach langer Überlegung trägt ja schon die ersten Früchte mit Stornierungen aller Art. Man glaubt tatsächlich auf der Königsetage, dass die WR mit dem größten Beschiss aller Zeiten auf Dauer erfolgreich durchkommt. Man kann schon Wetten abschließen, wie hoch die Umschlagtürmchen werden, wenn die Kündigungen aus Ruhr-Ost und MK auflaufen. Aber auch das ist gewollt, man muss aufgrund der dann noch schlechteren Zahlen dann „leider leider“ noch weitere MAKs loswerden.
    .
    „Letzte Aufgabe“ hat den kompletten Sachverhalt voll erkannt! Und der neue Finanzminister hat sich ja auch geoutet: Man will keine 10 Mio. einsparen sondern lt. Kress in neue Geschäfte investieren:
    .
    „Die WAZ Mediengruppe hatte in dieser Woche das Aus der bisherigen Redaktion der „Westfälischen Rundschau“ bekanntgegeben: 120 Redakteure und Redaktionsmitarbeiter sind betroffen. „Angesichts des anhaltenden Anzeigen- und Auflagenrückgangs und der schlechten Geschäftsaussichten für das laufende Jahr mussten wir jetzt handeln“, erklärte WAZ-Geschäftsführer Thomas Ziegler. Das sei die Voraussetzung dafür, um in neue Geschäfte investieren zu können.“
    .
    Das sollten sie besser sein lassen, denn da werden auch nur wieder die Millionen verbrannt. Eher sollten sie mal lieber die alten Geschäftszweige richtig beherrschen, die letzten 48 Monate waren ein Armutszeugnis sondergleichen. Und nicht die Redakteure legen ein geschäftsschädigendes Verhalten an den Tag, dafür hat die GGF selbst gesorgt. Das man die Leser und Kunden bewusst an der Nase herumführt und fremdes Material in einer leeren Hülle verpackt und es dann als eigenes Produkt, ist DIE Geschäftsschädigung. Und das ist durch alle Medienkanäle gegangen, eine schlechtere Publicity kann man sich nicht erlauben!!! Noch nicht einmal die einfachste Grundregel beherrschen diese Menschen, dass das Lokale das Herz und die Seele einer regionalen Zeitung sind. Aber so etwas lernt man nicht bei den WiWis und in weltweit operierenden Handelskonzernen.
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    Durch diesen demütigen Schritt des Einkaufs von lokalem Content lachen sich Ippen&Co kaputt, die schon immer auf total lokal gesetzt haben, als auf irgendwelche Spinnereien á la Autorenzeitung und unübersichtliches Online-Gedöns. Das dieser Dienst mittlerweile mehr Clicks als RP-Online haben soll, kann doch nur künstlich gepimpt worden sein.
    .
    Und wenn man schon bei Einsparungen ist, dann sollte man doch mal überlegen, ob die immer ausufernde Zahl von -teuren- Häuptlingen seine Berechtigung hat, die sich nur auf den Füßen stehen und sich ein ermüdendes Gerangel um Zuständigkeiten liefern…
    .

  10. Krabatzbär sagt:

    „dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der WR-Redaktion eine ausgesprochen engagierte Belegschaft sind, haben insbesondere die vergangenen Tage gezeigt. Die WR-Ausgaben erscheinen in gewohnten Umfängen und in gewohnten Qualitäten.“
    – Werter BR: Dies ist vermutlich weniger übersteigertem Engagement geschuldet als vielmehr dem Umstand geschuldet, dass die Hoffnung der Verzweifelten zuletzt stirbt. Sowie der Hoffnung auf (noch höhere) Abfindung.
    Was man ja auch verstehen kann.

    Zu den „gewohnten Qualitäten“ könnte man hier übrigens auch das eine oder andere Wort verlieren. Doch in Anbetracht der traurigen Umstände wäre das pietätlos.

  11. Öffentlich-rechtlich sagt:

    Fürs WDR-Fernsehen soll die Parole ausgegeben worden sein, beim Thema Westfälische Rundschau doch bitte nicht so groß einzusteigen.
    Warum wohl?

  12. ohweh sagt:

    Ohweh, du stolzer WAZ-Konzern, was ist aus dir geworden?

    WR: geschlossen
    WAZ: man spricht vom gröJaZ
    WP: hier wird berichtet, dass es z.T. menschlich unter aller Würde zugeht
    NRZ: ein verhinderter Fernsehmacher in der Regie

    Eisberg voraus!

  13. Ex-WAZler sagt:

    Wenn die WAZ-Mediengruppe in Bezug auf Auflagen und Umsätze ihrer Zeitungstitel erst einmal auf ein bestimmtes Level gesunken ist, dann wird das Bundeskartellamt die Übernahme der WAZ durch Springer vermutlich mehr oder weniger bedenkenlos genehmigen. Wer weiß, vielleicht ist das seit Jahren das erklärte Ziel des WAZ-Managements? Alle wichtigen Führungspositionen im Hause WAZ sind jedenfalls bereits mit (Ex)-Springer-Leuten besetzt, die Geschäftsführung mit Christian Nienhaus inklusive. Was eine Übernahme durch bzw. eine Fusion mit einem anderen Zeitungshaus für die Arbeitsplätze auch im Verwaltungs- und Druckbereich bedeuten würde, brauche ich an dieser Stelle nicht weiter auszuführen.

    Wer den „Warnschuss“, den das WAZ-Management mit der Entlassung der kompletten WR-Redaktion noch immer nicht verstanden hat, dem ist echt nicht mehr zu helfen! Weitere Maßnahmen werden folgen.

  14. Liebe WR-Kollegen! sagt:

    Ich kann leider heute nicht an der Demo teilnehmen. Aber ich bin in Gedanken bei Euch, wie so viele in unserem Konzern. Wir sind alle traurig und geschockt.

  15. IVWeh sagt:

    in einem Jahr -12% Abos in Dortmund. Tendenz steigend.
    Mathematik sagt: Lebenserwartung maximal 8 Jahre 4 Monate

    Die Redaktionsschließungen sind ohne Zweifel schlimm, für Betroffene sind sie noch schlimmer!
    Dennoch, wer erklärt mir was ist Ursache und was Wirkung?

  16. Ursachen und Wirkung sagt:

    Zu den Ursachen und Wirkungen ist einiges gesagt, anderes keinesfalls hinreichend geklärt. Woher kommen gerade in Dortmund und an anderen markanten Standorten der WR die seit Jahren fortwährenden Auflagenverluste? Klar steckt als Schwachpunkt die Verbreitungsstruktur der WR mit vielen Standorten als Zweitzeitung, eingezwängt zwischen weiteren WAZ-Titeln, und über viele Jahre höheren Personalkosten drin. Das kann die Größenordnung des von der WAZ genannten Defizits nach dem ersten personellen Kahlschlag von 2008/9, mit kaum noch überlebensfähig besetzten kleineren Redaktionen, aber nur begrenzt erklären.

    Ohne überprüfbare und transparente Zahlen ist in Zweifel zu ziehen, dass die WR allein in den letzten fünf Jahren 50 Mio. Defizite eingefahren hat. Wie wurde das im WAZ-Verbund vor- und zurück und für den WR-Anteil herausgerechnet? Was hat der BR an belegbaren, nachvollziehbaren Zahlen erfahren können? Folgt bei den NRW-Titeln der WAZ-Gruppe jetzt nach Vier nur noch Drei, nach Drei nur noch Zwei?

    @wahrer grund: stimme dir in vielem zu. Zu Deiner Anmerkung zu den „Zig Auszeichnungen bei den European Newspaper Awards“, die „ja nicht irren“ können, sind Vorbehalte anzumelden. Welche Bedeutung, welchen Stellenwert haben diese Auszeichnungen, die mit anderen einer CDU-nahen Stiftung, wiederholt im Marketingstil von der Chefredaktion ins Blatt gerückt wurden, überhaupt für WR-Leser? Der „European Newspaper Award“ ist eine international aufgeblasene Preisverleihung eines Layouters, der sich damit eine PR-Plattform für seine ohnehin nicht sonderlich kreativen Betätigungsfelder geschaffen hat.

    Auch selbstkritisch und ohne jede Schönfärberei muss nachgefragt werden, was hausgemacht war, was redaktionell und bei einzelnen Personalbesetzungen, was in der Blattgestaltung nicht gepasst hat, was den fortlaufenden, teils noch verstärkten Auflagenverlust der WR (IVW) besonders an mehreren Standorten weder aufhalten noch abschwächen konnte.

  17. Krabatzbär sagt:

    @Ursachen und Wirkung:
    „Welche Bedeutung, welchen Stellenwert haben diese Auszeichnungen, die mit anderen einer CDU-nahen Stiftung, wiederholt im Marketingstil von der Chefredaktion ins Blatt gerückt wurden, überhaupt für WR-Leser? “
    Ich ergänze diese aus meiner Sicht berechtigte Frage noch um eine tagesaktuelle weitere: Welche Bedeutung, welchen Stellenwert hat(te) die Zeitung an sich für die WR-Leser, wenn bei der heutigen Demo in DO (mit über einer halben Mio. Einwohnern) lt. Veranstalterangaben 1000, lt. Polizeiangaben gerade einmal 500 (Quelle: WELT u.a.) Teilnehmer gegen das Aus demonstriert haben?
    – Der bislang einzige Leserkommentar dazu in der Welt: „500… also die Betroffenen mit ihren Familien.“
    Leider bleibt dem nichts hinzuzufügen.

  18. Wundert mich nicht sagt:

    Lieber Krabatzbär, es wundert mich nicht, dass nicht mehr als 500 Teilnehmer zur Protestaktion kamen. Wie soll der „normale“ Leser, der zwischen 50 und 85 Jahren alt ist und überwiegend nur die Tageszeitung als Informationsquelle nutzt von den Machenschaften der WAZ-Mediengruppe und somit der Entlassung der 120 Redakteure, dem Etikettenschwindel ab 01.02.2013 erfahren haben? Unser treuer Zeitungs-Abonnent ist eben eher nicht bei Twitter oder Facebook unterwegs oder informiert sich zusätzlich auch noch aus dem Internet. Er hört auch eher nicht WDR2 sondern WDR4 und sooo viele gucken auch nicht die Aktuelle Stunde im WDR. Ach ja, und die Internetgemeinde interessiert sich einen Dreck, ob da bald eine traditionsreiche Tageszeitung (Holzmedium) am Galgen baumelt und journalistische Vielfalt verloren geht. Die kümmert es vielmehr, wer als nächstes aus dem Dschungel-Camp fliegt.
    Es muss unsere Aufgabe sein, über welche Kanäle auch immer, zuerst einmal unsere Leser über diesen ungeheuerlichen Skandal aufzuklären! Schwierig, wenn uns dazu unsere einzige Informationsquelle, die diese Gruppe erreichen kann, nicht zur Verfügung steht. Die umliegenden Medien sind nicht an einer Berichterstattung interessiert. Sie profitieren doch davon. Außerdem spuckt man sich nicht gegenseitig in die Suppe. Wer weiß, wann man selber unpopuläre Entscheidungen treffen muss. Da will man dann auch keine negative Berichterstattung der anderen! Schönes Dilemma. Da funktioniert unabhängige Berichterstattung eben nicht. Armes Deutschland. Also seid kreativ und macht Euch Gedanken, wie man die Leser der WR aufklären kann, damit diese Masche nicht zum Branchenrenner wird und noch mehr Kolleginnen und Kollegen ihren Job verlieren!

  19. ? sagt:

    Ich war heute auf der Demo und habe mir den Arsch abgefroren. Die Zahl der Teilnehmer war für eine Demo, die in den Zeitungen nicht angekündigt werden durfte, eigentlich gar nicht schlecht. Etwa 700 würde ich grob schätzen.
    In Berlin gehen ja schließlich auch nicht bei Demos Hunderttausende auf die Straßen, nur, weil da viele Leute wohnen.
    Traurig fand ich die Beteiligung der Betroffenen, denn es waren vor allem Gewerkschafter, Freie, Ehemalige und Unterstützer von außerhalb der WR vor Ort.
    Ganze Belegschaften der betroffenen Redaktionen wurden von den Unterstützern vergeblich gesucht.
    Auch die Kollegen der restlichen WAZ-Funkhäuser waren spärlich gesäht.
    Kommentar eines aus Lüdenscheid angereisten Demonstranten: Dann lass ich das halt.

  20. Realist sagt:

    Die große Marktbereinigung beginnt doch gerade erst. Mir tun vor allem die bislang fest angestellten Redakteure leid, von denen der Großteil sicherlich nicht mal ansatzsweise auf die neuen Lebensumstände vorbereitet sein dürfte. Das wird sicherlich hart, sich künftig als Freier auf einen völlig anderen Markt einzustellen. Raus aus dem goldenen Käfig, rein ins echte Leben. Einige werden es schaffen, da bin ich sicher. Und die meisten davon werden sich auch damit arrangieren, dass man sogar mit einem Drittel der bisherigen Bezüge leben kann.

  21. Anonymous sagt:

    @Krabatzbär „Welche Bedeutung…?“
    Das Fatale an solchen relativ schwach besetzten Demos, bei denen vor allem die Beteiligung der Nicht-Betroffenen sehr zu wünschen übrig lässt, ist, dass sie leider doch eine Bedeutung haben. In diesem Fall für die Gruppengeschäftsführung.
    Für Dortmund gibt IVW die Verbreitung der WR mit knapp 75800 an. Unterstellt man die Richtigkeit der Polizeiangaben (500 ist eine Zahl, die auch meiner Schätzung nach realistisch ist), und unterstellt man freundlicherweise weiterhin, dass sämtliche Demo-Teilnehmer Dortmunder Leser waren (was natürlich nicht stimmt), dann ergäbe sich eine Beteiligung von gerade einmal 0,65 Prozent der Leser.
    Ich will jetzt keine trübe Stimmung verbreiten, aber „machtvoll“ geht anders. So setzt auch diese Demo (wie schon frühere Aktionen, etwa die mit einer Handvoll Soli-Kerzen), das völlig falsche Signal.
    Wenn ich ein Geschäftsführer der Gruppe wäre, würde ich mich angesichts dieser schwachen Beteiligung jetzt erst einmal wieder ganz entspannt zurücklehnen und von der Richtigkeit der Schließung überzeugt sein. Motto: “Wenn den Dortmundern so wenig an ‘ihrer’ WR gelegen ist, kann es so verkehrt nicht sein”.

  22. Mathe sagt:

    @IVWeh
    Zitat: „in einem Jahr -12% Abos in Dortmund. Tendenz steigend.
    Mathematik sagt: Lebenserwartung maximal 8 Jahre 4 Monate“
    (…) „wer erklärt mir was ist Ursache und was Wirkung?“

    Leute wie Du sind EIN Problem der Tageszeitungen. Wir haben zuviele Journalisten, die Mathe nicht beherrschen.
    Wenn jemand von 100 Lesern ausgehend immer wieder 12 Prozent abzieht, adieren sich die 12 Prozent nicht.
    Man kommt nicht in 8 Jahren und vier Monaten auf 0.
    Im ersten Jahr verlierst du 12 Leser und hast danach 88.
    Im zweiten Jahr verlierst du rechnerisch 10,56 Leser und hast 77,44 Leser.
    Im dritten Jahr verlierst du 9,29 Leser und hast 68,15 Leser.
    Im vierten Jahr: -8,18 = 59,97 Leser
    5: -7,2 = 52,77
    6: -6,33 = 46,44
    7: -5,57 = 40,87
    8: -4,9 = 35,97
    9: -4,32 = 31,65
    usw.
    Das Ergebnis ist zwar trotzdem alles andere als schön, aber die Grundlagen der Prozentrechnung sollte ein Zeitungsredakteur unbedingt beherrschen.
    ich hoffe, du hast noch nie über Wahlen berichtet.

  23. Realist sagt:

    Hallo Mathe, blitzsaubere Rechnung! Das Problem lässt sich jedoch weniger an ausgefeilter Prozentrechnung aufhängen, als dass es vielmehr ein demografisches Phänomen ist. Die Zeitungsleserschaft ist überaltert, die jüngere potenzielle Leserschaft hat kein Interesse an einem Medium, das seit vielen Jahren an antiquierten Vorstellungen klebt und so gut wie keine Bereitschaft zeigt, etwas für den Erhalt von Zeitung zu tun. Zurück zum Problem: Angenommen, du hast 100.000 Leser und verlierst 12 Prozent davon in einem Jahr, dann sind das 12.000 Abbesteller. Der Trend zeigt, dass das im kommenden Jahr nicht weniger, sondern eher mehr sein werden. Sagen wir 13.000 – bedingt durch Ableben beziehungsweise die Erkenntnis, dass da nix Neues kommt aus den Redaktionen. Im dritten Jahr sind es dann schon 14.000 usw. usf.. Das geht schneller, als mancher, der in Prozentrechnung fit ist, sich ausmalen mag. Wie an anderer Stelle schon gesagt: Es geht gerade los.

  24. Alter Kollege sagt:

    @Mathe
    Auch wenn Sie mit Ihrer Rechnung natürlich völlig Recht haben, so sollten Sie sich nicht gleich zu Diffamierungen versteigen. Denn aus dem Kommentar von „IVWeh“ geht mit keiner Silbe hervor, dass ihn ein Redakteur geschrieben hat. Es soll auch noch Menschen außerhalb der Zeitungsredaktionen geben. Und es werden sogar immer mehr…

  25. Überflüssig sagt:

    @Realist: Schön dass du dich bestätigt siehst.
    geh in irgendeinen anderen Blog und verbreite das da.
    Noch so einer, der sich freut, dass es den Zeitungen an den Kragen geht.
    Welch Moitivation mag ihn treiben, den am Boden liegenden derart in die Fresse zu treten?

  26. Depp sagt:

    Dieser so genannte Realist klingt wie einer von den Schlau-Bloggern, die wissen wie es geht… Schön alle Titel und Journalisten über einen Kamm scheren. Wir kleben ja alle an antiquierten Vorstellungen. Und es geht gerade erst los. WAS geht denn los? Nüchtern betrachtet ein Sterben von Zweitzeitungen und linker Presse, die seit Jahren Defizite geschrieben hat und seit Jahren eine Randbedeutung hatte. Das ist eine Katastrophe für die Betroffenen, aber kein Ende der Holzmedien. Noch lange nicht!

  27. IVWeh sagt:

    @Mathe
    Keine Sorge wegen der Wahl, ich bin Leser und Abonnent. Verstanden habe ich aus deinem Kommentar damit Ein Problem der Tageszeitung zu sein. Hoffentlich bist du kein Redakteur der WR, sonst haben wir vielleicht schon das zweite Problem gefunden.
    Zurück zur Mathematik.

    IVWeh sagt auch:
    4/2010 zu 4/2011 -8,73%
    4/2011 zu 4/2012 -12%
    Wie berücksichtigst du dies in deiner Zahlenfolge?

  28. Mathe sagt:

    Ein Leser, der hier in einem Journalisten-Blog mit IVW-Zahlen gegen die Beschäftigten argumentiert. Klar. Nein, ich bin kein Redakteur, ich bin der Osterhase.

  29. Traurig, traurig sagt:

    Ja, es gibt Leute, die sollten mal zum Arzt gehen, genauer gesagt zum Psychiater. Denn sie haben die Charaktereigenschaft, dass es ihnen gut geht, wenn es anderen schlecht geht. Die haben sadistischen Spaß daran, ein Ende herbeizuschreiben, ja herbeizusehnen, auch wenn es mit der Realität nicht immer was zu tun hat.

    Es gibt da beispielsweise einen Lehrer aus Winterberg, der geifert regelrecht darum in seinem Blog, der örtlichen Lokalausgabe Fehler zu unterstellen und versucht sie vorzuführen, was ob der Plumpheit zumeist aber nicht gelingt. Letztlich war er mal freier Mitarbeiter und hat kein Volontaritat bekommen, da ist er Lehrer geworden. Solche Typen sind das hier, ich weiß, dass er sich hier tummelt. Merke: Der Normalleser und Normalbürger sucht nicht diesen Blog auf!

    Traurig, dass solchen Typen einer abgeht, wenn Leute ihren Job verlieren. Und traurig, dass sie sich nur gut fühlen, wenn sie den Besserwisser machen können. Ich kann mich übrigens auch hinstellen und schlaumeiern, wie man besser Unterricht macht, bessere Waren anbietet, bessere Autos baut und sowieso alles besser macht. Manchmal sind Teile dieser Gesellschaft zum Kotzen. Entschuldigung, das musste mal raus.

  30. IVWeh sagt:

    @Mathe
    Du kämpfst für Meinungsvielfalt und verweist einen Abonnenten aus einem öffentlichen, „Journalisten“-Blog. Denk mal drüber nach!

    Für wie blöd hälst du eigentlich Noch-Leser einer Tageszeitung?

  31. Schleich Dich sagt:

    IVWeh, Du bist nie im Leben ein Leser. Normale Leser kennen diesen Blog nicht, suchen ihn nicht und posten schon keine IVW-Zahlen. Du bist einer dieser bedauernswerten Menschen. Wie dieser Lehrer aus Winterberg.

  32. Mathe sagt:

    Nicht jede Meinung ist für eine ernsthafte Diskussion eine Bereicherung. Manches ist nur Sprachdurchfall. Denk mal drüber nach.

  33. Realist sagt:

    @Depp, @Überflüssig: Schlau-Blogger? Andern in die Fresse treten und alle über einen Kamm scheren? Nicht korrekt. Gelernter Redakteur, über 25 Jahre im Beruf, auch schon von der Realität des Marktes eingeholt und eines Besseren belehrt worden – ist aber schon eine ganze Weile her. Seit 20 Jahren etabliert freiberuflich journalistisch tätig. Natürlich geht das große Zeitungssterben jetzt erst los. Das sind sozusagen die Vorwehen. Damals, als die Gasheizung kam, wollte auch niemand mehr mit Kohle heizen. Da half es einem Kohlenhändler auch nichts, auf die jahrhundertlangen Errungenschaften des Kohlenhandels zu verweisen.

  34. Depp sagt:

    Der Realist – ein frustrierter Typ also, den sie geschasst haben, der jetzt für kleines Geld arbeiten muss und jetzt wünscht er allen anderen dasselbe Schicksal. Ui, ist das charakterschwach. Das Beispiel mit der Kohle ist so daneben, da hoffe ich, dass deine Texte fundierter sind. Die Gasheizung (das Internet) gibt es jetzt schon viele, viele Jahre und der Kohlenhändler (die Zeitung) kann neuerdings auch Gas gegen Kohle (Bares) liefern. Dann soll es Städte geben, wo nur mit Kohle (Lokales) statt mit Gas (Internet) geheizt werden kann, wenn man etwas mitbekommen möchte. Da staunst Du, oder?

    Abgesehen von Deiner Art lässt es mich menschlich zutiefst erschaudern, wenn hier
    – auf entlassene Menschen noch eingehauen wird
    – man Verbliebenen dasselbe Schicksal wünscht
    – hier eine Portion Dreck und Besserwisserei hinterlässt

    Solchen Typen wünsche ich wirklich alles erdenklich Schlechte. Sie sind nicht geeignet um in dieser Gesellschaft zu leben, weil ihnen Mindestformen des Mitgefühls, des Anstands und der Moral abgehen.

  35. Schleich Dich sagt:

    Mir scheint ob dieser Reaktion: Es IST dieser Lehrer aus Winterberg.

    Aber besser ist in der Tat: Don’t feed the Troll!

  36. Realist sagt:

    @Depp: Ich haue auf niemanden ein. Ohne Mitgefühl, ohne Anstand und ohne Moral ist zurzeit lediglich der Markt. Und der wird nicht besser. Selbstverständlich gehört mein Mitgefühl denen, die ihren Job verlieren. Gleichzeitig finden lokale und regionale Tageszeitungen landauf, landab aber kein Rezept dafür, Tageszeitung wieder attraktiv zu machen. Lassen wir es dahingestellt, ob es an mangelndem Interesse auf den Führungsetagen oder in den Redaktionen liegt. Die wachsende Zahl von Einzeitungskreisen wurde schon bei uns im Studium vor Jahrzehnten angemahnt. Alles, was ich seitdem an Innovation mitbekommen habe, waren vor allem irgendwelche Desk-Systeme, die mit Personaleinsparungen einhergingen, waren eingedampfte Redaktionsstandorte, Newsdesks für den Mantel, in denen vor allem an eigenen Inhalten gespart wird. Ich sehe weit und breit keine Innovation von innen heraus. Das muss doch gesagt werden dürfen, ohne gleich als Troll zu gelten. Und dass es um Geld geht, steht doch völlig außer Frage. Altverträge nach Tarif kosten zu viel. Vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt her leuchtet das jedem ein.

  37. Chaos sagt:

    Es hat hier wohl keinen Sinn, in die Geheimnisse von Prozent- und Zinseszinsrechnung einzusteigen. Es gibt viel zu viele Faktoren, die auf den Niedergang Einfluss haben. Der demographische Wandel ist einer, das geänderte Leseverhalten jüngerer Menschen der nächste, dann kommt die jeweilige wirtschaftliche Großwetterlage mit ihren Auswirkungen auf den Gehaltszettel (Zeitungsabos sind bei Lohneinbußen immer als erstes an der Reihe), und nicht zuletzt ebenso unvorhersehbare wie falsche Entscheidungen des Managements, der Tod einer Gesellschafterin, und, und, und. Dann gibt es noch Leute, die würden ein Zeitungsabo selbst dann noch halten, wenn außer den Todesanzeigen alles mit Blindtext gefüllt wäre. Und über allem steht die Frage, wie lange die Kasse noch mitmacht.
    Wenn überhaupt, dann ist das ein Thema für Chaosforscher und Prognostiker. Und nicht für zwangsneurotische Algebra-Artisten.

  38. "Normale" Leserin sagt:

    @Schleichdich „VWeh, Du bist nie im Leben ein Leser. Normale Leser kennen diesen Blog nicht“.
    .
    Entschuldigung, aber da sind Sie falsch informiert. Ich zum Beispiel bin zwar Medienwissenschaftlerin, aber auch „normale“ Leserin, denn ich bin nicht journalistisch, sondern in der PR-Abteilung eines Unternehmens tätig. Und ja, ich kenne IVW, wie übrigens mit Sicherheit jeder, der sich beruflich mit Werbung befassen muss. Und das sind nicht wenige Anzeigenkunden. Für DIE ist die IVW nämlich eigentlich da!
    Es wäre angenehm, wenn in diesem Blog nicht übermäßig viel Unsinn verbreitet würde. In diesem Sinne sollten Sie sich vielleicht doch etwas gründlicher informieren, bevor Sie mit Halbwissen hier vom Leder ziehen.

  39. don't feed the troll sagt:

    normale leserin – medienwissenschaftlerin….
    Jupp

  40. Depp sagt:

    Du kannst doch gar kein fundiertes Bild über die Situation der Lokalteile in Deutschland abgeben – woher denn? Vielmehr zeichnest du dieses einfältige Bild, es fehlt eigentlich nur noch das Wort Taubenzüchterverein. Ich kenne sehr viele innovative Redaktionen und sehr viele gute Lokalteile. Und was erwartest du für Innovationen? Buntes Papier? Redakteure, die einen Handstand vorführen? Die Leute zahlen für Fakten, für harte, blanke, neue lokale Nachrichten und nehmen gern noch etwas Buntes und etwas Provinzielles mit. Dass Auflagen sinken, hat zurückgehender Bevölkerung, mit nachlassendem Interesse an der eigenen Nachbarschaft und mit Ebbe in den Geldbörsen zu tun. Das wird überall zu Einzeitungskreisen führen und dagegen kann keine Redaktion der Welt etwas machen. Technisch stehen wir dagegen vor eine Epoche der innovationen, es wird so viel entwickelt momentan. Antiquiert ist es in der Tat, Papier zu bedrucken und per Boten auszuliefern. Da gibt es heute andere bequemere und billigere Möglichkeiten. Darauf läuft es hinaus. Und auch da wollen die Leute: harte, blanke, neue lokale Nachrichten und nehmen gern noch etwas Buntes und etwas Provinzielles mit. Das war fast schon eine Unternehmensberatung, hoffentlich schreibt Schickler hier nicht ab.

  41. Ich bin der Osterhase sagt:

    Und der Weihnachtsmann. Also ein ganz normaler Leser…

  42. Stahlwerker sagt:

    Ich stelle mir gerade vor, dass ein Stahlwerk geschlossen wird und sich dann ein paar Schaulustige naseweis hinstellen und sagen: Sowas haben wir doch schon immer gewusst! Die Arbeiter sind aber auch faul und unbeweglich! Stahl aus Deutschland ist zu teuer, das wird auch die anderen Werke treffen.

    Und jetzt stelle ich mir vor, was diese Stahlwerker mit diesen Schaulustigen anstellen würden.

  43. Anonymous sagt:

    Her oder Frau SchleichDich, Sie sollten möglicherweise anerkennen, dass die IVW nicht nur unter Redakteuren bekannt ist. Für die ist sie nämlich eigentlich nicht gedacht. Zitat: „…versorgt die IVW die Medien- und Werbebranche sowie die interessierte Öffentlichkeit mit grundlegenden Daten für die Vermarktung von Medien als Werbeträger.“
    Es soll in der Werbebranche tatsächlich Leute geben, die auch Zeitungen lesen.

  44. SchleichDich sagt:

    @Anonymus
    Ach was, das ist mir ja vollkommen neu… Wollen wir trotzdem glauben, dass ein normaler Leser hier nicht auftaucht und schon gar nicht IVW-Zahlen auspackt? Das machen der Osterhase, der Weihnachtsmann und ganz vielleicht Medienwissenschaftler und PR-Leute. Diese müssen aber eine missgünstige Ader haben, wenn sie ihre Zeit hier investieren, um ein bisschen Ätsch zu hinterlassen.

  45. don't feed the troll sagt:

    Wir reden hier seit der Demo nicht mehr über die erbärmliche WAZ-Führung und deren ausschließlich auf Gewinnmaximierung orientierte Entscheidung.
    Vorsicht: Die wollen, dass das hier versandet.
    Das haben sie schon 2008 geschafft, als viele Betroffene, von den blöden Debatten hier genervt, das Blog verlassen haben.
    Lasst uns konkret bleiben.
    Es geht nur um die WAZ-Gruppe in diesem Blog.
    Wie wollen wir uns wehren? Sollen wir zum Boykott der WAZ-Blätter aufrufen? Sollen wir einfach bis zum letzten Tag fröhlich Zeitung machen? Streiken?
    Das sind die Fragen, von denen manche gerne ablenken würden.

  46. Realist sagt:

    @Depp: „Die Leute zahlen für Fakten, für harte, blanke, neue lokale Nachrichten und nehmen gern noch etwas Buntes und etwas Provinzielles mit. “

    Korrekt. Und genau deshalb muss man sich bei lokalen Tageszeitungen nach wie vor durch seitenweise Mantel quälen, bis man zum Wichtigen kommt?

    Oder: Warum nicht einfach eine Zeitung machen, die wirklich rein lokal ist, die auf den Agenturbrei verzichtet, den ohnehin alle haben?

    Was wäre, wenn sich unter den 120 entlassenen Redakteuren genug fänden, die das Zeug haben, jeden Tag auf eigene Kappe harte, blanke, neue lokale Nachrichten zu schreiben und online zu veröffentlichen? 2 oder 3 Euro für das monatliche PDF-Abo? Die Informationswelt ändert sich, und es werden sich genau solche Geschäftsmodelle finden, die am Markt auch erfolgreich sein werden.

    Das Schöne dabei wird sein: Das geht auch ohne Großkopferte, die von der Arbeit anderer leben.

  47. don't feed the troll sagt:

    Nochmal: Wir kämpfen immer noch gegen die Entscheidung, die WR komplett dicht zu machen. Noch hat keiner seine Kündigung. Noch sind Rechtsfragen offen.
    Kann diesen Idioten nicht einer löschen?

  48. Depp sagt:

    @Realist
    So wie Hardy Prothmann? Prust!!! Sorry, so schade es ist: Aber man braucht ein Backoffice u.a. mit Marketing und Justiziariat und einen gewissen Overhead. Und: eine Marke. Die entsteht nicht von 0 auf 100.

    Und die Zeitung ohne Mantel wird dann kommen, wenn eine Merheit der Konsumenten es so wünscht. Zurzeit wünscht sie es anders. Stellt Dir vor: Die Zeitungskonzerne machen heute so Sachen wir Marktforschungen. Aber so etwas gab es zu deiner Zeit ja noch nicht.

    Und damit ist das Trollefüttern von meiner Seite beendet!

  49. Realist sagt:

    @don´t feed the troll: Der Aufruf zum Boykott ist ein geschäftsschädigendes Verhalten und dürfte ein Bumerang werden. Streik war und ist für Gewerkschafter ein probates Mittel, sich zu wehren.

    Was das Thema Zensur angeht: Warum nicht einfach auch da mal kreativ sein, mit Hilfe des DJV einen Sonderdruck in Höhe der eigenen Auflage organisieren und morgens mit allen, die entlassen werden, schön hinter den Zustellern her marschieren und die Wahrheit in den Briefkasten nachreichen?

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