Kampf ums Lokale geht weiter

Wie erwartet hat der Geschäftsführer der WAZ-Gruppe, Bodo Hombach, auf der Betriebsversammlung der vier Zeitungshäuser WAZ, NRZ, WR und WP sowie in einer anschließenden Pressekonferenz erklärt: Die Personalmaßnahme ist abgeschlossen, ganz ohne betriebsbedingte Kündigungen. 287 Arbeitsplätze wurden bereits bzw. werden nach Auslaufen von Altersteilzeit-Verträgen abgebaut. Damit sei das Sparziel im redaktionellen Bereich erreicht: „Dieses Ding ist gelaufen“. WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz gab bekannt, dass die WAZ-Redaktion Vest (Recklinghausen) nicht dichtgemacht wird.

Gute Nachrichten also. Trotzdem kann von Entwarnung eigentlich keine Rede sein. Im Gegenteil: Der Kampf um das Lokale geht weiter.

Obwohl Bodo Hombach beteuerte, die „Kernkompetenz lokaler und regionaler Journalismus“ habe oberste Priorität, wurden die Folgen der strukturellen Änderungen bei den NRW-Zeitungen des Medienhauses deutlich: In den dezimierten Lokalredaktionen herrscht „extreme Arbeitsüberlastung“, wie die Betriebsräte in der Pressekonferenz berichteten.

Aus der Sicht der Gewerkschaften sind auf Dauer sowohl die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen vor Ort in Gefahr als auch die Qualität der Produkte. Verschärfen wird sich die Situation absehbar noch, wenn die Altersteilzeitler vertragsgemäß ausscheiden. Sprich: Es kann nicht so bleiben.

Die Gewerkschaften bitten alle Kolleginnen und Kollegen, ihre Arbeitsbelastung, Mehraufgaben usw. sowie organisatorische Probleme zu dokumentieren und an die Betriebsräte zu melden. In einem „Monitoring“-Verfahren sollen ja die Folgen der Einsparungen beobachtet werden. Bodo Hombach versprach durchaus „Nachjustierungen“, allerdings nur innerhalb des Kostenrahmens.

Gefordert wurden auch Perspektiven für guten Nachwuchs. Bodo Hombach blieb hier vage, ließ aber zumindest erkennen, dass er Nachwuchs-Förderung auch wichtig findet.

Die WAZ-Gruppe wird auch andere Konzernbereiche mit Sparmaßnahmen überziehen (z.B. Aufgabe der Geschäftsstellen). „Auch der Verlag leistet seinen Beitrag“, erklärte Bodo Hombach. Inzwischen gebe es auch Vertriebsvereinbarungen zwischen der WAZ-Gruppe und den Nachbarverlagen. Im Klartext: Auch bei den Zustellern drohen kräftige Einschnitte.

449 Kommentare zu “Kampf ums Lokale geht weiter”

  1. Katharina Borchert sagt:

    @AlterKollege, brüller, frotzel etc.: Noch mal von vorne. Ich sprach natürlich nicht von meiner Kolumne. Wir produzieren auch deutlich mehr als nur zwei Artikel pro Woche. Aber im Schnitt werden zwei unserer eigenen für Online geschriebenen Artikel auch am Contentdesk von Print übernommen (den irrigen Umkehrschluß können Sie sich also schenken). Und ja, das ist gut an den Autorennamen zu erkennen – wenn man sich denn damit auseinandersetzt. Ich liefere gerne Namen und Artikel, wenn es interessiert.
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    Mit den Dienstanweisungen für Print habe ich nichts zu tun. Die Vorgaben werden, wie sich das gehört, von den Kollegen im Printbereich gemacht. Sie können gerne recherchieren. Aber von mir werden Sie die Aussage „online first“ nirgendwo finden.
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    Bodo Hombach lässt sich von mir sicherlich wenig bis gar nichts einflüstern, da überschätzen Sie meinen Einfluß gewaltig. Wir sind sogar häufiger mal sehr unterschiedlicher Meinung. Er wird Ihnen das sicherlich gerne bestätigen.
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    Unsere Redakteure sind online auch alle im Communitybereich zu finden. Und Telefonlisten sollten ebenso überall vorliegen, wurden zumindest von uns erstellt und weitergegeben. Wenn eine fehlt, warum rufen Sie dann nicht kurz an? Oder mailen? Es mag Sie überraschen, aber ich stehe wie alle anderen auch im WAZ-Telefonbuch.

  2. Katharina Borchert sagt:

    Ach ja, unser Businessplan hat niemals schwarze Zahlen für 2010 vorgesehen. Sie sollten Ihre Quellen überdenken.

  3. flying kangaroo sagt:

    Wer soviel Zeit hat hier mitzubloggen wie Frau Borchert, kann ja nicht allzuviel Arbeit auf dem Tisch haben.

  4. armadillo sagt:

    @flying kangaroo:
    Das war jetzt aber unter der Gürtellinie 🙁

  5. Fotolieferant sagt:

    @Katharina Borchert:
    „Ach ja, unser Businessplan hat niemals schwarze Zahlen für 2010 vorgesehen.“ – Ihr Businessplan hat auch niemals eine Vergütung für Inhalte vorgesehen, was glücklicherweise für die Fotostrecken geändert wurde.

    Was mich nur wundert ist folgendes: Sie merken nicht einmal das hier Mitarbeiter aus dem Printbereich durchaus bereit sind das Onlineportal zu unterstützen. Aber dies nur gemeinsam und mit entsprechender Erfolgsbeteidigung.
    Zum Hintergrund: Wenn den Content-Produzenten und den Ex-Kollegen vorgehalten wird, dass sie zu teuer sind und folglich Kosten gespart werden müssen, andererseits aber ihr Portal mitfinanziert werden muss, dann möchte man eine gerechte betriebswirtschaftliche Bewertung.

    Sobald Sie, Frau Borchert, ein überzeugendes Konzept zur Generierung von Gewinnen mit ihrem Portal liefern, das zur Mitfinanzierung der Zulieferer (Onlineredaktion, Print, Fotografen, Verwaltung) genutzt werden kann, haben Sie tatsächlich etwas einer Managerin würdiges geschaffen. Ich befürchte aber ihr Wechsel zu spiegelonline hat mit genau diesem fehlenden Konzept zu tun…

    Frau Borchert, stellen Sie sich und den WAZ-Angestellten doch mal die Frage: Was fehlt/geht nicht im Printbereich und lässt sich online lösen, und generieren daraus ein Portal.

    Ich hoffe das die Ihnen nachfolgende Person genau aufgrund dieser Fragestellung ausgesucht wird.

  6. Fotolieferant sagt:

    @Frau Borchert

    Wie wäre es denn, wenn Sie zur Entlastung der verbliebenen Print-Redakteure eine Arbeitsanweisung herausgeben, die bewirkt das sich die Onlineredaktion selbst um die Inhalte des Portals kümmert. Sprich: Die Print-Redakteure machen ihre Arbeit, und Sie suchen sich selbsttätig die für Online interessanten Artikel heraus, hübschen diese auf und stellen sie online?
    Die nun freie Zeit der Redakteure könnten diese im Umkehrschluss dafür nutzen, um auf dem Portal nach für ihre Ausgabe interessante Artikel zu suchen und in ihre Zeitung zu kopieren.

  7. Unbeteiligter Online-Medienheini sagt:

    Kann Frau Borchert verstehen, würde auch irgendwann keine Kraft mehr haben und gehen. Wenn es selbst bei derwesten.de so abgeht, wie die letzten Posts hier andeutem, gute Nacht. Und ich dachte immer, Radioleute wären schwierig. Glück gehabt

  8. Hannes sagt:

    @zahlendreher:
    Du schriebst und zitiertest hier am 13. Oktober u.a. :

    “Journalisten sind die Bergleute des 21. Jahrhunderts”

    Deine Quelle ist ein träumender „Twitterer“ (9. Oktober)

    Der Vergleich ist allerdings älter und zum Beispiel bei Albrecht Müller, Meinungsmache, 2009, S. 377 zu finden und dort belegt durch Lutz Hachmeister, Nervöse Zone, 2007, S. 62

    Merke: Nicht alles, was man träumt hat man auch selbst gedacht 😉

  9. Christoph sagt:

    Wie wär’s denn, wenn Ihr Euch mal in aller Ruhe zusammen setzen und ganz in Echt (also nicht via Online-Forum) miteinander reden würdet? Vielleicht stellt man dann fest, dass im Lokalen nicht nur überbezahlte, mittelmäßige und faule Journalisten sich auf ihren fetten Besitzständen breit machen und dass die beim Westen nicht ausschließlich besserwissende Gratis-Content-Absauger sind, die sich mit fremden Federn schmücken. Am Ende geht es doch um die Arbeitsplätze für Euch alle, oder?

    Hier noch ein paar Erfahrungen von mir:

    Printtexte der Titel aus dem Lokalen werden seit dem Start von Cityweb (1997) in dem/den Online-Auftritt(en) verwendet. Insofern kann ich die aktuelle Aufregung darüber nicht verstehen.

    Zum Start von Cityweb konnten dort nur registrierte und zahlende Cityweb-Kunden (die Cityweb damals als Internet-Provider genutzt haben) zugreifen. Davon hat man schnell abgelassen, weil die Anzeigenverkäufer so absolut nichts verkaufen konnten. Geschäftsmodell paid content hat zumindest damals nicht funktioniert.

    Dann gab’s die Dachmarke Cityweb als frei zugängliches Angebot. Man hatte allerdings den Eindruck, dass es sich dabei um ein externes Konkurrenzprodukt handelte, denn dieses wurde in der Berichterstattung von den Printtiteln quasi ignoriert. Man musste zu den sogenannten Kollegen als Bittsteller kommen, um im Blatt mal einen kleinen Hinweis auf eine Aktion bei Cityweb zu bekommen (Ausnahme: WR). Die Folge: Niemand kannte Cityweb – zum Teil auch nicht die eigenen Print-Kollegen.

    Die folgenden Einzelangebote der Titel (waz.de, nrz.de etc.) mit Online-Redakteuren aus den Printredaktionen haben an jener innerverlaglichen Situation scheinbar etwas verbessert, aber waren dann wohl im Ergebnis auch nicht das „Gelbe vom Ei“.

    Dass der Westen dann von der Verlagsleitung mal richtig gepusht und beworben wurde, war für mich etwas ganz Neues und hat zumindest dazu geführt, dass endlich mal zehn Jahre alte Ideen in die Tat umgesetzt werden konnten (etwa eine erweiterte Berichterstattung des Lokalen z.B. mit mehr Fotostrecken). Das funktioniert natürlich nur, wenn die Lokalredaktionen mitziehen. Und das ist vermutlich nicht so einfach, wenn man da jemanden von Außen reinholt, der bzw. die (warum auch immer) von der alten Belegschaft nicht akzeptiert wird.

    Wie es zum diesem teilweise extremen Feindbild gegenüber dem Westen und seinen Machern gekommen ist, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Von dort habe ich zumindest hier und an anderen Stellen immer die Bereitschaft zum konstruktiven Dialog gesehen. Aber es ist eben wohl doch etwas anderes, sich in einem Online-Forum auszukotzen, als sich mal in einer offenen Diskussion von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten.

    Also, nochmal: Ich glaube, dass Ihr nur miteinander weiterkommen könnt. Der Auflagenschwund der Tageszeitungen wird sicher weitergehen. Zumindest ein Teil dieser Informationen wird übers Netz abgerufen werden. Das ist vielleicht auch eine Chance. Ob’s reichen wird, weiß ich auch nicht. Aber komplett auf Online zu verzichten (um Exklusivität zu wahren), wird aus meiner Sicht sicher nicht funktionieren.

    In diesem Sinne: Viel Erfolg!

  10. Karl sagt:

    Ich hab das grade auch hier als Kommentar geschrieben: http://www.blog-cj.de/blog/?p=2571

    Auch wenn ich nicht aus NRW bin und weder eure gedruckten Zeitungen noch „der Westen“ kenne, wundere ich mich schon ein wenig darüber, das bei der WAZ offenbar alle an dem Ast sägen auf dem sie sitzen.

    Also, was man hier aus den Kommentaren rauslesen kann, ist ja eine unglaublich schlechte Mischung aus Realitätsverweigerung bei Teilen der Journalisten und idiotischem Profit-Center denken bei der Unternehmensleitung. Wenn man dann Artikeln, die Online gehen nicht einen (fiktiven) Wert zuweist, dann ist ja schonmal der Erste Widerstand vorprogrammiert.

    Und dann diese gefühlten Behauptungen von allen Seiten (Online kannibalisiert, Print verliert, für Online soll bezahlt werden). Haben die bei der WAZ keine Studien zu sowas? Wird sowas nicht mal auf Versammlungen vorgestellt? Da scheint ja einer dilettantischer als der andere zu sein. Und anstatt mal zu experimentieren wie die Zukunft aussehen könnte, machen die sich das Leben zur Hölle. Na da ist der Untergang ja nicht weit, will mir scheinen.

  11. wicht sagt:

    @fotolieferant
    „Sprich: Die Print-Redakteure machen ihre Arbeit, und Sie suchen sich selbsttätig die für Online interessanten Artikel heraus, hübschen diese auf und stellen sie online?“

    Wie soll das denn gehen? Die Kommunikation von Print zu Online kann man ja jetzt schon als kaum vorhanden bezeichnen. Wie soll denn dann der Online-Desk von den Texten erfahren? Am nächsten Morgen aus der Zeitung? Wie viele Texte erscheinen am Tag in den vier Titeln der WAZ Mediengruppe? Ich kann es nichtmal schätzen, es müssen tausende sein. Da Online ja über hunderte Billiglöhner verfügt, können die natürlich locker alle Lokalausgaben durchblättern und nach interessanten Texten suchen. Oder noch besser: Sie stöbern abends im Hugo, wenn die ersten Texte eintrudeln.

    Sorry für den Zynismus, aber bei solchen Vorschlägen kann ich nicht mehr an mich halten.

  12. Alter Kollege sagt:

    @K. Borchert „Mit den Dienstanweisungen für Print habe ich nichts zu tun. Die Vorgaben werden, wie sich das gehört, von den Kollegen im Printbereich gemacht.“
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    Nun ja – es handelt sich eben nicht um Dienstanweisungen für Print, sondern für den Umgang mit Online, denen die Print-Kolleginnen und -kollegen Folge leisten mussten.
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    Dass diese Anweisungen, wie Online zu gestalten sei, von den übrigen CRs eigenmächtig und ohne Absprache mit der Online-Chefredakteurin herausgegeben wurden, war mir allerdings nicht bekannt.
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    Sie werden aber zugeben, dass es höchst erstaunlich klingt, wie Ihre CR-Kollegen Sie in einer derart fundamentalen Frage völlig übergangen haben sollen.

  13. Fotolieferant sagt:

    @wicht

    Sorry, aber gehe einfach im Hugo auf Seite, wähle die Ausgabe, und du siehst was an Artikel bereits existiert.
    Im Normalfall muss jetzt der Redakteur seinen Artikel per copy and paste ins Hugo, Register Text, kopieren und als Onlineartikel freigeben.
    Wieso also sollte nicht die online-redaktion diese c+p-Arbeit übernehmen? Die onliner können auch besser übersehen in welchen Rubriken der Artikel erscheinen kann.

    Der andere Weg, das onlinetexte automatisch aus Printtexten generiert werden ist eine Aufgabe für einen Programmierer, der vielleicht 1 Woche damit beschäftigt ist, und danach läuft es automatisch.

    Mir geht es zum einen darum das die Redakteure sich länger um ihre Seiten kümmern können, und zum anderen die von Frau Borchert angegebenen Onlineartikel nutzen. Sprich Austausch und Arbeitsteilung statt Einbahnstraße mit zwei „Geisterfahrern“ pro Woche.

    Eine telefonische Abfrage was interessantes in der Ausgabe steht (ist übrigens ab ca. 12:00 Uhr möglich) führt vielleicht sogar dazu, dass die Anzeigenabteilung der onliner Zeit zum akquirieren hat.

    Lieber wicht, alles in allem wird hierdurch Kommunikation zwischen den Bereichen geschaffen, und das verbindet und bringt erfahrungsgemäß neue Ideen!

  14. wicht sagt:

    @Fotolieferant

    Nur der Print-Kollege weiß doch, wann er seinen Text fertig hat. Also kann er ihn dann auch zeitnah online stellen. Dass die momentane technische Lösung eigentlich gar keine ist, sondern ein Problem, lassen wir dabei mal außen vor und akzeptieren die Situation so, wie sie ist. Man kann sich aber auch Probleme machen, wenn man gerne welche hätte. Für mich ist ganz klar, dass in der Situation, wie sie jetzt ist, Print liefern muss, weil Print den Überblick über seine Texte hat.

    Aber das führt uns eh nicht weiter.

    Ich habe ja nie beahuptet, dass die Abläufe zwischen Print und Online optimal (oder auch nur befriedigend) sind. Aber dass sich der Spätdienst am DW-Newsdesk in Essen und an den DW-Regio-Desks nachmittags/abends hinsetzt und im Hugo nach Artikeln stöbert, sehe ich nicht. Eine intelligente automatisierte Lösung wäre okay. Haben wir aber nicht.

    Ich weiß nicht, ob das neue Redaktionssystem hier die Arbeit erleichtert. Ich hoffe es.

    Natürlich muss man auch mal die Sinnfrage stellen, ob es nötig ist, dass sich auf einer normalen Großstadt-Lokalseite auf DerWesten tagsüber wenig bis rein gar nichts tut, abends aber dann auf einen Schlag fünf, sechs, sieben, acht Texte online gehen. Das ist für den Nutzer auch nicht gerade sinnvoll. Das lässt sich nur über ein viel verzahnteres Arbeiten lösen. Das wiederum geht aber nur miteinander, nicht gegeneinander. Am einfachsten wäre das zu leisten, indem man Onliner und Printler an einen Schreibtsich setzt, gemeinsam sein „Blatt“ plant und auch mal Themen gemeinsam angeht. Denn was Online braucht, ist viel mehr Work in Progress. Ein Anfütterer um 14 Uhr, ein Update um 16 Uhr, die fertige Story um 18 Uhr. Geschichten in ihrer Entwicklung begleiten. Dafür braucht es viel mehr konstruktive Zusammenarbeit.

  15. Medienmoral sagt:

    Anmerkungen des „Medienmenschen“ Christian Jakubetz zur aktuellen Entwicklung bei derwesten.de mit Bezug auf die Diskussion hier im Blog sind hier zu finden
    http://www.blog-cj.de/blog/?p=2571
    mit freundlichen Grüßen, medienmoral-nrw.de

  16. Fotolieferant sagt:

    @wicht
    Schön das sich eine Diskussion über das Was, wie, wann und wer entwickelt. Genau diese bisher fehlende Kommunikation ist ursächlich für die momentane Situation.

  17. dieordnung sagt:

    Es ist an der Zeit, Ordnung in diese Debatte zu bringen.

    Kein einziger Print-Redakteur hat in irgendeiner Form die Arbeit für Online verweigert oder grundsätzlich in Frage gestellt. Das kann ich hier nirgendwo ersehen. Von daher entbehren Blogs – wie so oft – mit entsprechenden Beileidsbekundungen für Frau Borchert, Kopfschütteleien über realitätsverweigernde Redakteure etc. etc. jeder Grundlage.

    Also was ist hier los?
    Hier herrscht offensichtlich Frust. Und der hat drei Gründe:
    1. Das Gift, das Schickler gestreut hat, hat den Betrieb nachhaltig und schlimm geschädigt. Saubere Arbeit.
    2. Die Brutalität, mit der Herr R. und die GF vorgegangen sind, hat ebenfalls seinen beträchtigen Anteil daran. Mahlzeit.
    3. Frau Borchert hat das Projekt nett, aber eher unklug angepackt. Sie hat Fehler in der Kommunikation gemacht.
    .
    Das beginnt damit, dass die Belegschaft eher verunsichert war, als bekannt gegeben worden war, dass Frau Borchert den Internet-Auftritt umkrempeln soll. In so einer Situation ist es vielleicht besser in seinem Blog weiterhin über belanglose private Sachen zu schreiben. Es kommt nicht gut an, wenn die Belegschaft über so eine Quelle scheibchenweise Andeutungen serviert bekommt und gleichzeitig erfährt, dass die neue Chefin dabei Prosecco-trinkend die Beine in der Alster schwingt.
    .
    Der kapitale Fehler war es aber, das vorhandene Wissen nicht zu umarmen und eine gemeinsame tolle Sache zu machen. Zwei führende Online-Köpfe der WAZ wurden (von wem auch immer) abserviert und auch das gesamte bis dahin vorhandene Wissen von Cityweb wurde weggewischt. Neustart bei Null.
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    Oho, dachte die Belegschaft. Die wird ja wissen, was sie tut. Doch jeder Neustart ist schwierig und es ist nie gut, vorhandenes Wissen komplett über Bord zu werfen. Die Neue und die Alten, das hätte vielleicht sogar ein Dream-Team werden können.
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    So aber wurde programmiert und programmiert. Der Start verschob sich und verschob sich. Die obersten Herren wurden nervös. Und irgendwann musste gestartet werden. Ja und was war dann da? Ein unausgereiftes Portal mit vielen Kinderkrankheiten. Das also war dieses Meisterstück.
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    Jeder wird sich erinnern, dass der Seitenaufbau unzumutbar lange dauerte und die Bedienung an allen Ecken und Enden harkte. Bis in die heutige Zeit vergehen Wochen bis grundsätzliche Probleme gelöst werden.
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    Überspringen wir einige Possen (darunter auch das überselbstbewusste Auftreten einiger Jung-Onliner) und kommen wir in die Neuzeit. Irgendwann stand Schickler in der Tür und sagte: Ihr seid alle nicht mehr profitabel. Menschen wurden zu MAKs. Redaktionen wurden dicht gemacht, etliche mussten mehr oder weniger freiwillig gehen. Es herrscht Angst.
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    In so einer Situation keimen natürlich (berechtigte) Zweifel auf, wenn dann auch noch Abo für Abo flöten geht mit dem berechtigtem Hinweis: Steht doch alles online. Das können wir noch ein bisschen so weiter treiben, dann steht Schickler wieder in der Tür. „Hey“, könnten die Print-Redakteure dann sagen, „wir haben aber den Westen reich gemacht.“ Mensch, was würde Herr Lawrenz jetzt mit seinen weißen Zähnen lachen.
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    Der Fehler liegt also hier im WAZ-System: So lange Redakteure kostenfreie Lieferanten für den Westen sind und gleichzeitig dadurch ihr Print-Produkt Schaden nimmt, kann die Sache nicht vernünftig funktionieren.
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    Was wäre zu tun?
    Zunächst einmal steht fest, dass den Kollegen das Wasser bis über den Hals steht vor lauter Arbeit. Und dass sie trotzdem für den Westen arbeiten und natürlich die meisten auch Videos drehen würden. Aber wenn dieser Wechsel jetzt einen positiven Effekt für die gesamte WAZ haben soll, dann muss klar sein:
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    1. Wir sitzen alle in einem Boot. Wenn Print für Online arbeitet, muss das intern vergütet werden, genauso wie die gemeinsamen Einnahmen berechnet werden müssen. Das ist nur fair.
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    2. Wir benötigen intelligente Vermarktungssysteme. Es lässt mich besser schlafen, dass immer mehr Manager über Paid-Content nachdenken. Die kostenfreie Veröffentlichung und die Hoffnung auf das große Geld durch Werbung waren gestern. Das hat so lange gut funktioniert, wie die Menschen noch mehr an ihrem Abo klebten und Lesen im Web für die meisten Menschen exotisch war. Das ist heute nicht mehr so. Heute kostet das Abos und diese Entwicklung wird sich rasant beschleunigen. Ich frage mich auch, wer das ernsthaft bestreitet. Wer von den halbwegs Internet-affinen Menschen würden eine Zeitung halten, wenn alles online steht. Und wer von denen glaubt, dass sich kostenlose Portale auf regionaler Ebene auf Dauer finanzieren lassen?
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    3. Paid Content bedeutet weniger Reichweite und weniger Einnahmen durch Werbung, das wird sich dennoch mittelfristig rechnen. Bei einer sauberen Kosten-Nutzen-Analyse müssen schließlich auch die ansonsten hohen Verluste im Print-Bereich einberechnet werden. Die Menschen, die in Blogs schreien, dass sie nicht bezahlen werden, werden nicht bezahlen. Auf sie kann man dann aber verzichten. Es gibt nur sehr, sehr wenige Geschäftsmodelle, die auf Kunden bauen, die ausschließlich etwas umsonst haben wollen.
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    4. Die GF sollte dringend an einer neuen Unternehmenskultur arbeiten. Früher hieß es einmal, WAZ – wir arbeiten zusammen. Heute fühlen sich viele Mitarbeiter dank Schickler nur noch als MAKs und lästige Lohnempfänger.
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    Gemeinsam, so wie es @Christoph schrieb, ließe sich Unglaubliches stemmen. Frau Borchert habe ich nie kennengelernt, ich wünsche ihr aber alles Gute, ein besseres Händchen beim Neuanfang beim Spiegel und ich finde es gut, dass sie hier mitdiskutiert hat.

  18. Hans Lassmann sagt:

    @dieordnung
    Im Prinzip alles richtig. Doch wer sagt’s den GGF so, dass sie
    a) endlich im Sinne des Unternehmens handeln sollen und sie
    b) dabei nicht ihr Gesicht verlieren?

    Solange Hombach und Nienhaus nicht dialogfähig sind, die CR blanke Erfüllungsgehilfen auf Schleudersitzen sind und Schicklers weiter Abteilung für Abteilung ohne Gegenwehr platt machen dürfen, sehe ich für eine vertrauensvolle Aufbauarbeit kaum Chancen.
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    Oder weiß hier einer, wie es nach der Bestandsaufnahme weitergehen soll?
    .
    Die Lösung kann ja nicht sein, die kranke Frau Brost zum Tee einzuladen und ihr reinen Wein einzuschenken. Oder vielleicht ist es ja doch so einfach?!

  19. dieordnung sagt:

    Zum Beispiel dadurch, dass es kein Märchen wäre, dass die GGF sich Auszüge hiervon vorlegen lässt. Ich käme ins Grübeln.

  20. Alter Kollege sagt:

    @dieordnung: Eine gute Zusammenfassung und Analyse. Leider wird es aber in praxi wieder einmal nur darum gehen, Watschenmänner zu finden. Wo, das kann man sich jetzt schon denken: In den sperrigen, widerwilligen und fortschrittsfeindlichen Printredaktionen. Oben werden nämlich keine Fehler gemacht – basta.
    Um falscher Legendenbildung vorzubeugen, habe ich dennoch folgendes im JakBlog (http://www.blog-cj.de/blog/?p=2571) kommentiert:
    .
    Da ist sie wieder, die Mär vom tumben, realitätsfernen Online-Verweigerungs-Print-Journalisten. An dieser Legende stricken Leute wie die Blogger-Queen gern, wenn es gilt, die eigenen Kardinalfehler zu kaschieren. Der Kardinalfehler des Konzerns ist der: Die Print-Journalisten schreiben zwar auch für Online, bedienen mittels spezieller Software täglich das Portal mit hunderten Geschichten und Fotos. Und das, online first, bevor auch nur ein einziger Satz davon gedruckt wurde. Dabei gibt es aber einen großen Haken: Sie schreiben für eine fremde Firma. Sie schreiben für eine andere GmbH & Co.KG, ohne dort beschäftigt zu sein. Ein kostenloser Transfer von Arbeitsleistung.
    Gemessen werden sie aber – und zwar ausschließlich – am Erfolg ihrer jeweiligen Printausgaben. Die gehören aber selbstverständlich zu einer ganz anderen GmbH & Co. KG unter dem Konzerndach, mit eigener Betriebsabrechnung.
    Man könnte meinen, dies sei doch eine Kleinigkeit. Ist es aber nicht. Denn die Sicherheit der Print-Arbeitsplätze hängt ebenso ausschließlich von den Betriebsergebnissen der Print-Gmbh & Co. KGs ab.
    So, und nun zur Situation des Printredakteurs: Der arbeitete in den meisten Lokalredaktionen schon vorher mit dem Rücken zur Wand. Zehn Stunden am Tag waren nicht selten. Seit Realisierung der Sparkonzepte hat sich, einhergehend mit Schließungen ganzer Redaktionen, die Situation weiter verschärft. Der Druck ist enorm, die Angst um Arbeitsplatzverlust groß. Und nun kommt die Verlagsspitze und sagt: Du arbeitest zusätzlich noch (es geht eben bisher nicht einmal automatisiert) für die fremde Firma. Eine interne Verrechnung zwischen den Firmen gibt es aber nicht, und deshalb wirkt sich diese zusätzliche Arbeit auch nicht weiter auf die Sicherheit des Arbeitsplatzes aus. Mit welchem Gefühl wird der solcherart motivierte Print-Redakteur, der ja allein am Erfolg seiner Printausgabe gemessen wird, die “Flip” in die Hand nehmen? Eben.
    Es sind nicht nur “durchschnittliche” Journalisten. Und sie wollten durchaus mit der Online-Chefin an einem Strang ziehen. Aber mit einer solchen Konstruktion nimmt man sie nicht mit in die Online-Welt. Die bleibt schlicht eine fremde Firma.

  21. Print + Online sagt:

    Wird die Diskussion zum Thema „Kampf ums Lokale geht weiter“ an dieser Stelle auf Zetteln am schwarzen Brett geführt? Sitzen wir alle auf Stühlen in einer Diskussionsrunde? Geben wir eine Zeitschrift heraus? Nein. Alle Diskussionsteilnehmer kommentieren ein Blog. Nicht einmal einen redaktionellen Artikel, sondern ein BLOG. Sie produzieren mit ihren Kommentaren Content. Offensichtlich lesenswerten Content – sonst würde nicht so eifrig weiterkommentiert. Sie erreichen mit ihren Kommentaren eine Menge Menschen. In dem Fall sogar genau die gewünschte Zielgruppe – ihre Kollegen. Weil das Thema anscheinend unter den Nägeln brennt, weil viel Leidenschaft dabei ist und auch eine Menge Informationsbedürfnis. Und auch, weil das Medium Internet genau diese Diskussion in dieser Form möglich macht.

    Es ist schon merkwürdig, wenn die Vorzüge des Internets gerade von den Kommentatoren deutlich gemacht werden, die so scharf gegen das Medium schießen.

    Wenn die nächste Schnellstraße am Kinderspielplatz in ihrer Stadt vorbei gebaut werden soll, wollen wir die Diskussion dann auf einem Medium haben, das der WAZ Mediengruppe gehört, oder bei der Konkurrenz?

    Ein dynamisches Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen Ausgabekanälen bring uns sicherlich mehr, als ein völlig überflüssiger Grabenkampf.

    Und noch ein Wort zur Netiquette in den Kommentaren hier: Ich kann ja verstehen, dass sich aufgestauter Frust irgendwo entladen muss, aber die konstruktiven Kommentare an dieser Stelle bringen sicherlich weiter, als diese grüchtebasierten Gehässigkeiten, die unter die Gürtellinie gehen. Beim Westen gäbe es dafür übrigens das Communitymanagement, das Kommentare mit persönlichen Beleidigungen -unabhängig von der beleidigten Person- löschen würde.

  22. brueller sagt:

    @Print + Online
    Alles schön und gut. Aber hier dreht sich sehr viel um Finanzierung. Das darfst Du nicht ausblenden. Hier schreiben Leute in ihrer Freizeit auf einer von Gewerkschaften bezahlten Plattform. Mit festangestellten Redakteuren wäre das nicht zu machen, weil nie genug Geld eingespielt würde.
    .
    Also nicht nur von den Vorzügen träumen, auch die Machbarkeit beachten! Denn wenn Print baden geht, geht Online auch baden. Dann liefert keiner mehr Content.
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    Außerdem ist dieses Medium hier in diesem Fall besonders geeignet, weil nur noch eine anonyme Diskussion weiterhilft. Das ist ein Sonderfall. Ob es wirklich weiterführt, wenn im Fall der Schnellstraße die Leute anonym argumentieren, lasse ich mal dahin gestellt sein. Sie werden sicherlich nicht von den Behörden mit Rauswurf aus der Stadt bedroht.
    .
    Und da auch da ist sie wieder, die Mär, dieser Onliner: Dumpe Print-Redakteure, die gegen das Internet schießen. Sag mal, könnt ihr alle keine längeren, zusammenhängenden Texte mehr lesen und begreifen?

  23. falsch! sagt:

    Hier schießt niemand gegen das Internet!
    Hier werden angeprangert:
    – ein inzwischen unkluges Geschäftsmodell (free content – dadurch vermehrt rückläufige Abos – weniger Werbung als erhofft im Internet)
    – eine unfaire Bilanzierung (kostenlos arbeiten/Minus haben – kostenlose arbeiten lassen/Plus haben)
    Das alles kostet Abos, Geld, Jobs.
    Erst bei Print, dann bei Online.
    .
    Gerade den Leute vom Westen sollte an einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell gelegen sein. Bleibt es bei free content, dann werdet ihr alsbald auch auf die entsprechende Wirtschaftlichkeit gestutzt. Ihr solltet mal ausrechnen, was das für die Anzahl der Köpfe bedeutet.

  24. Klaus Müller sagt:

    @Katharina Borchert: Ist ja schön, dass Sie immer noch mitdiskutieren. Aber ich warte immer noch auf eine Antwort meiner Fragen.

    Wie kommen Sie zu der Aussage, dass die Onliner werden nicht unter Tarif bezahlt werden? Fakt ist, dass die vertraglich verabredete Arbeitszeit ca. 10 Prozent höher ist, die Zahl der Urlaubstage geringer, Sozialleistungen wie Presseversorgung fehlen und eine Dynamisierung der Gehälter nach Berufsjahren bei WAZ New Media nicht stattfindet. Liegt das nicht unterhalb des Niveaus, das im Gehaltstarifvertrag für Redakteure an Tageszeitungen vorgesehen ist.

    Wie kommen Sie zu der Aussage, dass Sie mit DerWesten.de die Pi’s bzw. Visits der Einzeltitel innerhalb von zwei Jahren um 300 bzw. 490 Prozent gesteigert haben? Im August 2009 hatte DerWesten 78 Mio Seitenabrufe (Spiele eingerechnet) bei 6,8 Mio Besuchen. Die Zeitungstitel zusammen hatten im August 2007 zusammen 36 Mio Seitenabrufe bei 2,8 Mio Besuchen. Wie kommen da bitte die 300 bzw. 490 % zustande?

    Noch zwei unangenehme Fragen: Warum funktioniert das breit angekündigte Geo-Tagging immer nicht und wieso bleiben die Zahlen in der sogenannte „Säule 3“, der Community, weit hinter den Erwartungen zurück?

  25. Ex-WR-Redakteur sagt:

    Print und Online

    „Beim Westen gäbe es dafür übrigens das Communitymanagement, das Kommentare mit persönlichen Beleidigungen -unabhängig von der beleidigten Person- löschen würde.“

    Sie sind aber ein lustiger Diskussionsteilnehmer. Ausgerechnet auf den Kommentarseiten „Der Westen“ feiern verbalinjurien, Beleidigungen und persönliche Diffamierungen fröhlich Urständ. Beschhwerden der Betroffenen prallen oft genug ab.

    Besonders findige User lassen Ihre Beleidigungen des nachts ab, wenn die Seiten ohne Kontrolle sind.

    Was muß eigentlich erst passieren, bis sich das ändert ?

    Und wenn Geschichten aus dem Lokalen online kostenlos zur Verfügung gestellt werden, damit Leser sich verbal die Köpfe wegen einer Schnellstraße, einer politischen Partei etc einschlagen sollen und dürfen, dann stimmt das Konzept nicht. So einfach ist das.

    Warum erwartet man von den Usern nicht, dass diese auch zu ihrer Meinung mit ihrem Realnamen stehen ?

    Und warum läßt die Verlagsleitung zu, dass ein Oniline-Auftritt in direkter Konkurrenz zum Printprodukt steht ? Warum kann der Online-Auftritt das Print-Erzeugnis nicht ergänzen ? Die „Tagesschau“ macht es beispielsweise mit zusätzlichen Inforrmationen vor.

    So wäre es vorstellbar, dass Print den Artikel bringt; Online den Service liefert.So könnte Abonnenten diesen Service gegen einen kleinen Aufschlag abrufen; andere User müssen dafür den vollen Betrag bezahlen.

    Warum kriegt das dieses Unternehmen nicht hin ? Übrigens: Selbst die Kommentarseiten einiger Mitbewerber sind intelligenter gemacht, als die prolligen pseudo-Kommentarseiten des ebenso unsäglichen Online-Portals „Der Westen“.

  26. Unbeteiligter Online-Medienheini sagt:

    Das Missverständnis beginnt doch schon, dass sich alle entweder als Print- ODER Online-Redakteure begreifen. Im Endeffekt sollte es nur Redakteure geben, die für alle Endgeräte und Übertragungswege schreiben (filmen und sprechen lassen wir mal außen vor) können und müssen. Das ist ja nun auch wirklich nicht schwer. Wer da nicht flexibel und schnell switchen kann, hat wohl den Beruf verfehlt.

    Eine kleine Frage zum Verständnis: Sollen die festangestellten Printredakteure extra für Online-Artikel bezahlt werden (sic!) oder redet ihr bei einer onlin’schen Extraentlohnung von den Freien (hoffentlich)?

    Btw: Würde nicht ungerne Fr. Borcherts Stelle haben, ich sehe hier ja sehr viel Potential und Engagement für fruchtbare Diskussion. Sollte dies bei Ihnen zu kurz gekommen sein, ist das natürlich schade. Denn in einem stimmen ja alle überein, nur gemeinsam geht’s.

  27. Alter Kollege sagt:

    @Unbeteiligter Online-Medienheini „Wer da nicht flexibel und schnell switchen kann, hat wohl den Beruf verfehlt.“
    .
    Noch einmal zum Mitdenken: Online und Print sind bei der WAZ verschiedene Firmen. Völlig getrennt, völlig unterschiedlich abgerechnet. Das ist das Hindernis. Die Angestellten der einen Firma sollen völlig kostenlos für die andere Firma arbeiten. Ich weiß nicht, wie das bei Dir ist. Würdest Du ohne jede Gegenleistung für die GmbH von „DerWesten“ arbeiten und so deinen Arbeitsplatz in deiner eigenen Firma gefährden?

  28. Karl sagt:

    @ Unbeteiligter Online-Medienheini

    Die Redaktionen werden „bezahlt“. Das wird im Allgemeinen gemacht in dem man dem was da hergestellt wird einen (fiktiven) Wert gibt. Wären etwa all Artikel für eine Tageszeitung gleich lang, wäre der Wert eines Artikels „Einnahmen aus der heutigen Zeitung“/“Anzahl Artikel“ = Artikelwert. Wenn die Zeitung sich aus verschiedenen Redaktionen speist, kann man diesen Wert den einzelnen Redaktionen als „Einnahme“ zurechnen. Diesen (fiktiven) Einnahmen stehen Aufwendungen gegenüber — etwa für Personal. So weit so allgemein. Es scheint jetzt aber so zu sein, dass bei der WAZ eine Lokal-Redaktion geschlossen wird, wenn die Einnahmen kleiner als die Aufwendungen sind. Und wenn die Lokal-Redaktionen dann Online-Artikel schreiben, denen aber kein Wert zugerechnet wird, dann leistet die Redaktion etwas, das aber in ihrem Jahreserfolg nicht berücksichtigt wird, sondern die müssen sich allein über gedruckte Zeitungen tragen. Deren Auflage sinkt aber bekanntlich. Es mag da Unterschiede bei einzelnen Blättern geben, aber der Trend scheint nach unten zu zeigen.

    Das ist zwar letztlich ein reines Buchhalterproblem, allerdings muß es ja mit dieser Abrechnung zu einer Spaltung zwischen Online und Print kommen. Denn wenn der Job an dem Erfolg von Print hängt, dann macht man halt Print und findet Online doof.

    Nebenbei: Ich dachte immer Bezahl-Content im Internet funktioniert nicht. Wie soll das denn genau gehen, das Leute für den Online-Content bezahlen?

  29. Unbeteiligter Online-Medienheini sagt:

    Eijeijei, das wusste ich nicht. Vielen Dank für die Aufklärung. Beim ersten Drüberlesen und Nachdenken halte ich das für Wahnsinn und extrem schädlich für das gesamte Medienprodukt (online, print – all inclusive) Das öffnet ja Missgunst und Missverständnissen Tür und Tor und Motivation ist auch was anderes… Dann nehme ich das zurück „mit Stelle haben wollen“. Bevor es da nicht zu einer kompletten neuen Struktur kommt, die einzig und allein die Verbesserung und den Erfolg des Produktes (wiederum all inclusive) zum Ziel hat, sehe ich eigentlich keine nachhaltige Lösung.

    Und das Thema Paid Content ist wahnsinnig komplex und schwierig zu beurteilen. Aber wenn dann solche sturkturellen Schwierigkeiten auch noch dazu kommen, kann es gar keine optimale Lösung und damit auch erfolgreich-zufriedenes Arbeiten geben.

  30. wicht sagt:

    @Unbeteiligter Heini
    Klar, dass Redakteure medienunabhängig Inhalte erstellen, wäre wünschenswert. Dazu müssten aber manche (manche, nicht alle!!!) eingefleischten Print-Redakteure aus dem Trott raus, nicht vor 16 Uhr schreiben zu können. Es ist doch einer der größten Schwachpunkte von DerWesten, dass bis ca. 17 Uhr überhaupt keine Verwertung von Print-Inhalten stattfinden kann, sondern mit Agentur gearbeitet werden muss. Das ließe sich kurzfristig zum Beispiel dadurch ändern, dass man Printler und Online an einen Tisch setzt und der Onliner die Arbeit des Printler begleitet und Häppchen ins Netz stellt. Eine gute Online-Berichterstattung kann nicht am späten Nachmittag beginnen, sondern muss gleich am frühen Morgen starten. Daher kann es nur der enizge Weg sein, Content-Ersteller und Content-Manager zu haben. Die Ersteller produzieren den ganzen Tag lang Inhalte (Fotos, Texte, Audios, Videos), die Manager schieben diese Inhalte in die verschiedenen Medien. Das muss an einem Tisch in einer Redaktion geschehen.

    @ Alter Kollege
    Ja, es stimmt, dass es zwei Firmen sind und dass es buchalterisch und wie auch sonst immer dumm ist, wenn ein Angestellter von Firma A kostenlos für Firma B arbeitet. Aber das ist eine Situation, mit der wir offenbar leben müssen, so lange es keine Lösung gibt. Und glaube mir: Sollte eine Lösung gefunden werden, wäre die sicherlich nicht mit einer Personalaufstockung verbunden – im Gegenteil. Dann heißt es wieder, dass Synergien entstehen. Letztlich heißt das immer, dass man Mitarbeiter einsparen kann. Als genau so selbstverständlich sehe ich es an, dass Transfers von einer Firma zur anderen auch vergütet werden müssen. Ich glaube, intern gibt es da auch Schlüssel, nach denen im Konzern umverteilt wird. Aber da will ich mich nicht festlegen. Und seien wir mal ehrlich: Wenn die Arbeitsabläufe anders geregelt wären, und das Klima ein anderes, dann wäre es allen völlig egal, ob sie gerade einen Text für Firma A oder B online stellen.

  31. Unbeteiligter Online-Medienheini sagt:

    Stimme dem Wicht zu, wundert mich, dass dies nicht so oder ähnlich läuft. Aber eins sollte jedem Redakteur klar sein: Um seinen Job zu behalten, muss er sich umstellen (auch als Content Manager braucht unbedingt redaktionelle Fähigkeiten), spezialisieren und/oder weiterentwickeln. Denn auch hier stimme ich dem Wicht zu. Ohne personelle Anpassungen und Synergien wird es so oder so nicht gehen. Und gehaltstechnisch wird es ebenfalls enger/weniger, obwohl ich jedem nur das Beste gönne. Aber diese heilige Kuh wurde und wird geschlachtet, da Online einfach nicht die Umsätze (und vor allem die Marge) erzielt werden wie in den goldenen (Print-)zeiten. Dafür haben alle zu lange geschlafen und den Zug verpasst.

  32. Manueller Trackback: http://identi.ca/notice/12111153

    #Medien Der praktizierte Online-Offlinekrieg tobt in den Kommentaren. Länglich, lesenswert, entsetzlich http://bit.ly/31Gtk2 #WAZ #DerWesten

    Puh, meine Damen und Herren, dieser Kommentarstrang hier ist ja an Entsetzlichkeiten & Selbstzerfleischung kaum noch zu überbieten.

  33. Ex-WR-Redakteur sagt:

    Hallo Unbeteiligter,

    dass sich Journalisten umstellen können, haben sie bewiesen. Sie wurden vom reien Schreiber zum Setzer und Meteur. Aufgrund der neuen Technik. Nun werden sie mittelfristig sicherlich von der monmedialen Tätigkeit zum trimedialen Journalisten zwangsläufig mutieren.

    Das aber setzt mehrere Dinge voraus: Erstens muß das Gehalt dem Mehr an Aufgaben angepaßt werden, zweitens die entsprechende Ausbildung dafür erfiolgen und drittens von der Verlagsleitung ein entsprechendes Gesamtkonzept erarbeitet werden.

    Es kann nicht sein, dass Print seine Artikel online stellen muß (wie derzeit im Lokalen regelmäßig geschehen) und sich dadurch kannibalisiert. Am Ende, weil die Auflage gesunken ist, wird als Dank für den Einsatz die ein oder andere Lokalredaktion geschlossen und der fleißige Print-Redakteur verliert für sein nicht zuisätzlich entlohntes tapferes Online-Engagement obendrein noch seinen Job. Diese Praxis ist nun wirkllich kontraproduktiv.

    Auch kann es nicht sein, dass Mehrarbeit nicht vergütet wird. Hier wäre sogar der Manteltarifvertrag entsprechend zu ergänzen.

    Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sich die Print-Kollegen grundsätzlich gegen Online wenden. Wohl aber gegen ein Konzept, dass den Absatz der Druckerzeugnisse durch das kostenlose Netz-Angebot gefährdet und damit eben auch die Arbeitsplätze.

    Verschlafen wurde im Verlag wohl vielmehr eine vernünftige Verzahnung der Geschäftsfelder Print und Online. Das eine sollte den Nutzer so neugierig auch auf das andere machen, dass er für beides bereit ist gern dafür auch Geld auszugeben. Das setzt aber voraus, dass das anfallende Arbeitspensum auf ausreichend viele Schultern verteilt wird und nicht immer weniger Redakteure immer mehr mehr Arbeit aufgebrummt bekommen, für die sie dann noch nicht einmal ordentlich entlohnt werden.

    Zum Thema „Schreibrhythmus“: Viele Geschichten können im Lokalen erst am späten Nachmittag geschrieben werden, da oftmals vorher Termine anstehen wie PK`s, Reportagen oder auch nur umfangreiche Telefonrecherchen. Wenn nun der lokale Kollege auch noch mi t der Videokamera unterwegs sein soll, kostet das abermals Zeit, die ihm dann zur Erstellung seines Artikels fehlen wird.

    Für eine gut geschriebene Reportage braucht es aber Zeit. Schon jetzt merkt der Leser, dass viele Artikel unter Zeit- und hohem Arbeitsdruck gefertigt wurden. Mögen sich die Autoren auch so um die vielzitierte „Qualität“ bemüht haben: Der Leser merkt, dass es nicht mehr die „Qualität“ ist und bestellt in der Konsequenz seine Zeitung ab. Denn warum für ein schlechter gewordenes Produkt einen höheren Preis zahlen, wenn man im Internet mit ein paar Abstrichen „seine“ Lokalreport zum Nulltarif geliefert bekommt. Und das meist noch am frühen Abend des gleichen Tages. Da braucht man sich auch nicht mehr darüber aufzuregen, dass wieder einmal die zeitung nicht gekommen ist und man bei WAZ-Dialog 20 Minuten länger ergebnislos in der Warteschleife hängen geblieben ist. Denn die nahe Geschäfttstelle, die prompt reagierte, gibt es ja auch nicht mehr.

    Mit Verlaub: Schon jetzt leidet vielfach die Qualität der Artikel unter dem Arbeitspensum der Kollegen. Gerade eine gut geschriebene Reportage braucht ihre Zeit. Nur allzu oft merkt man es ihr an, dass sie unter Zeitdruck erstellt wurde. Das aber hat mit der vielbeschworenen „Qualität“ eines unbedarften Medienmanagers nicht mehr viel gemein. Wer Stellen streicht, dem verbliebenen Redaktionspersonal noch mehr Arbeit aufbürdet kann im Ernstfall nicht auch noch von „Qualitätsjournalismus“ sprechen. Auch wenn sich viele Kollegen darum ernsthaft bemühen. Aber ihnen fehlt oft einfach die Zeit für die gründliche (investigative ?) Recherche; oftmals auch zuim Schönschreiben…Und das wiederummerkt der Leser. Der bestellt dann seine „Qualitätszeitung“ dann ab….

  34. fiftyruhr sagt:

    @Print + Online. Markus Merz u.a….
    Entsetzlich, Zerfleischung … Bitte nicht so dramatisch. Es gibt keinen „Krieg zwischen Print und Online“, wie er von den Onliner immer wieder behauptet wird. Es gibt nur berechtigte Kritik an dem, was Hombach, Reitz & Borchert so eingeführt haben.
    Warum fühlen sich Onliner nur ständig auf den Schlips getreten? Und warum missverstehen sie jegliche Kritik an den Vorgängen in der WAZ Mediengruppe stets als Generalkritik der Printler-Deppen am Internet? Das Netz kann nix dafür, ist nicht nur als Medium ’ne tolle Sache und schafft unglaubliche Möglichkeiten.
    Warum negieren die Onliner so konsequent die Sorgen und Probleme der Printkollegen, deren Tätigkeit abwechselnd gern leicht abfällig mit „analog“ oder „holzmedial“ beschrieben wird? Und warum beten sie immer nur die Überlegenheit des Silikons.. pardon: Siliziums herunter? Statt auch mal zu sagen: Stimmt, ohne diese analogen Kolleg(inn)en vor Ort und seine holzmediale Basis könnte DerWesten überhaupt nicht halbwegs anständig existieren.
    Das wäre mal ein Anfang.
    Danach könnten die Kolleg(inn)en von „Print + Online“ tatsächlich versuchen, gemeinsame Lösungen zu finden, ohne Frust hier oder Überheblichkeit da, mit Vorteilen ausnahmsweise mal für beide Seiten. Auch den Onlinern muss sehr daran gelegen sein, diese komischen rückständigen analogen Abonnenten zu behalten.
    Der Streit darüber, ob Zeitungsleser und In-den-Computer-Gucker womöglich unterschiedliche Zielgruppen sind, ist müßig. Sicher ist: Was ich heute (kostenlos) im Netz lese, muss ich morgen nicht nochmal identisch in der (bezahlten) Zeitung lesen. Logisch, dass Abonnenten in einer nicht auf Rosen gebetteten Region allein deswegen schon mal abspringen. Hier muss dringend ein abgestimmtes Konzept für beide Vertriebswege her.
    Dem allem steht eigentlich nur der gemeinsame Besitzer der Zeitungsgesellschaften und der Internetgesellschaft entgegen, der „Print + Online“ eben nicht zusammenbringt, sondern in unterschiedliche Gesellschaften zwingt und den einen unsäglich ausnimmt (inhaltlich und personell) und dem anderen gibt. Diese unternehmerische Einbahnstraße ist der Knack- und Streitpunkt, nicht das Medium Internet.

  35. Fotolieferant sagt:

    @wicht
    Das mit den Vorabmeldungen per Online hat aber einen Nachteil: Die anderen Zeitungen lesen bekanntlich mit, und wären sofort informiert…
    Portale wie rp-online schalten Hauptartikel erst gegen Mitternacht frei, denn dann können sie sicher sein das:
    1. Die anderen nicht mehr auf eine Exklusive Geschichte reagieren können.
    2. Der Leser schon am vorabend die Zeitung von morgen liest.

    Auch wenn ich der bisherigen Diskussion mit dem Konsens der Zulieferung von Artikeln durch die Print-Redakteure verstehe, fehlt mir seitens Online eine Resonanz, die dem Print-Redakteur etwas zurückgibt.
    So wie ich Frau Borchert verstanden habe ist noch nicht einmal geplant im nächsten Jahr schwarze Zahlen zu schreiben. Somit ist mit einer realen Entlohnung nicht zu rechnen, und vor fiktiven Zahlungen wird man sich bei derwesten.de so lange drücken wie es geht.

    Einnahmen mit einer Onlinezeitung zu generieren scheint mir nicht unmöglich, aber nur indirekt.
    Der, nicht nur von derwesten.de angedachte Weg paid per story mag im Sexbusiness funktionieren – aber wieviel ist ein Mensch bereit für einen Bericht von der Rathaussitzung zu zahlen? Und mit welchem System soll er zahlen – ich schicke 2 KByte und kriege 1,8 KByte zurück?
    Wie würde es eigentlich aussehen wenn der Onlinebereich alles bezahlen müsste und die Printausgabe kostenlos verteilt wird?

  36. falsch! sagt:

    Fiftyruhr hat es so wunderbar auf den Punkt gebracht.
    Und ich ergänze: Mich kotzt dieses dümmliche Blog-Gelalle über Holzschnitt-Redakteure so dermaßen an. Wie schrieb schon einer oben: Manche Blogger scheinen gar nicht in der Lage, lange Texte zu lesen und zu verstehen. Das ist definitiv so. Aber Hauptsache ich trage eine schicke, möglichst rechteckige Brille, habe optimalerweise eine polierte Glatze, gebe mich intellektuell und setzte mit einer vor mir selbst fast nicht zu ertragenden Überheblichkeit ein paar Zeilen über Redakteure als Bergarbeiter ab. Als Lohn gibt es ja immerhin Applaus vom kleinen Kreis der ewig Gleichen. Ist doch toll, wenn man sich wie im Zirkus immer im Kreis dreht und sich alle auf leeren Rängen an albernen, schlechten Nummern erfreuen.
    .
    Die Printler wollen für Online arbeiten. Sie wollen aber, dass es gerecht zugeht. Und sie wollen verhindern, dass der gesamte Konzern durch ein falsches Geschäftsmodell baden geht. Dann mit den Onlinern baden geht!

  37. Anzeigenkunde0815 sagt:

    Am Rande bemerkt:
    Nachdem die Auflage um 4,5 % (09/2008 -> 09/2009) gesunken ist, werden die Preise ab 01.01.2010 um 2,6 % angehoben. Das ist eine reale Preiserhöhung von 7,1 %. Über die gesunkene Auflage in unserer Zielgruppe will ich erst dabei gar nicht erst klagen. Mitunter habe ich das Gefühl, dass die Sterbequote dem Schwund entspricht. Auf welchem Berg leben eigentlich die Damen und Herren des Konzerns, die eine solche Preispolitik zu verantworten haben?

  38. falsch! sagt:

    Nein, es stimmt nicht mit der Sterbequote überein. Nach unseren Erfahrungen, wie hier zu lesen, bestellen viele Leute jeden Alters ab, weil sie alles online kostenfrei lesen können.

  39. Unbeteiligter Online-Medienheini sagt:

    Ihr werdet auch weiterhin am Printreichweite verlieren, ob der derwesten.de nun eine ausführliche, eine Paid Content oder eine kleine Seite ohne Artikel ist. Entscheidend ist doch nur, die Leute die Infos dann bei derwesten.de oder einer anderen Seite bekommen. UND genau da muss angesetzt werden. Klingt jetzt etwas doof, das predige ich aber schon seit mehreren Jahren und bis jetzt geht nun mal die Entwicklung in diese Richtung.

    @falsch: Ich stimme ja damit überein, dass das so nicht weitergehen kann und die da oben auch einen schlechten Job machen. Deine persönlichwerdene Polemik ist aber armselig und wirft die Diskussion wieder um Scrollnbalken zurück.

  40. falsch! sagt:

    @Unbeteiligter Online-Medienheini
    Es bringt aber nichts, wenn ich mir die Reichweite gratis erkaufe bzw. dadurch die bezahlte Reichweite verliere. Niemand hätte ein Problem damit, wenn Print an Reichweite verliert und Online an tragfähiges Geschäftsmodell hätte, das Reichweite gewinnt. Im Moment beschleunigen wir aber den Reichweite-Verlust bei Print und erzielen auch online keine Einnahmen – das geht schief, nicht wahr?
    .
    Ich fand meine Polemik überaus witzig und klopfe mir immer noch auf die Schenkel. Es ist doch so: Sobald ein Printler die Wörter „Online“ und „aber“ in einem Satz verwendet, nässt sich die so genannte Blogosphäre ein. Ich habe abgesehen von immer wieder kehrenden dumpfen politischen Parolen noch nie so oft stereotype Reflexe wahrgenommen wie bei denen in diesem Zusammenhang. Dass es sich oftmals um vereinsamte Menschen handelt, die sich vom ewig gleichen Kreis ihrer 100 Freunde beklatschen lassen, ist aber nur meine ganz persönliche Meinung… Aber ich nehme auch Wetten entgegen, dass es zur nächsten WM keine Coca-Cola-WG mit Bloggern geben wird. Das Thema ist eh out. Allenfalls würde dieses (eine) Mal aus der Coca-Cola-WG getwittert. Und in vier Jahren…

  41. falsch! sagt:

    Ach so, mein Kritik bezieht sich nicht auf den normalen (nicht relevanten) Blogger ansich, sondern auf einen Großteil der besserwissenden selbst ernannten Medienblogexperten.

  42. Anzeigenkunde0815 sagt:

    @ falsch!

    Richtig! 😉
    Auch diese Resonanz erhielten wir bereits auf Kundenbefragungen. Eine Dame sagte, sie lese alles online, habe aber auch eine Zeitung. Wir fragten, welche? Sie wusste den Namen nicht mehr, diese erhalte sie zweimal wöchentlich und kostenlos. Auch ein Phänomen.

    Vielleicht sollte man sich überlegen, die Printartikel mit zeitlicher Verspätung einiger Stunden, z.B. ab 11 Uhr des Folgetags, oder nur als Teaser einzustellen, nach dem Motto „den Rest lesen Sie in Ihrer Zeitung“? Wenn kein Verlag damit beginnt, wird die Zeitungslandschaft bald sehr übersichtlich werden.

    Und wer bei der WAZ-Gruppe auf die Idee gekommen ist, dass die zahlende Kundschaft für die Schulen Zeitungspatenschaften übernehmen sollen, sitzt in einem Elfenbeinturm. Ich finde Zeitungen für Schulklassen einen wichtigen Weg, aber warum sollen wir Leser bzw. Kunden das bezahlen? Es ist doch Werbung in eigener Sache oder wurde der Etat schon zusammengestrichen?

    Nachdem die Preiserhöhungen im letzten Jahr noch „moderat“ waren, hat sich unser Anzeigenberater in diesem Jahr übrigens entschuldigt. Kein Wort der Preisverteidigung mehr. Wenn es nicht so traurig wäre..

  43. falsch! sagt:

    @Anzeigenkunden0815
    Ob ich es jetzt um 18 Uhr am Vortrag oder um 13 Uhr mittags kostenfrei lese – wäre mir egal. Teaser oder zahlen für Volltext. Interessant, was Sie da berichten.

  44. Fotolieferant sagt:

    Das man bei derwesten.de nicht anfängt konsequent an einem wirtschaftlichen Erfolg zu arbeiten hängt m.E. mit dem einzig vorzeigbaren Ergebnis der PIs zusammen. Jegliche Einschränkung des Content würde PIs kosten…

    Andererseits würde es reales Geld kosten die Seiten so umzubauen das sie Geld einspielen. Bei den Kurzfrist-Denkenden-Managern bedeutet das sie müssen ein Excel-Diagramm mit nach unten gerichteter Kurve präsentieren, und das ist schlimmer als eine nichtssagende stetig steigende Linie!

    Wie wäre es mit einem täglich welchselnden Code, der in der gedruckten Ausgabe steht, nach dessen Eingabe der Leser den Artikel mit z.B. zusätzlichen Fotos lesen kann?

  45. Christoph sagt:

    @fiftyruhr (und falsch!) – Kennen Sie „die Onliner“ wirklich alle so gut, dass Sie sich eine solche allgemeine gültige Bewertung erlauben dürfen? Sagen Sie doch mal konkret, wer Ihre Arbeit als „holzmedial“ bezeichnet hat (hier können Sie das ganz anonym tun). Die mir bekannten Profile einiger „Westen-Mitarbeiter“ offenbare zumindest eine „Printvergangenheit“. Insofern kann ich mir die von Ihnen unterstellte (und u.a. von dieordnung angedeutete) Überheblichkeit und Arroganz aller „Onliner“ nur schwer vorstellen. Aber dazu bin ich (zum Glück?) zu weit außen vor. Vielleicht ist es ja auch nur die Unsicherheit jener Kollegen. Denn jeder Online-Redakteur kann die Zugriffzahlen auf seine Werke unmittelbar abrufen – und das kann – so meine Erfahrung – ganz schnell zu erheblichem Frust führen.
    Ihr „Über-einen-Kamm-Scheren“ hat jedoch aus meiner Sicht durchaus etwas „kriegsartiges“, nämlich Verurteilung nach Zugehörigkeit. Aus meiner Sicht ist es für „beide Lager“ – so es sie denn wirklich gibt – mal an der Zeit, über den eigenen Schatten zu springen, die „weiße Fahne“ in die Hand zu nehmen und in den „Westen“ zu fahren. Vielleicht gibt’s dann ja mal was Neues…

  46. Unbeteiligter Online-Medienheini sagt:

    Meldungen immer sofort online und zwar so viele wie möglich. Klassischer Hintergrund dann als Teaser für die Zeitung oder als Paid Content. Gefahr: Andere, schlanker aufgestellte Seiten decken 50 – 70% des Leserbedarfes ab – sofort und unentgeltlich. Das wird sowieso die Frage für 2010/2011 sein. Wie viel ist der Content den Lesern wird. Vor sechs Jahren wurde ja sogar agiert, aber dann müssen die Tageszeitungsartikel auch wirklich gut sein. Ich kann nur aus meinen Erfahrungen sprechen, dass sie dies bei Regionalzeitungen zumeist nicht sind. Ergo, Seitenumfang verkleinern und Hintergrundartikel verbessern und den nationalen/internationalen Mantelteil komplett streichen.

    Meine Idee: Online muss die Marke aufgefüllt werden und zwar ohne Schranken aber eben passend, denn Online konvergiert alles. Das heißt:

    Wenn ich mich über lokale und regionale Veranstaltungen informieren will: derwesten.de
    Wenn ich mich über die Bundesländer, Städte etc. informieren will (Sehenswürdigkeiten etc.): derwesten.de
    Wenn ich ein Kompetenzthema einer lokalen Zeitung oder eines Lokalteils wie Lokalsport besetzen will, kann ich mit Start-Ups wie spielerkabine.net kooperieren, die Spielberichte aus Kreisklassen attraktiv darstellen.
    Die bekannten Gesichter der Zeitung müssen bloggen und zwar stetig und vielleicht auch mal über Dinge, die im Alltag eines Journalisten so passieren und dann verbunden mit aktuellen Aufhängern. Oder in Blogs mal etwas zynischer oder lustiger werden. Das würde die Kommentare und Glossen einer Zeitung nicht kannibalisieren, da es andere Themen sind und die Redakteure stärker personalisieren.

    Generell gibt es so viele Möglichkeiten, die Online-Ausgabe einer Zeitung auszubauen, ohne die Printvariante komplett abzuwerten, es muss nur kreative Ideen und auch Investitionen geben.

  47. Alter Kollege sagt:

    @Unbeteiligter Online-Medienheini
    ACK. Dabei ist jedem (jawohl, auch Print)-Redakteur längst klar, dass es eigentlich nur um ein neues Medium geht, mit dem seine journalistische leistung unter das Volk gebracht werden kann.
    .
    Nur müsste die beiden Kapitäne auf dem Tanker WAZ-Gruppe eben endlich abrücken von ihrer frühkapitalistischen Maxime „divide et impera“. Solange aber diese Herrschaften die beiden Vertriebswege (online und print) wie konkurrierende Segmente behandeln, kann das alle nicht funktionieren. So kann man zwar wunderliche Tarifstrukturen bei Online einführen und dort bisher recht erfolgreich den Einfluss eines Betriebsrates verhindern, aber keinen Teamgeist erzeugen.
    .
    Solange den Print-Firmen die sinkenden Auflagenzahlen an die Beine geheftet und in der Folge Redaktionen geschlossen werden, andererseits aber die Online-Firma als erfolgreiches Zukunftsmodell gepriesen wird, obwohl deren angeblicher Erfolg (der sowieso noch nicht erwiesen ist) ganz offensichtlich mit Hilfe der Transfers journalistischer Arbeit aus den Redaktionen zusammengeschummelt wird, kann es nicht funktionieren.
    .
    Mit diesem Geschäftsmodell unterschiedlicher Firmen, bei dem die Online-Chefin, wie sie hier selbst zugeben musste, nicht einmal in grundlegenden Online-Fragen genügend Einfluss auf ihre Print-Chefredakteurskollegen hat, ziehen zwar alle an einem Strang. Leider aber an entgegengesetzten Enden.

  48. waz-leser sagt:

    Die FAZ macht m.E. geradezu vorbildlich vor, wie man es machen sollte: Die wesentlichen Artikel der Print-Ausgabe online, aber nur für kurze Zeit, die gesamte Print-Ausgabe ab 18 Uhr des Vortages online einsehbar – aber kostenlos NUR für Abonnenten (!) bis zum Erscheinen der nächsten Ausgabe. Danach kostet jeder (!) Artikel für jeden, der ihn lesen will, bares Geld – gestaffelt nach der Länge. Ein funktionierendes Geschäftsmodell, das für alle Beteiligten fair ist und insgesamt für Print, online und Leser eine Win-Win-Situation darstellt. Gleiches Spiel übrigens auch für die FAS, die selbst für FAZ-Abonnenten nicht kostenlos online verfügbar ist. Warum sich die WAZ-Mediengruppe mit solch einem Modell so schwer tut, ist und bleibt ein Rätsel.

  49. Ex-WR-Redakteur sagt:

    Alter Kollege,

    Ihre Analyse der Sachlage ist zutreffend. Es fehlt an einem ordentlichen Gesamtkonzept und damit einer neu zu schaffenden Unternehmensstruktur. Bislang wird nur rumgewurschtelt mit verheerenden Folgen für Mitarbeiter und Kunden, die dem Konzern immer öfter die rolte Karte zeigen.