Überwiegend Enttäuschung: Kündigungen nicht vom Tisch

Mehr als 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gingen nach etwa vier Stunden überwiegend enttäuscht aus dem Kinosaal der „Lichtburg“ in Essen in die Redaktionen oder nach Hause: Es war wenig Konkretes zu hören, vor allem aber ist nach wie vor offen, ob es betriebsbedingte Kündigungen geben wird oder nicht. Gruppengeschäftsführer Bodo Hombach versicherte zwar wiederholt, dass „ein Maximum an Sozialverträglichkeit“ angestrebt werde, der erlösende Satz aber kam nicht.

Offen blieb auch, welche Standorte von Redaktionsschließungen oder von der neuen Kooperationsform des „Branding“ betroffen sein sollen. Hombach schloss allerdings aus, dass Standorte gänzlich aufgegeben werden. In einem solchen Schritt sähe er ein Versagen aller.

In der Versammlung wurden zwei Modelle zur Konsolidierung gegenübergestellt. Das Modell der Unternehmensberatung Schickler ist vom betriebswirtschaftlichen Ansatz dominiert und stellt ein reines Zahlenfeuerwerk dar. Verblüffend offen wurde zugegeben, dass das angestrebte Sparziel von 30 Mio. Euro pro Jahr die Marschrichtung vorgab und nach den Vorstellungen der Beraterfirma mit der Trennung von rund 270 Mitarbeitern erkauft werden müsse. Eine aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht nahe liegende Option sei gewesen, die Redaktion der Westfälischen Rundschau aufzugeben. Dieses, so sagte Berater Lafrenz, sei von der Geschäftsführung ausdrücklich nicht gewünscht.

Die Betriebsräte und ihre Sachverständigen stellten ein inhaltlich ansetzendes Konzept dagegen. Dieses fordert unterm Strich mehr Redakteurinnen und Redakteure als der Vorschlag Schickler. Vor allem die deutlich zu geringe Besetzung der Titelredaktionen, die Nicht-Berücksichtigung der Zuarbeiten für den Online-Auftritt und die personelle Ausstattung der Regional-/Lokalredaktionen wurden von den Betriebsräten aufgezeigt. Alle Redaktionsmitglieder sind jetzt aufgefordert, hierzu eigene inhaltliche Vorschläge zu machen. „Hier müssen der Sachverstand und die Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Und niemand weiß besser Bescheid als unsere Leute vor Ort“, sagte Volker Dörken (Betriebsratsvorsitzender der WP).

Die Regelungsabrede zwischen Geschäftsführung und Betriebsräten sieht vor, bis Ende Januar 2009 Klarheit darüber zu haben, ob es eine gemeinsam getragene Lösung geben kann.

PS: Entlarvend empfanden viele Kolleginnen und Kollegen die Dünnhäutigkeit von Bodo Hombach, sich vielfach vor der Öffentlichkeit rechtfertigen zu müssen. Der Gewerkschaftsslogan „Gegen die WAZ-Axt“ sei geschäftsschädigend und beleidige alle Redakteurinnen und Redakteure. Sehen wir ihm die Dünnhäutigkeit nach, er ist ja an einer empfindlichen Stelle getroffen – sein Image leidet.

441 Antworten zu “Überwiegend Enttäuschung: Kündigungen nicht vom Tisch”

  1. Schnauze voll sagt:

    Der Inhalts-Schreibtisch von Reitz war, ist und wird immer leer sein.
    Ich hab Glück. Ich kann demnächst den Hellweger abonieren und mir die geklonten Geschichten der WAZ-Gruppe sparen.
    Es lebe das Jubiläum der Currywurst. Und morgen erfreuen wir den Leser mit tausend gleichen Geschichten zur Mettwurst…

  2. zeilenschinder sagt:

    @porschekiller: Fakt ist auch, dass dieses Blog nicht zur Unterhaltung einzelner dient. Was hast du denn erwartet? Den Aufruf zum Klassenkampf? Und nach wie vor will ich erst wissen, was bei den Verhandlungen herausgekommen ist, ehe ich mich aufrege, Betriebsräte beschimpfe oder renitent werde. Vielleicht ja sogar etwas Gutes.
    .
    @Klaus Müller: So ist es. Wenn um unsere Existenz und wirtschaftliche Sicherheit gekämpft werden muss – unser Organisationsgrad ist bekanntlich sehr hoch. Es stehen mehr Leute bereit, als sich das so ein Porschekiller vorstellen kann.
    .
    @Blattkritik: Noch ein „So ist es“. Wenn ich deine Analyse lese, kommen mir wirklich wieder fast die Tränen. Da haben wir alle gedacht, Uwe K. sei das ultimative Desaster gewesen, und danach müsse es doch einfach wieder besser werden. Doch dann kam einer, der hat es richtig gemacht. Und zusammen mit dem Ahnungslosen ein Klima geschaffen, in dem immer mehr Leute nur noch ihren Stiefel nach 08/15 durchziehen. Dafür ist das Blatt erstaunlicherweise noch immer ziemlich gut.

  3. […] 2 (WAZ) – Das Ende des Standortfaktors By jakobswege Im Blog MedienMoral berichtet Klartext über die Schließung von Lokalredaktionen im Hochsauerlandkreis […]

  4. jammer sagt:

    @waz969

    Die Wirtschaftswoche berichtet am 24. 1. 2009 aus der PK vom Freitag in Essen:
    http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/waz-gruppe-online-2010-schwarze-zahlen-384756/

    Ebenfalls aus der Wirtschaftswoche:

    Die WAZ unter Palmen: Hombach geht auf Einkaufstour in Asien

    Die eisigen Temperaturen in Essen können Bodo Hombach in diesen Tagen nichts anhaben. Der Chef des Zeitungskonzerns WAZ ist derzeit in Vietnam unterwegs. Die Mediengruppe aus dem Ruhrgebiet sucht ihr Heil unter Palmen. Die WAZ will in das asiatische Zeitungsgeschäft einsteigen. Bis 16. Januar wird Hombach in Vietnam, Thailand und Indonesien unterwegs sein, um über den Kauf von Zeitungen und Zeitschriften mit potenziellen Verkäufern zu sprechen. Alleingang oder Joint-Venture – die WAZ kann sich offenbar viele Modelle vorstellen.

    Dass sich in Vietnam gutes Geld verdienen lässt, beweist der Schweizer Verleger Michael Ringier. Der Zürcher Medienunternehmer, der seit Jahren unter seinem schwachen Heimatmarkt leidet, hat das Schwellenland längst für sich entdeckt. Der Informations- und Unterhaltungshunger der Vietnamesen ist groß. Die dortige Werbebranche explodiert geradezu. Nun liberalisiert auch noch die Regierung den bislang stark reglementierten Zeitungsmarkt.

    An Geld wird es den WAZ-M änner bei ihrer Einkaufstour in Asien nicht fehlen. Der gerade verkündete Ausstieg aus dem Hamburger Handelskonzern Otto bringt den Gesellschaftern der WAZ rund 1,7 Mrd. Euro zur Verfügung. Aus dem Verkauf einer Beteiligung am Fernseh- und Radiokonzern RTL Group vor anderthalb Jahren erlöste der Konzern bereits 550 Mill. Euro. Der Ausstieg beim Post-Konkurrenten Pin spülte weitere 150 Mill. Euro in die Kassen der Essener. Der Verkauf des 25-prozentigen Anteils an Otto bringt nun über die Familienholding E. Brost & J. Funke eine weitere Milliarde Euro.

  5. Leben die Familien E. Brost & J. Funke in NRW?
    .
    Die WAZ-Axt spaltet Deutschland! Diverse Forschungsinstitute färben die Zukunft von 463 BRD-Kreisen und ihre Standortfaktoren bunt ein. Bei den Projektionen ist ein isocoloridaler Keil zu erkennen, der von der Entwicklung der Neuen Bundesländer ausgeht und sich über das Revier ausbereitet.
    .
    Die WAZ-Axt schlägt zu und spaltet Deutschland. Homberg, Duisburg, Ruhrgebiet in Weicheihaft. „Kein Fingschen Hoffnung, dann mal Brost!“ – im Angesicht der Westerweiterung der ‚Zukunft Neue Bundesländer‘.

  6. Medienmoral sagt:

    @WAZ969
    Der Kressreport berichtet ebenfalls von dieser PK und geht insbesondere auf die Äußerungen von Hombach und Nienhaus zu den WAZ-Titeln in Thüringen ein. Die Verantwortlichen von „Thüringer Allgemeine“, „Thüringische Landeszeitung“ und „Ostthüringer Zeitung“ sollen nun auch nach Synergien suchen, nach dem Beispiel der vier Zeitungstitel der WAZ-Mediengruppe in NRW. Dann kann man sich ja in etwa vorstellen, was dort blüht: Personalabbau in den Redaktionen und der Verlust von Pressevielfalt.
    Hombach hat sich auf der PK auch zu den inzwischen schriftlich vorliegenden Betriebsratskonzepten zur zukünftigen Aufstellung in NRW geäußert.
    Mehr dazu hier:
    http://www.kress.de/cont/story.php?id=126314
    mit freundlichen Grüßen, medienmoral-nrw.de

  7. Tenrix sagt:

    Ich bin grad wieder vom Jacobswech abgekommen und inner Kneipe gestrandet. Nach dem Bibber ist mir echt schlecht geworden. Gut, dass nich Reitz3 ausser Emscher gekrabbelt is.
    Der hätt gleich auch noch den Standortfaktor Meschede mitgefressen.
    Der isocoloridaler Kreis war doch echt geil, oder? Hat wer das gegoogelt? Nich? Egal, ich bin überall. Kastriert, frustriert und vom Planeten PliB. System Eintext. PiSodnwrwa
    Oder so. Ohne Wehlahn wäre die Welt inner Klinik doch echt fahd.

  8. kalle sagt:

    * Klaus Müller
    „4.) Soweit bekannt, sind die Konditionen durchaus interessant. Ich kenne auch schon Kolleginnen und Kollegen, die kurz vor einem Aufhebungsvertrag stehen.“
    Soweit ich weiß, sollen die Konditionen des Sozialplans den Redakteuren/innen am 29. Januar in Essen vorgestellt werden. Nach welchen („interessanten“) Kriterien/Zusagen/Aussagen haben sich die Ihnen bekannten Kolleginnen und Kollegen gerichtet, die angeblich kurz vor einem Aufhebungsvertrag stehen? So etwas Gravierendes entscheidet man doch nicht ohne genaue Kenntnis der Fakten! Das passt doch alles nicht zusammen!

  9. Dr. Faust sagt:

    „Geschäftsführer Hombach sagte in Essen, dass die Arbeitnehmervertreter am Mittwoch ein eigenes Konzept für die zukünftige Aufstellung in NRW vorgelegt hätten. Ihr Vorschlag sei „mehr als diskussionswürdig“ und von einem „Geist getragen, der uns gewiss beeinflussen wird“. Details zu den Vorschlägen der Betriebsräte nannte Hombach nicht, er betonte aber, dass die Geschäftsführung an ihrem grundsätzlichen Sparkurs festhalte. Für die neue Mantelredaktion in Essen wird die WAZ-Gruppe laut Hombach wahrscheinlich eine neue Gesellschaft gründen. Redakteuren, die von den vier Zeitungen dorthin wechseln, hätten keinerlei Verschlechterung ihrer Verträge zu erwarten, versprach er.“

    Wow, vernehme ich im ersten Absatz etwa ein Lob? Wäre natürlich klasse, wenn die BR-Mannschaft soviel von dem eigenen erdachten Konzept durchbringen würde, wie eben nur möglich. Die eigene Gesellschaft für den Content-Desk ist natürlich ein Dorn im Auge, weil es eine weitere Zersplitterung (diesmal unter den Redakteuren) der Arbeitnehmerseite bedeutet (trotz dann eigenem BR)

    Jedoch müssen von der Arbeitgeberseite weitere Zugeständnisse kommen, wenn auf Arbeitnhemerseite der harte Schnitt erfolgt. So muss die „Geldverbrennungsmaschine von Z“ im Studiohaus eingedämmt oder stillgelegt werden und ob die Rei(t)zfigur nach den ganzen Offenbarungen Richtung der Mitarbeiter und Darstellung in den anderen Medien noch der richtige Mann „für den neuen Weg“ ist bleibt dahingestellt. DuMont hat nach der Übernahme Herrn Depenbrock bei der BZ ja ganz schnell kaltgestellt, weil den dortigen Mitarbeitern vor lauter Frost in den Adern ja jegliche Kreativität genommen wurde und aus ihrem Angstzustand wieder aufgetaut werden mussten.

  10. Frank sagt:

    @Dr. Faust
    Für mich sind das Lippenbekenntnisse. Hombach und Nienhaus spielen, wie es aussieht, „Guter Cop – böser Cop“. Einen Hinweis darauf geben die Betriebsräte selbst. Zitat aus der aktuellen Info: „Chefredakteure und GGF haben zugesagt, dass nun über alles zu reden ist, wobei die Aussichten auf eine Nachbesserung der Schickler-Spar-Papiere mit Zurückhaltung, da Geschäftsführer Nienhaus bereits zu Beginn des Gesprächs auf weitere Einnahmeeinbrüche verwies, die die Verluste erneut erhöhen.“
    Mit einem Wort: Mahlzeit!

  11. Tenrix sagt:

    > … bereits zu Beginn des Gesprächs auf weitere Einnahmeeinbrüche
    > verwies, die die Verluste erneut erhöhen.”
    > Mit einem Wort: Mahlzeit!
    .
    Vulture-Pitch im WAZ-Land. Wer zuletzt geht, kriegt die Reste!
    .
    Dänemark hat vor wenigen Jahren gezeigt, wie sich die Stimmung in einer Region wandeln lässt. Das kann das WAZ-Land auch! (Zufriedenheit jenseits von „Ähh, iss doch schön hier“ ist messbar.)

  12. Il Tizio sagt:

    Ich hätte eine Bitte um Recherche. Wie und was wurde bisher geforscht, um die Lokalredaktion als Standortfaktor nachzuweisen. Diese Frage stelle ich, weil im Hochsauerlandkreis – wie bereits in den Neuen Bundesländer lange vorher – jetzt Lokalredaktionen aufgegeben werden sollen. Ich protestiere heftig, dass nun Teile des WAZ-Landes diesem verwerflichen Trend durch ein Madenwerk von Systemfuzzies folgen sollen. Wir sind in der Weicheihaft von Politik, Verwaltung und Instituionen. Wieso treibt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) tausende von Vertragsärzten durch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte als Pilotprojekt NRW in den Widerstand? Dr. Hansen (KVNO) geht brutal über den zweifachen Beschluss der KVNO-Vollversammlung, der Bundesärztekammer und der Hausärztevereinigung Nordrhein hinweg, die die eGK ablehnen. So werden wertvolle Kräfte verschlissen, die den Bestand der medizinischen Versorgung im Hochsauerlandkreis sicherstellen könnten. Dr. Hansen (KVNO) ist SYSTEM. Das ist das Wesen von REITZ 2. – Keine Hoffnung! – Der HSK geht runter. Wünschenswert wäre eine projekthafte mediale Unterstützung des Hochsauerlandkreises, die auch die Lokalredaktionen in Meschede, Olpe und Winterberg retten würde. Darum, sehr geehrte Redakteure, möchte ich Sie bitten.

  13. Medienmoral sagt:

    @WAZ 696
    Der Kollege Boris Rosenkranz hat für die taz von der PK berichtet.
    Hier sein Bericht:
    http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/das-%5Creitz-modell%5C/
    mit freundlichen Grüßen, medienmoral-nrw.de

  14. Dementi sagt:

    Jemand Reitz bei Kress und Newsroom gelesen? Der Blender dementiert sich und seine dpa-Einlassung gegenüber dem Medienmagazin ZAPP (NDR) selbst. Wie glaubwürdig ist dieser Chefredakteur eigentlich noch?

    Ach ja: Und in der Südeutschen ertrinkt er im Eigenlob. Redakteure, die ihn wegen seiner tollen Idee loben. Aber nicht im eigenen Haus, denke ich. Die meisten sind wegen seinem Ego-Way-of-Life auf Kosten der Qualität und des Betriebsklimas nur noch sauer auf ihn und Hombach. Und jetzt sollen die 28 Seiten Umfang festgeschrieben werden, es ist sogar schon davon die Rede, Umfänge weiter zu kürzen……

    Das wir Abo-Kürzungen nach sich ziehen…..
    Aber das scheint Hombach und Nienhaus egal zu sein.

  15. Dr. Faust sagt:

    was da von Herrn Reitz an gutem alten WAZ-Porzellan zerdeppert wird, dürfte nie wieder zu kitten sein. Machen wir uns nichts vor: Die WAZ ist nichts weiter als eine Steighilfe für eine höhere Karriere in Berlin oder in einer anderen Metropole. Und da gehört er eigentlich auch hin. Seine Visionen haben nichts mit einer Regionalzeitung zu tun und das ist auch nicht sein Metier, Glitzern, Glänzen und Großstadtflair ist seine Hausnummer. Was den Leser in Waltrop, Castrop oder anderswo berührt, ist nicht seine Welt. Lieber steht er mit Angie oder Guido W. auf der großen (TV-) Bühne.

    Daher ist der Scherbenhaufen auch egal, der journalistisch hinterlassen wird, wenn es denn mal zum großen Ziel geführt hat. Wenn man heute schon sieht, was aus der guten alten WAZ auch politisch-tendenziell geworden ist kommen einem die Tränen.

    Und mit dem Eigenlob, dass ihm die Rückkehr zum Journalismus gedankt wird, ist das auch so eine Sache. Entweder selbst erfunden oder gekauft, egal, solch eigene PR würde auch zum nächsten Regierungssprecher von Schwarz-Gelb in Berlin qualifizieren.

    Und das jetzt zwei Titel in einem Ort bestehen bleiben sollen, ist auch nicht sein Verdienst. Das kann man eher dem pfiffigen Konzept den BR’s zollen, die genau die die richtige Analyse für die Zukunft erstellt haben. Alles andere ist Totengräberei der WAZ Mediengruppe im Kerngeschäft im Ruhrgebiet und Südwestfalen!

  16. waz969 sagt:

    @medienmoral
    Der Bericht in der TAZ hebt sich erfreulich von den erschreckend einseitigen wie unkritischen Berichten in den anderen Blättern ab. Was Süddeutsche und FAZ ihren Lesern zu diesem Thema anbieten, grenzt schon an Peinlichkeit – lag’s an den tomatisierten Bohnen, mit denen Hombach, Nienhaus und Reitz ihre „News“ servierten?
    Im Rahmen dieser PK hat Reitz seinen im NDR-Magazin „Zapp“ frech verkündeten Coup „Wir haben dpa gekündigt und nutzen jetzt dpa via Internet zum Nulltarif“ übrigens dementiert.

    Das liest sich (bei dpa) dann so:
    „WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus begründete den Verzicht der WAZ-Gruppe auf sämtliche Dienste der Deutschen Presse-Agentur dpa mit den Sparzwängen der WAZ. Das Geld, das man bisher für dpa ausgegeben habe, investiere man lieber in eigene Leute, sagte Nienhaus. Die WAZ- Gruppe hatte Ende vergangenen Jahres ein Sparprogramm verkündet, das die Kosten um 30 Millionen Euro senken soll. 260 der 900 Stellen sollen abgebaut werden.
    WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz wies Vorwürfe zurück, die WAZ- Medien nutzten weiterhin dpa-Inhalte aus dem Internet, ohne dafür zu bezahlen. Wörtliche Zitate von ihm, die in einem Beitrag des NDR- Medienmagazins „Zapp“ zu sehen waren, gäben „ganz bestimmt nicht wieder, was ich da gesagt habe“, sagte Reitz und fügte hinzu: „Dieser Bericht war extrem verfälschend.“
    Reitz hatte in dem Bericht unter anderem gesagt: „Und so, wie wir Informationen von dpa benutzen oder weiter daran arbeiten, so machen wir es aber auch mit anderen Informationsquellen, ohne für diese Informationsquellen zu bezahlen.“

    Nun, Herr Reitz! Dann sollten Sie doch diesen bösen Klon oder bösartigen Clown verklagen, der da mit Ihrem Gesicht, Ihrer Stimme und Ihren Gesten den fortgesetzten geistigen Diebstahl gestanden hat.
    Vor der „Zapp“-Kamera wurden Sie Herr Reitz einmal mehr zum Opfer Ihrer unerträglichen Eitelkeit. Sic tacuisses… – einem Selbstdarsteller wie Ihnen rät man das vergeblich.

  17. Medienmoral sagt:

    am 25. März wird Reitz auf Einladung der Kölner Journalistenschule auf dem Tag des Wirtschaftsjournalismus referieren.
    Zitat aus der Einladung:
    „Am Nachmittag geht es zunächst um die Medienkrise. Ulrich Reitz (Chefredakteur Westdeutsche Allgemeine Zeitung), Bernd Ziesemer (Chefredakteur Handelsblatt), Sven-Oliver Clausen (stellv. Chefredakteur Financial Times Deutschland) und Jörg Eigendorf (Ressortleiter Wirtschaft, Die Welt), diskutieren mit den Kongressteilnehmern das Thema „Die neuen Redaktionsmodelle – Umbau oder Abbau des Journalismus?“.
    mehr dazu hier
    http://www.tag-des-wirtschaftsjournalismus.de/
    mit freundlichen Grüßen, medienmoral-nrw.de

  18. waz969 sagt:

    Zwischen den wohlfeilen Reden, die Herr Reitz bei Auftritten aller Art zu halten pflegt und dem Alltag in der Redaktion ist dann eben doch ein erheblicher Unterschied.
    Den Kollegen der sogenannten Qualitätszeitungen diktiert Herr Reitz in den Block, seine Redakteure würden sich bei ihm dafür bedanken, dass er ihnen der Journalismus zurückgegeben habe. (Man staunt, dass solcher Schwachsinn kritiklos dann auch gedruckt wird.)
    Der aktuelle Alltag in der Redaktion sieht anders aus:
    Da wenden sich in ihrer Funktion als gewählte Vertreter der Kolleginnen und Kollegen zwei WAZ-Lokalchefs schriftlich an die Geschäftsführung und die Gesellschafterin Frau Brost. Tenor des Schreibens: Die Sorge um das Rückgrat der WAZ Mediengruppe in NRW, also die Lokalredakionen. In einem mehr als moderaten Ton bitten sie auch mit Hinweis auf das „Reitz-Modell“, nicht gegen die, sondern mit der Belegschaft zu entscheiden.
    Am Dienstag durften alle WAZ-Lokalchefs in Essen antreten, um zu erfahren, wie es nun weitergehen soll. Das wurde ihnen zwar konkret nicht gesagt, aber ihnen wurde die Botschaft vom WAZ-Chefredakteur (er hatte für die Lokalchefs mal wieder keine Zeit) mit auf den Weg gegeben, Herr Reitz sei
    1. stinksauer über das Schreiben an die GGF und Frau Brost und er könne
    2. alle nur warnen, sich diesem Schreiben per Unterschrift anzuschließen, denn wer das beabsichtige, müsse sich
    3. um seine Zukunft bei der WAZ keine Gedanken mehr machen, weil er
    4. bei der WAZ mit Sicherheit keine Zukunft habe.
    Sehr geehrter Herr Reitz. Seit Ihrem Antritt als CR der WAZ hat diese Zeitung über 15% an Auflage verloren. Keines Ihrer Konzepte hat bisher diesen Trend stoppen können, im Gegenteil. Ob Relaunch, aufgeblähter Mantel oder „Zeitung der Zukunft“ (Ausgabe Vest) – der Markt (Leser) sagt deutlich Nein zu einer Zeitung, die ihn und seine Welt missachtet, die mit Beliebigkeiten spielt und Befindlichkeiten ignoriert.
    Treffen Sie sich doch mal mit Ihren Lokalchefs zu einer „Stunde der Wahrheit“ und hören Sie einfach mal zu. Sie könnten viel lernen – und das neue Konzept ja später immer noch als Ihre Erfindung in Talkshows rühmen.

  19. Hans Plagwitz sagt:

    Da hat doch Stefan Niggemeier einfach ganz frech etwas über die seltsamen Methoden der Nachrichtenbeschaffung im Hause WAZ geschrieben:
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wie-die-waz-ohne-dpa-auskommt/

    Ich sage nur: „Danke, Sie haben uns den Journalismus wiedergegeben!“

    Mahlzeit!

  20. Hans Lassmann sagt:

    @waz969
    Deiner Bitte kann sich nur jeder denkende Redakteur anschließen: Doch Reitz kneift, stellt sich keiner Diskussion mit der Belegschaft. Er ordnet an, regiert am Newsdesk unwidersprochen und droht konstruktiven Kritikern massive Vergeltung an. Kein Wunder: Sein Modell ist eine aufgeblasene Brötchentüte, in der ja nichts drin ist außer heißer Luft. Und das kann mittlerweile jeder durchschauen.
    .
    Sicher, der eine oder andere Ansatz ist diskutierenswert. Aber mit wie wenig Augenmaß und mit wie wenig Erfahrung an Lokaljournalismus diese geplante Demontage, der Abruch von lokalen Strukturen und die Konzentration auf Aktionismus (Regio-Desks, mobile Reporter) durchgezogen wird, trifft nicht nur die Kolleginnen und Kollegen, es wird sich auch durch weiter rasant sinkende Auflage rächen.
    .
    Reitz ist mit seinen „Konzepten“ kein Messias für die WAZ, er ist ein Abwickler. Das hat er schon im Vest gezeigt, wo er das eigene Konzept der Redaktion in die Tonne gekloppt und seinen Plan ohne Debatte durchziehen ließ. Die Folge: Über 50 Prozent Auflage sind weg.
    .
    Wie beratungsresistent Ulrich Reitz ist, zeigt auch die Entscheidung gegen den dpa-Dienst: Die Kollegen in Essen – und auch zunehmend die in den Lokalredaktionen, sind mittlerweile stundenlang mit Bildbeschaffung belastet, müssen sich bei Süddeutsche, Handelsblatt, FAZ, Zeit und IHK-online durchsurfen, um auf den abschreibbaren Nachrichtenstand zu kommen, den sie bislang zur Verfügung hatten. Wirtschaftlich ist das nicht. sich die Rosinen für die tägliche Backmischung WAZ zusammensuchen zu müssen, die dann oft genug nur noch zweitklassig ist bzw. hausbacken wirkt.
    .
    Und lernt Reitz daraus? Nein! Offene Drohungen (s.o. waz969), Ignoranz (er beantortet Emails an ihn erst gar nicht), und seine unerträgliche Seichtigkeit des Scheins bestimmen seinen und leider auch unseren Arbeitsalltag.
    .
    Und nach außen verkauft sich der Elfenbeinturmler Reitz, der nicht weiß, was draußen in den Lokalredaktionen und im Revier abgeht, als der Retter des Revier-Journalismus. Welch eine billige Nummer! Hochnotpeinlich! Aber bei dem unterstellten Realitätsverlust, den dieser Mann zu haben scheint, ist das kein Wunder.
    .
    Apropos Brötchentüte: Irgendwann wird sie knallen, aber ganz laut.
    Mahlzeit!

  21. Blattkritik sagt:

    @Hans Plagwitz
    Der Fall Hertie ist nicht der einzige Fall von Nachrichtenklau. Und es ist wichtig, auf derlei Handwerk hinzuweisen.
    Mich wundert nicht, dass die Hertie-Nachricht so spät kam: Eine kontinuierliche Berichterstattung, bei der man sich wichtige Termine zwecks Nachfassen auf Wiedervorlage legt (der Hertie-PK-Termin war seit einer Woche bekannt) und Themen dann auch in Absprache-Konferenzen verfolgt, gibt es bei der WAZ trotz eingeführter Wochenplanung und ellenlanger Themen-Übersichten ja nicht mehr. Und auf die Wochen- und Tagespläne, die die Redaktionen einreichen, schaut in der Zentrale offenbar auch keiner mehr.
    Hier liegt in der Planung offenbar auch einiges im Argen. Aber wundern tut mich das nicht: Täglich wird bei der WAZ doch eine Zeitung zusammengeschustert, die von Schusterjungen gemacht wird, die das Denken einem Reitz überlassen. Das starke Team, das die Zentralredaktion mal war, ist doch längst zerschlagen worden. Die übrigen haben Denk- und Redeverbot. Hier wird durchregiert. Basta!

  22. ZVR.de sagt:

    Am Donnerstag soll Hertie im Mantel aufgearbeitet werden…Welch ein Glanzstück Reitzschen Hintergrundjournalismus soll den Lesern denn dann geboten werden?
    Mal sehen: Wann war Großmann zuletzt bei Hertie einkaufen? Hertie oder Hertha BSC – wer steht wofür? Lagerfeld-Fashion gegen Hertie-Moden – was zieht das Revier an? Fotostrecke: Reste müssen raus? Blog: Ich bin Hertie-süchtig, was mach‘ ich jetzt? Hertie – eine Legende geht baden? Hertie und Herta – Mode und Fleischwurst im Vergleich?
    Bin mal gespannt, wie die Zentrale die Nachrichtenpanne vom Dienstag ausbügelt…..

  23. Leser sagt:

    Der Umfang der Westfälischen Rundschau heute ist eine Frechheit. Wo sind meine Lokalseiten geblieben, die ich teuer bezahle? Da steht ja im Stadtspiegel mehr.

  24. Ach Hertie sagt:

    Wenn Hertie mal der einzige Griff ins Klo gewesen wäre….
    .
    …heute arbeitet die Zentrale auf der 1 und auf der Rhein/Ruhr das Thema Bonus-Karte für Schulbesuch auf.
    Warum heute? Weil die Blöd-Zeitung das Thema gestern seitenfüllend hatte.
    .
    Merke: Orientierung für die Zentrale ist das Blöd-Blatt.
    Denn: Bereits im Dezember soll die Vest-Redaktion das Thema dem Mantel angeboten haben. Es blieb unbeachtet.
    Nicht gelesen bzw. als Thema falsch eingeschätzt hat die Zentralredaktion, das Newsdesk, die entsprechende Bonus-Karten-Ausgabe „Unser Vest“.
    .
    Sie hatte im Dezember über die 100-Euro-Option berichtet, die Oer-Erkenschwick Problem-Eltern in Aussicht stellt, die ihre Problem-Kinder regelmäßig zur Schule schicken. Auch ein Forum gab’s dazu (http://forum.derwesten.de/viewtopic.php?p=668102). Und auch Reaktionen wie die des Recklinghäuser Sozialdezernenten wurden dazugepackt. Auch alles nachzulesen im Internet. Auch andere Verlage und dpa haben darauf reagiert.

    Merke: Der eigene Newsdesk hat im Dezember gepennt.
    Frage: Was ist der WAZ seit der dpa-Abbestellung noch durch die Lappen gegangen bzw. wurde ignoriert? Wollen wir mal eine (selbst-)kritische Bilanz aufmachen? Und die Frage diskutieren, was Nachrichten wert sind und wie man sie erkennt?
    .
    Hertie ist nur die Spitze der Titanic, mit der Reitz und sein Newsdesk durchs Eismeer schrammen.

  25. workflow sagt:

    @leser
    Angeblich sollen es noch weniger Seiten werden. Die 28 Seiten sind mittlerweile festgeschrieben. Vier weniger sind in Planung……

  26. waz969 sagt:

    Reitz im NDR-TV-Magazin „Zapp“: Wir brauchen keine Agenturen, wir haben ja das Internet…

    Wie verlogen der Anspruch „Autorenzeitung“ in Wahrheit ist, sei an einem tagesaktuellen Beispiel belegt, diesmal aus der NRZ, deren Chefredakteur kaum schamloser agiert als Reitz.

    Unter der Überschrift „Bayern brennt ein Feuerwerk ab“ berichtet die NRZ aus der Feder von Maik Rosner über das DFB-Pokalspiel VfB Stuttgart gegen Bayern München. Am Ende des Textes dann dieser Quellenvermerk: (NRZ)

    Richtig ist aber, dass dieser Text von Maik Rosner und Hans-Peter Sick mit exakt diesem Autorenvermerk am Dienstag nach dem Spiel von der Agentur Sportinformationsdienst (sid) ins Redaktionssystem der WAZ Mediengruppe geschickt wurde.

    Die NRZ-Redaktion hat sich dann die „Autoren“-Freiheit genommen, Hans-Peter Sick aus der Autorenzeile zu streichen und am Textende (sid) durch (NRZ) zu ersetzen.

    Das Portal derwesten.de hat ebenfalls diesen Text übernommen, allerdings beide Autoren gestrichen und als Quelle am Textende nur noch die (NRZ) genannt.

    So also definiert man Autorenzeitung? So also produziert man eine Qualitätszeitung?

    Geld gespart, aber das Ansehen ruiniert – schämt Euch!

  27. WAZ-Mann sagt:

    Mit dem Schlagwort „Autorenzeitung“ hat Chefredakteur Reitz noch als Chefredakteur der RP bei einer NRW-Verlegertagung auf dem Petersberg Eindruck geschunden und bei Herrn Hombach Eindruck geschunden, da gleichzeitig von Kosteneinsparung die Rede war. Effektivere (Aus-) Nutzung der eigenen Redakteure wurde empfohlen. Herr Hombach hatte damals ein Auge auf den RP-Mann geworfen, dessen Autorenschlagwort ihn wohl faszinierte. Nur hatte Hombach die eigene WAZ nie richtig gelesen, denn sie ist seit Jahrzehnten eine Autorenzeitung. Das gute Korrenpondentennetz ( teilweise eigene Vertretungen) und die Zulieferung aus über 30 WAZ-Lokalredaktionen waren seit jeher ein Garant für erstklassive Informationen aus erster Hand und exklusive Hintergrundinformationen.
    Das Geschwafel von „Autorenzeitung á la Reitz “ ist schlichtweg eine Mogelpackung, um nicht zu sagen eine Lüge, denn die WAZ-Qualität aus erster Hand hat es in den vergangenen Jahrzehnten stets gegeben. Sie mußte nicht von einem Herrn Reitz kreiert, erfunden werden. Dafür ist er nun kräftig dabei, die Lokalredaktionen zu schleifen und die journalistische Vielfalt abzubauen. Er ruiniert nicht nur den WAZ-Qualitätsjournalismus, sondern zieht die jahrelange Leistung vieler Redakteure in den Dreck.
    Vor etlichen Jahren hat die WAZ auf den dpa-Landesdienst verzichtet, da die eigenen Redakteure Liveberichterstattung besser konnten. Das war eine richtige Entscheidung. Die Abbestellung des dpa-Basisdienstes ist eine Showveranstaltung, denn „dafür 25 Redakteure einzustellen“, ist doch schlichtweg eine Ankündigung ohne Folgen. Damit wird in Presseverlautbarungen Schindluder getrieben. In den letzten vielen Monaten wurden in allen Redaktionen, auch in der Zentralredaktion bereits Redakteursstellen abgebaut, nicht ersetzt.
    Und noch etwas. Vor wenigen Jahren wurde eine Weiterführung des WAZ-Bildarchivs nicht fortgesetzt, da man jederzeit elektronisch blitzschnell auf das hervorragende dpa-Bildarchiv zurückgreifen konnte. Damit natürlich enorm Geld sparte, kein Archiv-Personal mehr benötigte. Was nun Herr Reitz?
    Ach ja, wie lange wollen eigentlich die Eigentümerfamilien die Politik der verbrannten Erde des Herrn Reitz noch zusehen? Es ist schon lange kein Kosten-Problem bei den WAZ-Titeln mehr, sondern ein Personalproblem. Der Qualitätsabbau ist jeden Tag beim Blick in die Zeitung ersichtlich ( übrigens Seitenreduzierung ist auch Qualitätsminderung ).

  28. innen - außen sagt:

    Unter Herrn Reitz ist die WAZ unter Kollegen bundesweit zur Lachnummer geworden. Die Beispiele journalistischen Fehlverhaltens, der Verstoß gegen die Grundsätze journalistischen Handelns, sein anmaßender rüder Ton oder seine unüberhörbaren Drohungen Kollegen gegenüber lassen keine normale journalistische Arbeit mehr zu. Seit langem wurde gefordert eine Analyse zu erstellen, ob die „richtige“ WAZ gemacht wird, ob das WAZ-Produkt „ankommt“. So auch in der letzten Belegschaftsveranstaltung, Herr Reitz lehnt dies ab. Er will sich seine Leser „erziehen“. Der Abonnementrückgang unter seiner Redaktionsführung scheint die Eigentümer noch nicht zu schrecken. Auch die Leser merken, dass „ihre“ Zeitung nicht mehr ihre Umwelt widerspiegeln. Wozu dann eine Zeitung?

  29. Medienmoral sagt:

    @WAZ 696
    Die Financial Times Deutschland berichtete am 26.01. aus der PK vom Freitag in Essen und kündigte den Kauf weiterer Regionalzeitungen durch die WAZ-Gruppe an.
    Die WAZ-Mediengruppe, so werden Nienhaus und Hombach zitiert, wolle sich als führende Kraft bei der Konsolidierung des Zeitungsmarktes positionieren. „Wir sind daran interessiert, uns breiter aufzustellen“, sagte Hombach. Er gehe davon aus, dass die WAZ-Mediengruppe „Ende 2009 das eine oder andere im regionalen Bereich akquiriert habe“.
    Interesse wird der WAZ laut FTD am Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag mit Sitz in Flensburg nachgesagt. Dieser gibt 14 Tageszeitungen und diverse Wochenzeitungen und Anzeigenblätter heraus.
    mit freundlichen Grüßen, medienmoral-nrw.de

  30. Hans Plagwitz sagt:

    Für Herrn Reitz muss sich scheinbar alles um seine Person und um den von ihm „erfundenen“ (Einheits-)Contentdesk drehen. Zur Arbeit und Relevanz der Lokalausgaben hat man bisher nur Allgemeinplätze hören dürfen.
    Wenn er sein Wissen über die Arbeit vor Ort nur von Herrn „Schönen Tag noch-“ Klümper bezieht, ist es kein Wunder, dass ihn die vielen kleinen lokalen Autoren-Zeitungs-Redaktionen nicht weiter interessieren.
    So wird es ihn leider auch nicht beeindrucken, was die ZMG (Zeitungs Marketing Gesellschaft) in einer Repräsentativ-Umfrage zum Thema Tageszeitungs-Leseverhalten herausgefunden hat:
    .
    „Redaktionell zeichnet sich die Zeitung vor allem durch ihre hohe lokale und regionale Kompetenz aus. Acht von zehn Bundesbürgern (82 %) halten die Zeitung zur Information über den eigenen Wohnort und die nähere Umgebung für unverzichtbar, weitere 13 Prozent halten sie zumindest für sinnvoll. Mit großem Abstand folgen das Internet (55 % unverzichtbar), der lokale Hörfunk (49 %) sowie kostenlose Anzeigenblätter (39 %).“
    .
    weiter: „Die hohe lokale und regionale Kompetenz der Zeitung spiegelt sich auch in den Nutzungsgewohnheiten ihrer Leser wider: Der Lokal-/Regionalteil ist das wichtigste Ressort innerhalb der Zeitung und wird von fast allen Lesern genutzt.“
    .
    Wenn es ihn interessiert, kann der Content-Desk-Director ja mal einen Untergebenen hier nachlesen lassen (kostenloser content, ist kein dpa drin!):

    http://www.zmg.de/hauptnavigation/startseite/startseite-hauptartikel-detail.html

  31. Tenrix sagt:

    Dysdemokratie im Ruhrgebiet. Aus MedienMoral ein Kommentar von ‚innen – außen‘ am 28.01.2009 um 16:32

    http://www.medienmoral-nrw.de/2008/12/uberwiegend-enttauschung-kundigungen-nicht-vom-tisch/#comment-3648

    Unter Herrn Reitz ist die WAZ unter Kollegen bundesweit zur Lachnummer geworden. Die Beispiele journalistischen Fehlverhaltens, der Verstoß gegen die Grundsätze journalistischen Handelns, sein anmaßender rüder Ton oder seine unüberhörbaren Drohungen Kollegen gegenüber lassen keine normale journalistische Arbeit mehr zu. Seit langem wurde gefordert eine Analyse zu erstellen, ob die “richtige” WAZ gemacht wird, ob das WAZ-Produkt “ankommt”. So auch in der letzten Belegschaftsveranstaltung, Herr Reitz lehnt dies ab. Er will sich seine Leser “erziehen”. Der Abonnementrückgang unter seiner Redaktionsführung scheint die Eigentümer noch nicht zu schrecken. Auch die Leser merken, dass “ihre” Zeitung nicht mehr ihre Umwelt widerspiegeln. Wozu dann eine Zeitung?

    Zu dieser Problematik äußerte sich der Blog http://abo-sharing.blog.de seit 2005. „REITZ 2 (WAZ) – Das Ende heißt Reviergeist!“

    Das Madenwerk der Systemfuzzies hat die „Gemeinschaft der Vernünftigen“ gebrochen. Der Zorn reicht weit: Redakteure, Lehrer, Polizisten, Ärzte und Richter in NRW sind die Opfer. In der Loeser-Region NRW konnte sich der Mittelstand nie gegen Groß-Kapital und seine Diener, die Parteifuzzies des Madenwerk etablieren. Jetzt schrumpft das WAZ-Land – Die Flucht der YADOMs, wenn die Integration Duisburg scheitert.

  32. Daniela F. sagt:

    Herr Reitz entwickelt eine rechte Meisterschaft darin, sich selbst zu dementieren. So geschehen nach der denkwürdigen „Mahlzeit“-Betriebsversammlung, wo er sich gleich anschließend bei der Pressekonferenz selbst Lügen strafte – und nun nach der „Zapp“-Sendung, indem er es anschließend zustande brachte, seinen eigenen Auftritt, seinen eigenen O-Ton als „extrem verfälschend“ zu bezeichnen.

    Und jetzt? „Danke, Sie haben uns den Journalismus wiedergegeben!“ Würg! Jetzt muss er sogar schon seine Jubelperser selbst erfinden! Denn richtige Menschen dazu zu bewegen, solchen Unsinn laut vor Kamera und Mikrofon äußern, das schafft er nicht. Schließlich wird es wohl auch der am stärksten unterdrückte Redakteur, die am stärksten unterdrückte Redakteurin mit Kästners Epigramm halten:

    Was auch immer geschieht:
    Nie dürft ihr so tief sinken,
    von dem Kakao, durch den man euch zieht,
    auch noch zu trinken!

    Mahlzeit!

  33. Tenrix sagt:

    ARD-VideoText hat gestern im 400er Seitenbereich eine Meldung gebracht, dass die Leser hauptsächlich wegen des Lokalteils in die Zeitung schauten.

  34. Tenrix sagt:

    Hinweis für MedienMoral, bestimmte Begriffe auszuschließen:
    .

    aus Kulturhauptstadtteil-Blogging
    .
    Jetzt reicht´s: „Wir wollen einen Staatshöchstanteil!“ 2008-01-16
    .
    Die Menschen haben kein Geld und der Binnenmarkt hinkt; denn gnadenlos mästet sich das M…w… an der Bevölkerung. (M…w… ist eine begriffliche Synthese von Kraken und Dinosaurier aus den achtziger Jahren, wie Alemann in seinem Buch „Das Parteiensystem“ die Teilnehmer nennt – umsonst bei der BPB zu beziehen.)

  35. tippse sagt:

    Einmal ganz abgesehen davon, dass die Regio-Desks mittelfristig den Tod der ihnen zuarbeitenden Satelliten-Redaktionen bedeuten werden: Der Zuschnitt dieser Desks muss von Timbuktu oder sonstwo weit weg gemacht worden sein, sicherlich nicht aber von Leuten, die auch nur ein einziges Mal tagsüber über die A40 oder A42 gefahren sind.

    Da wird laut Schickler also demnächst die WAZ Gelsenkirchen von Duisburg aus produziert. Der zuständige Redakteur fährt dafür dann quer durch Essen, um nach Duisburg zu gelangen. In Essen kann Gelsenkirchen nicht produziert werden, weil da Dorsten und Langenberg layoutet werden. Auch Mülheim fährt nach Duisburg, obwohl es mit Essen viel mehr Gemeinsamkeiten (=Synergien) in der Berichterstattung gäbe; ich denke da nur z.B. an MEO, das Bistum oder den Nahverkehr. Kann mir da einmal jemand bitte den Sinn erklären?

    Dorsten schickt dann einen Redakteur nach Essen an den Regio-Desk, ein weiterer wird wohl fotografieren. Da bleibt nicht mehr viel Dorsten in Dorsten, und offenbar ist das ja auch gewünscht. Ich behaupte: Alle kleineren Redaktionen werden das Vest-Schicksal teilen und innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre geschlossen werden. Dann gibt es noch drei WAZ-Standorte im „alten“ Kern-Ruhrgebiet fürs Lokale, was wegen der dann stark gesunkenen Abonnentenzahl auch völlig ausreichend sein wird.

    Warum nur, warum machen die einen solchen hahnebüchenen Unsinn, den jeder frisch angefangene Volontär umgehend als solchen erkennen würde? Warum lässt man die Lokalredaktionen – zur Relevanz derselben siehe Hans Plagwitz oben – ausbluten bis zur Kraftlosigkeit? Wieso stampft der Ahnungslose sein letztjähriges Konzept „Stärken stärken“, das den Ausbau von Lokalredaktionen vorsah, nun sang- und klanglos wieder ein? Und wieso dürfen die Lokalchefs das alles nicht an Frau Brost schreiben?

    Wieso werden die Kolleginnen und Kollegen, die für WAZ World vorgesehen sind, angesprochen und unter Druck gesetzt, keine Stellenkürzungen auf 90 oder 80% vorzunehmen, weil sie ansonsten nicht für den Content Desk in Frage kämen? Das heißt doch nichts anderes, als dass die Stellenreduzierungen nur und ausschließlich von lokalen Kolleginnen/Kollegen geschultert werden (und von den Mantel-Kollegen der drei Titel, die gleich ganz weggehen) – und das heißt, dass uns schon jetzt klar sein muss, dass, was immer die Lokalen tun und an finanziellen Einbußen auf sich nehmen, nicht reichen wird. Dass es außerdem zu einer extremen Entsolidarisierung zwischen teilreduzierten lokalen und „hundertprozentigen“ Mantel-Kolleg(inn)en kommen wird. Und zu betriebsbedingten Kündigungen, wenn nicht irgend ein Wunder geschieht.

    Was ist aus dieser Vorzeige-Zeitung mit ihren vier starken Titeln nur geworden? Wäre doch nur der Original-Plagwitz noch da! Und meinetwegen sogar: Uwe, komm zurück, es war nicht so gemeint, wir haben dich auch wieder lieb.

  36. stopp sagt:

    @ tippse
    Es hat keinen Zweck die Vergangenheit zu beschwören, die bei WAZens für die Beschäftigten nie rosig war. Es gab jedoch journalistische Freiheit und Unabhängigkeit. Auf Wunder zu hoffen bringt nichts. Man muß für die Wunder selber sorgen. Also endlich das in den letzten Wochen in die Hose gerutschte Herz in die Hand nehmen und solidarisch für Furore sorgen . . . in aller Öffentlichkeit.

  37. tippse sagt:

    Aber nicht mit theatralischem Masssensterben, @stopp. Da müssen wir kreativ werden und den Rotsiftlern weh tun. Weh tut ihnen der Geldbeutel und – in Maßen – schlechtes Image. Wir müssen den Druck nach innen erhöhen, den Druck auf die Chefs und die Chefetage. Der Satz muss stehen: Keine betriebsbedingten Kündigungen. Um das zu erreichen, muss uns jedes kreative Mittel willkommen sein. Und diese Mittel wollen wir hier nicht breittreten. Erst intensiv verhandeln und unsere Fotografen retten, Turboprämie denjenigen sichern, die sich darauf einlassen können/wollen, dann zügig Betriebsversammlung, und dann los.

  38. Außenstehender sagt:

    Mit einem Umfang von nur noch 24 Seiten haben WAZ und NRZ Essen heute einen neuen Tiefpunkt erreicht: Nur drei Seiten Lokales, danach folgen schon die Familienanzeigen. Obendrein erdreisten sich die verantwortlichen Entscheidungsträger im WAZ-Konzern, Aussetzer (= Bezugsunterbrechungen) ab sofort erst ab dem 4. Tag gutzuschreiben. Heisst im Klartext: Wer als Abonnent für zwei Wochen die Zeitung abbestellt, wird zwar 12-mal nicht beliefert, bekommt aber nur 9 Ausgaben gutgeschrieben. Mit den restlichen drei Tagen finanziert die Führungsriege ihre fetten Saläre und Tantiemen. Glaubt man wirklich, so neue Leser gewinnen und Noch-Leser halten zu können? *kopfschüttel*

    Mich würde mal interessieren, wie Ex-Geschäftsführer Günther Grotkamp über all diese Entscheidungen denkt. Das Lebenswerk, das er und Erich Schumann in Jahrzehnte langer Arbeit errichtet haben, wird nun binnen weniger Monate bzw. Jahre vollends vor die Wand gefahren. Am Ende verlassen die Ratten das sinkende Schiff und werfen die Meute (= Mitarbeiter) den Aasgeiern zum Fraß vor.

    Herr Hombach, wachen Sie endlich auf!!! Inkompetente Nieten in Nadelstreifen wie die Herren Reitz und Zowieslo verbrennen seit Jahren Millionen von Euro, malträtieren ihre eigenen Mitarbeiter und führen sich auf wie Graf Rotz persönlich. Mit der Folge, dass die Auflagen der NRW-Titel mmer stärker und schneller wegbrechen und selbst die letzten treuen Leser vergrault werden. Unter den Folgen der heutigen Umstrukturierungen wird der WAZ-Konzern noch in vielen Jahren leiden. Wenn es ihn dann überhaupt noch gibt.

  39. Anonymous sagt:

    @ Außenstehender:

    Ja, tolle Aktion, das mit der Aussetzervergütung! So hält man bestimmt die Auflage. Früher oder später aber werden sich die Verbraucherzentralen damit beschäftigen (müssen). Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Vorgehensweise rechtlich abgesichert ist. Wenn ich beim RWE eine Überzahlung von 100 Euro habe, können die mir ja auch nicht bloß 50 Euro zurückerstatten, nur weil dieser Buchungsvorgang mit Kosten verbunden ist.

    Daran wird einmal mehr deutlich, was für Idioten mittlerweile bei der WAZ am Werk sind: Lauter Raffkes, die nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind und den Hals nicht vollbekommen. Unten hingegen wird weiter outgesourced und wegrationalisiert. Schon mal überlegt, wer die Sch….arbeit machen soll, wenn es nur noch Geschäftsführer, Abteilungsleiter, Trainees und Assistenten gibt? Ach ja, ich vergaß: Dafür gibt es ja das Outsourcing.

    Gut, dass im Herbst Wahlen sind! Wie sagte schon unser Bundespräsident Köhler? „Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen.“ Hoffentlich ein radikaler Linksruck, damit die ganzen Kapitalistenschweine endlich mal beiseite gefegt werden.

  40. Neues von Mahlzeit sagt:

    Ich versuche mal hier, etwas zur heutigen Betriebsversammlung der WAZ loszuwerden – einen Bericht gibt es hier leider ja noch nicht…

    Eines vorweg: Es lässt einen „normalen“ Lokalredakteur vor Wut fast platzen, was da heute wieder für ein Drama abgegeben wurde.

    Wären wir Kollegen nicht so in Angst um unsere Arbeitsplätze und denkbaren Szenarien einer Abstrafung durch die Obrigkeit bei klaren Worten aus der Belegschaft, es wäre heute wohl zur offenen Konfrontation insbesondere mit dem Menschen gekommen, der eigentlich mit aller ihm zur Verfügung stehenden Wortgewalt für den Ethos des journalistischen Berufsstandes Partei ergreifen sollte, sich aber in Eitelkeit, Selbstherrlichkeit und Ignoranz gegenüber der Bedeutung lokalen Inhaltes in unserer Regionalzeitung so sehr verstrickt hat, dass er lediglich als Marionette der Geschäftsführung und als Medienkaspar taugt.

    Es war schon ein Trauerspiel, Reitz heute außer Fassung geraten zu sehen ob der (im Verhältnis zum Denkbaren) noch harmlos formulierten Kritik aus dem Betriebsrat. Hat er tatsächlich erst heute gemerkt, dass in den Lokalredaktion blankes Entsetzen, Wut und Verständnislosigkeit herrscht ob des Kahlschlags in den Redaktionen? Das heute durchexerzierte Beispiel Hattingen ist doch wirklich nur ein Beispiel. Hattingen ist überall, wo Reitz keinen „Metropolenzuschlag“ verteilt. Teilweise wird das Personal in den Redaktionen fast halbiert, es soll aber gleich viel bzw. noch etwas mehr Platz in der Zeitung redaktionell „gefüllt“ werden. Das ist schon jetzt in vielen, wenn nicht allen Redaktionen nur möglich, weil Redakteure unbezahlte Überstunden machen, sich für IHR Produkt aufreiben, in der Familie in Erklärungsnot geraten, warum sie denn wieder so spät zuhause sind, warum sie so wortkarg aufs Sofa fallen und ewig müde sind. Wenn Reitz oder Klümper in ihrer Amtszeit nur ein wenig mehr als null Gespräche über das Thema Arbeitsverdichtung und -belastung im Lokalen geführt hätten, wäre ihnen nicht verborgen geblieben, dass in den Redaktionen schon jetzt die am Stock gehen, die sich reinhängen fürs Produkt, weil sie für eine gute WAZ stehen wollen, weil sie sich bei den Lesern und in ihrer Stadt nicht blöd angucken lassen wollen nach dem Motto: Ach, Sie sind von der WAZ. Ja, die ist mir nicht hintergründig genug…

    Hintergrund, Inhalt, investigativer und damit qualitätsvoller Journalismus vor Ort bedingt eine adäquate Personalstärke. Wenn heute die Arbeitslosenzahlen präsentiert werden, reicht es nicht, zur PK der Agentur zu gehen. Guter Journalismus hinterfragt die Dinge, deckt soziale Schieflagen dahinter auf etc. Das ist schon heute in den Lokalredaktionen kaum möglich, weil Thema B und C auch noch zu beackern sind, daneben Online, Telefonate, Leserkontakt, Redaktionsbesuche, Tagesplan, Wochenplan, Bilderwünsche, Anforderungen aus dem Mantel etc pp. – Klar, dass Reitz, Klümper und Co. immer noch denken, es sei mehr möglich. Sie haben sich nie mit der Arbeitssituation vor Ort auseinandergesetzt. Sie sind völlig entfremdet. Es ist letztlich wie bei Hartz IV. Die Chefredaktion fordert, aber sie fördert nicht.

    Erst heute hat Reitz wohl Lunte gerochen, dass in den Lokalredaktionen längst ein riesiges Pulverfass steht, das hochzugehen droht. Er macht sich mit einem gut bestückten Content Desk schick für Lobhudeleien der High Society, wir in den Lokalredaktionen kriegen die Schmäh vom Leser. Es ist eine Farce, dass Reitz heute rumschicklerte und mit den Prozentzahlen der Einsparungen in Mantel vs. Lokalem (die auf den ersten Blick fast identisch sind) versuchte, die Stimmung wieder ein wenig zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Fakt ist ein anderer: Der Mantel der drei Titel wird zusammengelegt, die Lokalredaktionen bestehen aber fort. Der Mantel (Content Desk) könnte, weil er weniger Inhalt zu produzieren hat, mehr einsparen als das Lokale. Aber es scheint, dass Reitz sich sonnen will, sein Arbeitsumfeld muss stimmen. Überspitzt könnte seine Auffassung von der Zukunft SEINER WAZ so aussehen: Was kümmert mich das Lokale, das, wo die Leser sich mit verbinden? Hauptsache, ich kann mit einem bei Regionalzeitungen unvergleichlichen Konzept im Mantel prahlen…

    Sorry, aber: WAS FÜR EINE SCHEISSE!!!

    Das, was auch künftig im Mantel stehen wird, wird die Leser nicht wesentlich mehr interessieren, weil sie die Themen längst anderswo aufgefangen und deren Inhalt aufgesogen haben. Das Lokale kann ihnen bis jetzt niemand in der Form bieten wie die Tageszeitung. Anstatt diese inhaltlich (!) und konzeptionell (!), werden sie rasiert. Ohne dass mal einer der Herren Reitz, Klümper und Co. über Konzepte und Möglichkeiten mit denen gesprochen und debattiert haben, die die Erfordernisse und die Arbeit vor Ort kennen. Da schwadroniert Reitz heute darüber, viele seien froh, in Zukunft unter seinem neuen Konzept mit Regio Desk arbeiten zu können. Lokalchefs stünden dahinter… Welch eine Lüge, welch ein Offenbarungseid für diesen Egozentriker. Reitz hat wohl vergessen, dass die Lokalchefs einen Brief formuliert haben, in denen sie sich entschieden gegen die Pläne im Lokalen wenden. Wenn ich richtig informiert bin, hat die Chefredaktion, als sie davon Wind bekommen hat, den Lokalchefs Sanktionen angedroht, wenn sie ihr Papier unterschreiben und an Geschäftsleitung und Gesellschafter versenden.

    Darin heißt es: „Wir, die Leiterinnen und Leiter der WAZ-Lokalredaktionen, fürchten, dass mit der Restrukturierung der vier NRW-Titel eine Strategie verfolgt wird, die dauerhaft für die WAZ und ihre Abonnentenzahl schädlich ist: Das Schickler-Konzept sieht eine Schwächung der Lokalredaktionen vor. Das widerspricht der erklärten WAZ-Philosophie, die ihre Kernkompetenz im Lokalen sieht und daraus ihre Leserschaft bezieht.

    Mit der Zielvorgabe „One man one page“ im Lokalen ist die geforderte und für die Zukunft der WAZ notwendige Qualität der Berichterstattung nicht zu gewährleisten. Dieser Personalschlüssel steht zudem in keinem Verhältnis zu der für den Content Desk geplanten Mitarbeiterzahl. Aus unserer Sicht ist es unumgänglich, die Relationen zu Gunsten der Lokalredaktionen anzupassen. Die bereits erfolgte Umfangsreduzierung hat überdies in vielen Lokalredaktionen schon zu gravierenden Qualitätsverlusten geführt.

    Auch die bislang geplanten Regionalen Produktionsdesks betrachten wir als kontraproduktiv. Aus lokaler Sicht sind mit der beabsichtigten Struktur keine Synergien zu erzielen, sondern eher das Gegenteil: zusätzliche organisatorische Hürden, die wertvolle Arbeitszeit binden. Eine regionale Produktion von Seiten widerspricht elementar unserern Erfahrungen aus dem redaktionellen Alltag in den Stadtredaktionen. Sie würde keine Entlastung bringen, sondern Mehrarbeit und Qualitätsverluste. Die geäußerte Erwartung, dass – in der Struktur der Revierstädte – durch Auslagerung produktionstechnischer Prozesse Freiräume zur journalistzischen Arbeit geschaffen werden, teilen wir nicht.

    Uns geht es dabei nicht um die grundsätzliche Ablehnung von Desks und Arbeitsbündelung. Vielmehr befürworten wir diese Organisationseinheiten für Großstädte wie Duisburg, Essen, Bochum oder Gelsenkirchen, in denen in der Tat Arbeitsabläufe konzentriert werden können, ohne die Nähe vor Ort zu gefährden.

    Wir, die Leiterinnen und Leiter der WAZ-Lokalredaktionen, sind der festen Überzeugung, dass lokale Qualitätsberichterstattung das Pfund ist, mit dem wir heute und in Zukunft wuchern müssen, im Print, Online, TV oder anderen mobilen Diensten. Auch im Namen unserer Mitarbeiter bitten wir Sie eindringlich, das geplante Restrukturierungskonzept gründlich zu überdenken und zu Gunsten der Lokalredaktionen zu verändern. Wir bieten dazu unsere engagierte Mitarbeit an.“

    Bedarf es hierzu noch Worten? Erst heute hat die Chefredaktionen ihren autoritären, ja monarchistischen Führungsstil wohl doch mal etwas kritischer gesehen, weil es in der Betriebsversammlung offensichtlich war, dass sie jeglichen Rückhalt in den Lokalredaktionen verloren hat und die Motivation der Mannschaften vor Ort durch ihre Ignoranz kräftig beschädigt hat.

    Heute Abend trudelte dann plötzlich folgende Mail in die Lokalredaktionen:

    „Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
    im Nachgang zur heutigen Betriebsversammlung werden Herr Kloß und ich in den nächsten Wochen jede Lokalredaktion aufsuchen, um etwaige Fragen im Zusammenhang mit den geplanten Umstrukturierungen in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen zu klären. Terminabsprache folgt über Frau Emich-Hermes. Einen schönen Abend.

    Mit freundlichem Gruß
    Wilhelm Klümper“

    Na, schönen Dank auch. Hoffentlich ist es nicht zu spät…

    WIR WOLLEN GUTE ARBEIT ABLEISTEN, NUR WERDEN WIR DER MÖGLICHKEITEN DAZU BERAUBT!!!