Glückwunsch, Herr Hombach!

„Es gibt schlimmeres als ein Management, das täglich klüger wird.“ Das sagt WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach in einem Interview mit der Wochenzeitung „Horizont“ (Interview als pdf hier online). Wenn’s denn stimmt mit dem Täglich-klüger-Werden, möchte man fast sagen: Herzlichen Glückwunsch, Herr Hombach!

Hombach bezieht sich mit dem Satz auf die Entscheidung, dass auch in NRW künftig Holding und operative Verlagsaufgaben getrennt werden und dass Manfred Braun, der seit kurzem zusätzlich zu seiner Position als WAZ-Zeitschriftenchef auch die Geschäfte der NRW-Zeitungen führt, weitgehend freie Hand haben soll. Brauns Verdienst, so Hombach, „besteht darin, gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in NRW eine Marktforschung aufgesetzt zu haben, die wir in dieser Professionalität und Erschließungstiefe bei Regionalzeitungen noch nicht hatten“.

Das Fazit lautet jetzt: Stärkung des Regionalen. „Regionalzeitungen haben unter allen Medien die höchste Glaubwürdigkeit und überaus treue Leser. Das ist unser Pfund, und wir sollten damit wuchern. Aber Reformstau ist dort besonders gefährlich, wo er noch nicht schmerzt“, referiert Hombach. „Wir brauchen eine Stärkung der regionalen und lokalen Kompetenz. Der Leser will wissen, was in seiner Nähe los ist. Ihn interessieren aber auch überregionale und weltpolitische Themen. Er fordert einen hohen Gebrauchswert seiner Zeitung. Er fordert einen hohen Gebrauchswert seiner Zeitung. Er will Einordnung, Lebenshilfe, Partizipation. Und schließlich erwartet er eine übersichtliche Struktur und ein lesefreundliches Layout.“

Überrascht hätten ihn die Ergebnisse der Marktforschung nicht, sagt Hombach. „Aber es freut mich, dass mein Bauchgefühl nun auch empirisch untermauert ist.“

Die wirtschaftliche Situation bei den NRW-Blättern  habe sich „erfreulich verbessert“. Allerdings könne sich die Westfälische Rundschau „noch nicht zurücklehnen. Leider war und ist sie nirgendwo lokaler Marktführer.“

Nach der altbewährten WAZ-Methode „Mangagement by Interview“ kündigt Hombach weitere Sparmaßnahmen in NRW an, diesmal nicht in den Redaktionen: „Nun sollen auch der Verlagsbereich und die Produktion ihren Beitrag leisten.“ Die Sparpotenziale beziffert Hombach „im hoch zweistelligen
Millionenbereich“.

Darüber hinaus will die WAZ-Gruppe bei der Vermarktung den Schulterschluss mit anderen Verlagen suchen will, etwa Hubert Burda Media und Axel Springer, und sich neuen, verlagsnahen Geschäftsfeldern widmen.

Einen „sensationellen Wachstumsmarkt“ sieht Hombach schließlich im Bereich Corporate Publishing. Statt in den „Vor- und Hinterzimmern der Politik für ihre industriepolitischen Ziele und Projekte“ zu werben,  werde die Wirtschaft begreifen, dass sie die Akzeptanz für ihre Projekte selber herstellen muss, weil „eine große Zahl unserer Volksvertreter nur noch auf der Protestwelle der Bürger surft.“ Dazu hatte Hombach bereits am 18. Mai bei einer Rede in München Thesen formuliert („In diesem Sinne ist Corporate Publishing eine Art soziales Engagement.“).

267 Antworten zu “Glückwunsch, Herr Hombach!”

  1. Anonymous sagt:

    50% der WAZ sind 50 Mio wert – kann man hier ablesen wie es um die WAZ tatsächlich steht?…..

  2. leser sagt:

    @Anonymous:
    500 Mio!

  3. Anonymous sagt:

    Hi, sorry, meinte ja 500 Mio aber auch – das es nicht seeeehr viel ist..

    Das gleiche wird auch hier gesagt:
    „In der Branche wundert man sich über den Preis: „Nur“ 500 Millionen Euro für den Laden mit 1,1 Milliarde Umsatz, der seine genauen Geschäftsergebnisse sorgsam verschweigt? „Das erscheint mir unterbewertet“, sagt Verlagsexperte Horst Röper. Es sei denn, um WAZ stünde es schlechter als bislang angenommen. “
    Quelle TAZ:
    http://www.taz.de/Verkauf-der-WAZ-Gruppe/!77153

  4. Anonymous sagt:

    Hier noch eine schöne Information:
    http://thumb1.ftdcdn.de/original/Image/2011/08/30/spaet/waz2.gif

    Gut gemacht an alle Beteiligten.. :-(
    Dafür mußten nämlich (Mitarbeiter)-köpfe rollen.. :-(

  5. Anonymous sagt:

    Hier wird, finanziert durch Quasi-Steuern, das Geschäftsmodell der privaten Presse angegriffen.[…] Aber im Internet geht der öffentlich-rechtliche Rundfunk in einen Bereich, den wir bespielen müssen, um zu bestehen.
    .
    Was ist denn eigentlich das Internet, Herr Nienhaus? Und wem gehört es???

  6. ?? sagt:

    Die Brost Erben sollten die 500 Mio. mitnehmen, in 25 Jahren ist die ABO Auflage bei Null, Anzeigen stehen sowieso nur noch im Internet.

  7. Wiebke Westhues sagt:

    Zeitungsverleger vs. WDR, zum Nachlesen:
    .
    Christian Nienhaus und die große Ignoranz:
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/christian-nienhaus-und-die-grose-ignoranz/
    .
    und
    .
    Nienhaus droht Gegenwind nach „FAZ“-Interview:
    http://www.dwdl.de/nachrichten/32632/nienhaus_droht_gegenwind_nach_fazinterview/

  8. Watzmann sagt:

    Um der Wahrheit willen hier einmal der Wortlaut des missverstandenen Herrn N. (FAZ vom 26. 8. 2011):
    .
    N: „Es gibt eine große Ignoranz der Politik und auch eine Angst der Politik. Führende Politiker haben mir gesagt: „Sie haben Recht, aber ich lege mich mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr an.“ Bei jeder kritischen Frage würden Politiker sofort mit kritischer Berichterstattung in ganz anderen Punkten überzogen. Im Landtag von Nordrhein-Westfalen wurde Abgeordneten gedroht, wenn Sie gegen die Mediengebühr stimmten, würde das in der WDR-Berichterstattung Folgen haben.“
    .
    ? Andererseits nehmen die Politiker Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Anstalten, weil sie in deren Gremien sitzen und die wichtigsten Personalentscheidungen treffen.
    .
    N: „Es ist nicht so, dass die Politik die Rundfunkanstalten beeinflusst. Riesige Heerscharen von Lobbyisten, Beamten und Juristen aus den Rundfunkanstalten beeinflussen die Politik…“
    .
    Übrigens ist es zum Schütteln peinlich, dass in demselben Interview der synergiegetriebene Einheitsbrei einmal mehr mit einem albernen Beispiel aus dem Sport gerechtfertigt wird: „Im Fußballstadion des Deutschen Meisters saßen früher vier Redakteure. Da hat jeder geschrieben: 70. Minute, Flanke von rechts, Kopfball, Tor.“
    Für Fußball mag es ja angehen, dass ein Reporter für vier Blätter reicht (und selbst das ist fraglich) – aber gilt das auch für die Politik? Oder im Lokalen? Die Antwort kennt Nienhaus, wenn er sich nur die katastrophalen Auflageneinbrüche dort ansieht, wo dem Leser dieselbe Lokalausgabe in unterschiedlichen Mäntelchen untergejubelt werden soll.
    Hätte der großartige Medienexperte Nienhaus Recht, dann brauchten wir in Deutschland logischerweise statt journalistischer Vielfalt überhaupt nur noch ein Medium. Vielleicht ja den WDR?

  9. Vielfalt sagt:

    Ach was, wir brauchen nur noch den „Nienhauser Anzeiger“ 😉

  10. Meinungsmonopol sagt:

    Dass in vielen Zeitungen dasselbe stand, das hatten wir doch schon einmal. Alles ganz harmlos. Synergie, Synergie…

  11. Kaufmann sagt:

    Ruhig Leute.. da wird alles richtig gemacht.. jetzt wird die WAZ auch noch zum Kaufhaus :)

    http://www.sueddeutsche.de/35l38Y/329385/Klub-Ware.html

    Damit werden wohl demnächst Arbeitsplätze sicherer 😉