Auswirkungen der lokalen WAZ-Offensive noch unklar

Die Mitarbeiter der WAZ-Gruppe sind heute und vergangenen Freitag in Versammlungen darüber informiert worden, welche Veränderungen mit der lokalen Offensive verbunden sind. Das Gesamtkonzept für die vier NRW-Titel WAZ, NRZ, WP und WR sieht u.a. vor, die Lokalredaktionen personell aufzustocken. Dafür verlieren die Teams der Titel-, Content- und Regiodesks Redakteure teilweise im zweistelligen Bereich. Wie man hört, sollen die Titelredaktionen im Zuge des neuen Konzeptes ihre Mantelteile nur noch bis Seite 4 selbst entwickeln  – der „Einheitsbrei“ lässt grüßen.

Die Rückkehr zum Lokalen bei den NRW-Titeln, vor allem mehr Personal für die Lokalredaktionen, haben die Redakteurinnen und Redakteuren seit langem gefordert. Der DJV-NRW hat die Unterbewertung des Lokalen von Anfang an kritisch gesehen und immer dafür plädiert, qualitativ hochwertigen Journalismus vor Ort zu ermöglichen. Wichtig ist nun, dass der Umstrukturierungsprozess fair verläuft und die Mitarbeiter der Titel-, Content- und Regiodesks nicht die Leidtragenden der neuen Entwicklung sind.

Bei den Regiodesks der WAZ und der NRZ zeichnet sich eine Zusammenlegung ab. Das neue Team soll aus Redakteuren und Mediengestaltern bestehen. Für Letztere gibt es die Befürchtung, dass sie zu Redakteuren zweiter Klasse werden könnten, die unter einer anderen Berufsbezeichnung und für ein niedrigeres Gehalt die bisherige Redakteursarbeit machen.

Die angestellten Fotografen der WR ereilt jetzt dasselbe Schicksal wie zuvor die Kollegen der WAZ und NRZ – sie sollen in den WAZ-Fotopool wechseln (siehe Meldung Fotografen sollen Platz machen für die lokale Offensive).

Die Umstrukturieriungen sind Ergebnis des vor anderthalb Jahren begonnenen Prozesses, dessen Ausgangspunkt „die kontinuierlichen und über dem Bundesdurchschnitt liegenden Auflagenverluste der WAZ-Titel“ sowie „Erkenntnisse aus Gruppendiskussionen mit Lesern“ waren. Das erklärten der neue Geschäftsführer Manfred Braun und die vier Chefredakteure vergangene Woche in einem Schreiben an alle Mitarbeiter.

106 Kommentare zu “Auswirkungen der lokalen WAZ-Offensive noch unklar”

  1. Ein EX sagt:

    Ja jetzt wird darüber schon so lange gefahselt, wann gehts denn endlich los in meiner alten WR???

  2. gobraungo sagt:

    Wenn er jetzt noch die Desks abschafft und die Leute zurück in die Redaktionen holt, ist er mein Held.

  3. offfensive sagt:

    Ganze 16 Redakteure der Zentralredaktion sollen die Lokalredaktionen verstärken, nachdem 300 Lokalredakteure in die Wüste geschickt worden sind. Und das nennt man Lokaloffensive? Die Organisations- und Personalstuktur wurde seit weit über einem Jahr auf den verschiedensten Ebenen beraten, heißt es im zweiseitigen Brief an uns Beschäftigte. Und das ist nun das Ergebnis? Ist doch wohl ein Witz. Ein Drittel Auflagenverlust in zehn Jahren – wie man eingestand – hat zu keinem anderen Ergebnis geführt? Ab 2. Mai bis 3. Juli soll nun auch das Layout geändert werde, ganz langsam, damit es wohl nicht wirklich auffällt.

  4. […] Auswirkungen der lokalen WAZ-Offensive noch unklar (Medienmoral NRW) – […]

  5. tüss sagt:

    Stimmt es, dass die Chefredaktionen auf zwei Personen reduziert werden?

  6. Ex-WAZler sagt:

    Eine Rückbesinnung auf lokale Inhalte, noch dazu zu Lasten der überregionalen Berichterstattung, kommt zu spät und wird den Zeitungstiteln der WAZ-Gruppe keinen Auftrieb geben. Die Abonnenten, die der WAZ bereits den Rücken zugedreht haben oder dieses aus Anlass der erneuten Bezugspreiserhöhung zum 1. April 2012 (ein ganz übler Aprilscherz!) beabsichtigen, sind verloren und kehren nicht zurück.

    Warum werfen die Manager der WAZ-Gruppe nicht mal einen Blick in andere Regionen Deutschlands? Die „Nordwest-Zeitung“ beispielsweise wurde in der Vergangenheit auch personell geschrumpft, gefällt mir aber aufgrund ihres handlichen Formates, ihres Layouts und ihrer (vor allem an Samstagen) ausführlichen Berichterstattung ausgesprochen gut. An Unterstützung seitens der Werbung treibenden Wirtschaft scheint es der NWZ ebenfalls nicht zu mangeln. Eine Kürzung des Mantels wäre der endgültige Tod der WAZ-Titel. Eine Ausweitung der Lokalteile? Gerne, aber nicht zu Lasten anderer Ressorts!

  7. nene sagt:

    @Ex-WAZler
    Das sind Mythen von Kollegen, die im Mantel arbeiten oder gearbeitet haben. Da hat man Arbeitszeiten, bei denen man abends keine Tageschau zu Hause sieht und sich vom Medienkonsum der durchschnittlichen Menschen entkoppelt hat. Wobei: Internet habt ihr auch, oder? Ich vertraue nicht immer Marktstudien. Aber dass die Leser die Zeitung fast nur noch wegen des Lokalteils kaufen, ist doch schon seit Jahren so. Das hat schon mit der Einführung des Privatfernsehens begonnen und ist seit der Verbreitung des Internets nunmal Fakt. Einziger Vorwurf: Man hat zu spät hingeschaut und reagiert zu spät drauf.

  8. Elend sagt:

    Ich teile die Auffassung von nene. Als ehemaliger langjähriger WR-Lokalredakteur, der immer noch dort lebt, wo er gearbeitet hat, glaube ich die Bedürfnisse der Leserschaft zu kennen.
    Mein Wunsch: Ab nach hinten ins Blatt mit den ganzen Meldungen und Berichten aus der Republik und der Welt, die längst via Fernsehen, Radio, Internet oder Smartphone durchgehechelt worden sind, wenn die Zeitung morgens auf dem Frühstückstisch liegt (Nachrichtenticker auf der ersten Mantelseite mit Verweisen auf die entsprechenden Seiten würde reichen).
    Und ganz nach vorne ins erste Buch mit dem Lokalen, denn da haben wir die exklusive Kompetenz und die Kenne. Und ebenfalls nach vorne mit den gut geschriebenen regionalen Reportagen, in denen es menschelt, mit den Hintergrundberichten, die bei der Einordnung der Nachrichtenflut der anderen Medien helfen.
    Also: Wenn schon lokale Offensive, dann richtig und konsequent.
    So viele neue Versuche dürfte es nicht mehr geben.

  9. weissauchwas sagt:

    # tüssam

    Stimmt es, dass die Chefredaktionen auf zwei Personen reduziert werden?

    Wenn’s so wird, wie man hört, dass der Herr Chefredakteur der WR will, dann gibt’s bei denen bei vier! zu bespielenden Mantelseiten:
    3 Chefredakteure !
    7 Redakteure !
    + Sekretärinnen.
    Eine echte lokale Offensive . . .

  10. dreifragezeichen sagt:

    Wofür braucht man bei 4 Seiten und 7 Redakteuren 3 Chefredakteure? Das ist eine Chefredakteurs-Offensive, oder, Herr Braun?

  11. verstehnixmehr sagt:

    man kann doch seine alten gewerschaftskumpels nicht im regen stehen lassen…die müssten dann womöglich wieder arbeiten – und zwar im lokalen. wie unschicklich.

  12. keineahnung sagt:

    ihr habt keine ahnung! wir brauchen große chefredaktionen. wer soll die kollegen sonst anpflaumen und von der arbeit abhalten?

  13. Galeerensklave sagt:

    Ich arbeite an einem Regio-Desk und wäre lieber gestern als heute zurück in der Lokalredaktion! Das System funktioniert nur in der Theorie. In der Praxis taugt kein Desk der Welt. Ich wäre froh, wenn ich wieder im Lokalen arbeiten dürfte. Die Hoffnung ist geweckt!!!

  14. weissauchwas sagt:

    # dreifragezeichenam 05.04.2012 um 06:52

    Wofür braucht man bei 4 Seiten und 7 Redakteuren 3 Chefredakteure? Das ist eine Chefredakteurs-Offensive, oder, Herr Braun?

    Stimmt so nicht ganz, wenn man’s recht überlegt. Denn, was auch ich übersah: Bei den 7 Redakteuren sind selbstverständlich wohl auch mehrere Abteilungsleiter noch dabei! Hoffe, die kommen nicht noch obendrauf auf die 7!
    es ist also eine Leiter-Offensive!
    Und wenn von den 7 nur 2 Leiter sind, dann gibts schon genausoviele Leitern wie Trittleitern . . .

  15. Teilungsleid sagt:

    Gegen Abteilungsleider spricht nichts, sind sie doch aktiv im operativen Tagesgeschäft.

  16. IVW-Zahlen sagt:

    Auch wenn die Auswirkungen der Lokaloffensive noch nicht klar sind – Die IVW-Zahlen sind es. Kurz zusammengefasst: Es geht allen schlecht, deutschlandweit am schlechtesten geht es aber den Regionalzeitungen der WAZ.

    Die WAZ-Titel in NRW und Thüringen sind jeweils die größten Auflagenverlierer; die einen im Westen, die anderen im Osten. Gute Arbeit!

    http://meedia.de/print/alle-regionalzeitungen-verlieren-bis-auf-eine/2012/04/23.html

  17. WehErr sagt:

    Sogar in Olpe gings tüchtig zurück: minus 3,97 Prozent im Verkauf (d.h. Einzelverkaufs-Exemplare plus Abo-Exemplare, Bordexemplare, Lesezirkelstücke und sonstiger Verkauf). Berleburg-Wittgenstein sind da mit minus 2,32 Prozent geradezu moderat. Und Dortmund? Minus 3,60 Prozent beim Verkauf.

    Ganz besonders übel sieht es tief im Süden aus (WAZ-Medien-G Siegen 182, WP+WR): Die Druckauflage rauscht um 8,40 Prozent in den Keller, beim Verkauf ergibt sich ein Minus von 6,23 Prozent! In nur einem Quartal!

    Wie schreibt meedia? „Für den Marktführer WAZ geht es unterdessen weiter mit großen Schritten nach unten“. Es ist fürchterlich, dass man dem nicht widersprechen kann.

  18. Betroffener sagt:

    Auch, wenn es keiner lesen will:
    Die total unterschiedliche Auflagenentwicklung im Großraum Südwstfalen zeigt, dass offenbar manche von uns schlicht etwas falsch machen.
    Und das ist nicht durch die Desk-Strukturen zu erklären. Wer es nicht glaubt, klicke sich mal duch den Zahlenberg. Da gibt es auch Desk-Redaktionen mit relativ guten Zahlen.
    Wer noch nicht im Vorruhestandsalter ist und zehn Prozent Auflageverlust (im Jahr reicht) in seinem Bereich hat, sollte vielleicht mal das eigene Tun überdenken.
    Vor allem im Vergleich zur direkten Konkurrenz.
    Es gibt Gebiete, da wäre ich auch Leser des Mitbewerbers, weil die näher dran und deswegen auch aktueller und interessanter sind.
    Leute, es geht um unsere Jobs!

  19. WehErr sagt:

    @Betroffener: Ein wirklich kluger Rat. Den hatten wir noch gar nicht. Und nun wieder zur Realität: Wenn das Ergebnis der Umstrukturierung in einer bestimmten Region war, dass der Mitbewerber im Lokalen vor Ort über fünfmal (!) mehr Redakteurinnen und Redakteure verfügt, um „näher dran“ zu sein, wo der eigene Laden nur noch drei Kollegen hat und über sechs (!) Geschäftsstellen, wo der eigene Laden keine einzige mehr hat, dann muss ich nicht mehr großartig das eigene Tun überdenken. Dabei werde ich – als Betroffener – wg. faktischer Aussichtslosigkeit nämlich nur noch depressiv, trotz Zwölf-Stunden-Tag!

  20. Erstaunlich sagt:

    ist außerdem, dass der vergleichsweise höchst erfolgreiche Mitbewerber (aktuelle Verlust im Verkauf: 0,2 Prozent) in der betreffenden Region eben KEIN Newsdesk-Konzept verfolgt.
    .
    Übrigens finde ich es zum k….., dass es immer noch „Kollegen“ gibt, die wider besseres Wissen andere zum „Überdenken“ ihres Tuns auffordern und ihnen so die Schuld zuweisen wollen, während diese anderen längst mit dem Rücken zur Wand arbeiten, ihre Gesundheit ruinieren und weder ein noch aus wissen…

  21. Ex-WRler sagt:

    Ist ja erstaunlich, was Walter Bau so alles zum Thema Agenturen zu Newsroom zu sagen hat, der werte ehemalige WR-Kollege – http://goo.gl/de1VD

  22. Anonym sagt:

    Muhaha! Und jetzt alle (die noch da sind) im Chor: „Au-to-ren-zei-tung!“. Köstlich. Unser Walter!

  23. Autor sagt:

    „Im Falle von Meldungen würden die Agenturtexte teils erheblich bearbeitet und zum Teil völlig neu formuliert.“

    Aber ja, natürlich. Vor allem die dpa-Nachrichten aus’m Internet.

  24. Gobraungo sagt:

    >dass der vergleichsweise höchst erfolgreiche Mitbewerber (aktuelle Verlust im Verkauf: 0,2 Prozent) in der betreffenden Region eben KEIN Newsdesk-Konzept verfolgt.
    .
    Dieser Desk-Käse. In ein wenigen Jahren wird es keine Desks mehr geben. Viele Verlage bauen sie zurück, weil sie behindern und verhindern. WAZ und NRZ haben die Zeichen der Zeit erkannt. Die anderen bekommen die Augen verspätet geöffnet.

  25. Muhuhuhaha sagt:

    @Betroffener
    Du meinst bestimmt, es gibt auch Redaktionen mit relativ guten Zahlen TROTZ Desk. Wie gut könnten wohl diese Zahlen OHNE Desk sein…

  26. Wenn es sagt:

    nach Ansicht eines Ressortchefs ein Kennzeichen einer Autorenzeitung ist, dass „Agenturtexte…zum Teil völlig neu formuliert“ werden, dann kann man sich nur noch an den Kopf fassen!
    Dann wundern einen die miesen IVW-Zahlen nicht mehr.

  27. Sale sagt:

    Es ist an der Zeit, auch mal wieder in Richtung Anzeigenverkauf zu blicken. Dort „profitiert“ man von den überproportionalen Auflagenverlusten. Wie man hört. sind die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um fast 15% eingebrochen. Aldi-Nord hat sich gerade per Anzeige!!! von unseren Lesern verabschiedet. Weitere
    Großkunden werden sicherlich diesem Beispiel folgen . Das Lokalgeschäft findet dank der hochgejubelten „Schickleria“ fast nicht mehr statt. Genau wie wir, gehen die Kollegen aus dem Verkauf/Vertrieb auf dem Zahnfleisch.

  28. Watzig sagt:

    Hahaha, hier verteidigt noch jemand den Desk??? Evtl. die Fähigkeiten verloren, Texte zu schreiben oder was kann der Grund sein?

  29. "Näher dran" sagt:

    ist man nicht am Newsdesk irgendwo hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. So einfach ist das.

  30. ofen sagt:

    Seit Wochen wird über eine sogenannte Lokaloffensive diskutiert, vermutet, gequatscht. Ich sehe nur, dass noch nichts passiert ist.

  31. Alter Kollege sagt:

    @Betroffener „Es gibt Gebiete, da wäre ich auch Leser des Mitbewerbers, weil die näher dran.“
    .
    Wenn Sie ein Kollege sind, dann sollten Sie sich schämen!
    Völlig egal, was hier noch ein paar weltfremde Verteidiger der reinen Regiodesk-Lehre zum Besten geben: Die Kollegen im Süden können absolut nichts für den neuerlichen Auflagen-Erdrutsch. Der kam mit Vorwarnung und Ansage: eine Folge der naiv-neoliberalen Schickleria mit ihrem WRWP-Synergie-Mischmasch, Regiotisch-Dummfug und Mini-Lokalredaktion. Das hat der Leser nicht ertragen. Und davor hatten die Kollegen gewarnt, immer wieder.
    .
    Und jetzt? Zwei, drei Redakteure mehr (wenn es die denn geben sollte) werden den Karren auch nicht mehr aus dem Dreck ziehen können. Wird es denn wenigstens wieder eine einzige echte Geschäftsstelle im Süden geben statt eines lächerlichen Aufklebers in der Schaufensterecke eines kleinen Reisebüros in der Shopping-Mall? Nein, natürlich nicht. „Offensive“? Ich kann mir nicht helfen: Das klingt nach Ardennen und letztem Aufgebot…

  32. kriechen sagt:

    Wie sagte unser Stadtdirektor gestern: Jetzt braucht die WAZ mit ihrer Initiative auch nicht mehr angekrochen kommen.

  33. Kralle sagt:

    Ins Lokale? Bei unserer WR scheinen einige Kollegen regelrecht Angst davor zu haben. Lieber am Regiotischlein festkrallen und weiter schlaumeiern…

  34. Ach ja, sagt:

    und es gibt ja auch sooooo viele Kolleginnen und Kollegen, die liebend gern 100 km und mehr pendeln würden.

  35. Kralle sagt:

    Da müsste niemand weit pendeln.

  36. Nach'm sagt:

    Süden will traditionell keiner freiwillig. Is‘ aus Ruhrgebietsperspektive wie Sibirien, Terra incognita, Verbannung, Sackgasse, Point of no return. Mit einem Wort: finaler Karriereknick.

  37. Lokale Defensive sagt:

    @Elend „… nach vorne ins erste Buch mit dem Lokalen, denn da haben wir die exklusive Kompetenz und die Kenne.“
    .
    Ja, Kompetenz und Kenne mag sein. Die, die noch da sind. Leider ist jedoch ein Großteil lokaler Kompetenz und Kenne leichtsinnig abgefunden und entsorgt worden, manche übrigens zur dankbaren Konkurrenz. Und selbst dann, wenn die Kolleginnen und Kollegen alle zurückkehrten (was vermutlich kaum einer tun würde), ist das Lokale auch vorn im ersten Buch noch immer mindestens acht Stunden zu spät. Weil die oberschlauen Herrschaften mit Lyssas Wunderportal und dessen kurioser Konstruktion trotz der genialen „Verortung“ onlinemäßig tief ins Klo gegriffen haben, haben andere lokale Online-Anbieter diesen Markt mittlerweile ziemlich gut im Griff. Von wegen exklusiv – der Zug ist inzwischen abgefahren.
    .
    Es ist im Hinblick auf die IVW-Zahlen einerseits und den eigenen Lebensentwurf andererseits wohl vernünftig, sich dies rechtzeitig klarzumachen: Die ganze, nach wie vor höchst nebulöse Aktion ist an nicht wenigen Standorten, vielleicht sogar für komplette Titel, bestenfalls eine „lokale Defensive“, ein Rückzugsgefecht. Mehr nicht. Und wenn alle Durchhalteparolen abgekaspert sind: Der Letzte macht’s Licht aus.

  38. elend sagt:

    Die Siegener WR-Lokalredaktion soll von der WP übernommen werden – Der Betriebsrat protestiert gegen das Vorhaben mit folgendem Schreiben:

    Werdohl/Schwelm, 1. Mai 2011
    Liebe Kolleginnen und Kollegen!
    Die Gespräche zum Tegernsee-Prozess haben mit den Belegschaftsvertretungen noch nicht wirklich begonnen, schon gibt es den ersten Aufreger, gegen den der Betriebsrat scharf protestiert:
    Die Siegener Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau soll durch die Westfalenpost übernommen werden. Das wurde dem Lokalchef mitgeteilt.
    Eine vom BR am Freitagabend angeforderte Stellungnahme der WR-Verantwortlichen blieb bislang aus.
    Der ZVW-BR hat am heutigen Tage Chefredaktion und ZVW-Verlagsleitung aufgefordert, den Ansinnen sofort und unmissverständlich entgegen zu treten, um die gute und außerordentlich erfolgreiche Arbeit der WR-Redaktion nicht ad absurdum zu führen. Noch in einem der jüngeren „Süßsauer“ hat der stellvertretende Chefredakteur die Siegener Kolleginnen und Kollegen für ihre hochmotivierte Arbeit und die wirtschaftliche Entwicklung ausdrücklich gelobt.
    Von einer erfolgreichen „Siegener Minitruppe“ – 4,8 Stellen – ist da zu lesen und von einem aktuellen Auflagenrückgang, der lediglich 0,6 Prozent beträgt. Das ist ein Wert, der weit unter dem Branchenschnitt liegt und weit besser ist als das, was bei den kürzlichen Versammlungen als Ziel genannt wurde.
    Dazu beigetragen haben die Aktionen der Westfälischen Rundschau wie Ausbildungsmesse, Sportler des Jahres, die Kooperation mit dem Lions-Club zugunsten der Siegener Tafel oder der von der WR präsentierte Firmenlauf. Engagierte Aktionen, die stets Lob und Anerkennung des Hauses fanden.
    Noch am vergangenen Dienstag während der Sitzung des Betriebsrates hat die Chefredaktion beim monatlichen „Jour fixe“ dem Betriebsrat sowie den anwesenden Gewerkschafts-Vertretern Norbert Szepan (dju in ver.di) und Christian Weihe (DJV-NRW) erläutert, dass in Siegen mit zwei zusätzlichen Stellen zu rechnen sei, um die positive Entwicklung fortzusetzen.
    Umso unverständlicher sind die jetzt gegenüber der Redaktionsleitung geäußerten Absichten. Dass es ein Angebot geben soll, es billiger zu machen, wurde gegenüber dem BR bislang weder bestätigt noch dementiert.
    Der ZVW-BR hat heute in Schreiben an CR und ZVW-Verlagsleitung seine Befürchtung zum Ausdruck gebracht, dass der erfolgreiche Weg zunichte gemacht wird, wenn man dem deutlich stärksten Titel der WAZ-Mediengruppe vor Ort die Handlungsmöglichkeiten für eine Fortsetzung der positiven Entwicklung entzieht.
    Der BR sieht die lokale Offensive für Siegen in großer Gefahr, wenn dort künftig nicht auf das von den Kolleginnen und Kollegen erarbeitete Vertrauen der Leser, die intensiv geknüpften Kontakte vor Ort und die aktuellen Erfolgszahlen gesetzt wird.

  39. Mogelpackung sagt:

    Schöne lokale Offensive!
    Da tönt der große Herr Braun von mehr Redakteuren vor Ort und sobald bei der WR die erste Redaktion verstärkt werden soll, kommt Billigheimer Kläsener und sagt „Ätsch, kann die WP billiger.“ Und der tolle Lokaljournalistenfreund Braun sagt „Mach!“

    Was bleibt am Ende? Weniger Redakteure vor Ort und eine engagierte Truppe, die vom eigenen Haus völlig frustriert wurde. Von lokaler Kompetenz wollen wir mal gar nicht reden.
    Man lerne: Engagiertes und erfolgreiches Arbeiten (die Auflagenentwicklung ist gegen den WAZ-Trend positiv) führt zum Jobverlust…

    Lokale Offensive? Mogelpackung!

    Für die WR in ganz Südwestfalen ist das der Anfang vom Ende. Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis Billigheimer Kläsener auch für den Rest ein „günstiges Angebot“ macht!
    Und WR-Chefredakteur Hinz? Der steht daneben und weiß gar nicht, wie ihm passiert. Wärest besser mal Lokalchef in Lünen geblieben, Malte.

  40. Mir tut es sagt:

    ja auch leid um die Kollegen in Siegen. Aber woher der Betriebsrat den „aktuellen Auflagenrückgang“ von lediglich 0,6 Prozent nimmt, ist mir schleierhaft. „Aktuell“ sieht’s nämlich leider so aus:
    .
    ZTG-G-WAZ Siegen 182 (WP+WR), 1/2012 Verbreitung: -9,49%
    Verkauf: -6,23%
    Abonnement: -2,54%
    EV-Verkauf: -4,86%
    EV-Lieferung: -1,40%
    Sonst. Verkauf: -60,00%
    Druckauflage -8,40%
    .
    Bezogen auf die letzten drei Jahre – seit Beginn der Umstrukturierung und der „erfolgreichen Siegener Minitruppe“ ergibt sich zudem ein Rückgang der verkauften Auflage von 23,32%!
    Wie weiter oben schon jemand ganz richtig schrieb: Das ist nicht die Schuld der Siegener Kollegen, sondern des Schickler-Wahns und des Verpanschens der WR mit der WP! Denn ein Großteil dieses entgegen der Ansicht des Betriebsrats sehr dramatischen und dabei branchenuntypischen Auflagenrückgangs der vergangenen drei Jahre hat seine Ursache darin, dass das Lesepublikum in einem besonders konservativ-christlich orientierten Bereich des Siegerlandes einfach keinen WR-Lokalteil eingewickelt in WP-Papier akzeptieren wollte! Was insofern tatsächlich dafür spricht, diesem Lesepublikum dort endlich wieder eine „echte“ WP anzubieten.
    .
    @Mogelpackung: Wer hatte eigentlich ernsthaft geglaubt, dass Malte NICHT als Abwicklungs-CR eingesetzt wurde? Außer (vielleicht) Malte selbst?

  41. verwässert sagt:

    Die lokale Offensive von Herrn Braun wäre eine Riesenchance und sie ist schlüssig und durchdacht. Nur leider wird sie bei zwei Zeitungstiteln so verwässert, dass wenig davon übrig bleibt. Das ist schade für die Kolleginnen und Kollegen und für deren Zukunft.

  42. zement sagt:

    hauptsache zement in den swdesk giessen!!!

  43. Ausrichtung? sagt:

    Hmm, hat nicht der Mitbewerber in Siegen auch ein eher konservatives Profil?

  44. Mogelpackung sagt:

    Wen es interessiert:

    Auflagenentwicklung Siegen
    lt. IVW im Jahresvergleich 1/12 zu 1/11.

    Verbreitung +1.66%
    Abonnement -2.52%
    Verkauf -1.95%
    Druckauflage +0.70%
     
    Ziel der lokalen Offensive lt. Braun ist es, „die überdurchschnittlichen Verluste der NRW-Titele auf die durchschnittlichen -3,3% zurückzuführen….
    Wenn die WAZ sich auch mit Geschäftsstellen wieder ins Siegerland trauen würde, mit eigenen Boten wieder für eine ordentliche Zustellung sorgen und wie zugesagt die am Limit arbeitende Minitruppe mit zwei weiteren Redakteuren versorgt, könnte man sogar Auflgae machen.
    Das „Ich-kann’s-billiger-Konzept“ des Herrn Kläsener spielt am Ende nur der Siegener Zeitung in die Hände. Aber vielleicht ist die Marktbereinigung ja bereits beschlossen.

  45. Konservatives Siegerland sagt:

    @Ausrichtung
    Genau, und er ist damit noch immer sehr erfolgreich. Es ist deshalb medienstrategisch durchaus sinnvoll, im vorwiegend konservativ-christlich orientierten Siegerland ein ebensolches Leseangebot zu machen. Der Mitbewerber hat sogar ein sehr konservatives Profil. Um das zu erkennen, genügt selbst dem Laien ein kurzer Blick auf die Schrifttype der Titelleiste.

  46. Noch 'ne Mogelpackung sagt:

    Der Jahresvergleich ist wenig aussagekräftig, und er ist schon mal gar nicht „aktuell“.
    Betrachtet man die Entwicklung als Kurve, so war die Entwicklung in 2011 stagnierend, um in 1/2012 wieder abzustürzen.
    Im Dreijahres-(Schickler-)Zeitraum betrug der Verlust rund 23,3 Prozent verkaufter Auflage, in den letzten zehn Jahren 51,6 Prozent!
    .
    Der Dreijahreszeitraum ist deshalb so interessant, weil er die grandiose Fehlentscheidung erfasst, die christlich-konservativen Leser des Siegerlandes mit dem Lokalteil (der nach Ansicht vieler Siegerländer) „knallroten“ WR zu beliefern.
    .
    Übrigens war im fußballerisch deutlich blau-weiß gestrichenen Siegerland die WR-typische scharz-gelbe Jubelberichterstattung schon immer ein großes Problem und der Grund für manche Abbestellung. Das nur nebenbei.

  47. Siegener sagt:

    Jetzt greift das Thema auch die Presse auf, gerade per Newsletter gekommen. Da scheint einer ja Kläsener gar nicht zu mögen! http://www.newsroom.de/news/detail/$HVCOLVDLNTNR/umbau_waz_mediengruppe_blau_statt_rot

  48. Truth sagt:

    Zitat: Sie sind zermürbt worden von vielen Fehlentscheidungen des Managements.
    .
    Nein!
    .
    Sie sind zermürbt von einzelnen Mitgliedern der Chefredaktionen, die nur drangsalieren und draufhauen, denen der Einzelne gleichgültig ist und deren Führungsstil in anderen Unternehmen nicht für diese Position gereicht hätte.

  49. Volle MAK sagt:

    @Siegener: Dank für den Link, aber:
    „Schon lange fehlt vielen Redakteuren zwischen Kleve und dem Siegerland der eigene Antrieb. Sie sind zermürbt worden von vielen Fehlentscheidungen des Managements.“

    Das mit dem „eigenen Antrieb“ stimmt nur bedingt. Die Kolleginnen und Kollegen gehen immer noch jeden Tag voll rein, so weit ich das beurteilen kann. Aber sie machen Personalplanung für den Redaktionsbetrieb, Themenplanung für den Tisch, konzipieren Serien, machen Termine – und schreiben und kommentieren dann natürlich. Bloß: Für einen Journalistenpreis reicht das vom Zeitbudget (längst) nicht mehr. Und ich warne vor dem inflationären Gebrauch des Begriffs der lokalen Offensive. Der wird nur besetzt und benutzt (siehe auch Bodo Hombachs Qualitätsoffensive). Jede Art von Offensive ist bislang als Bumerang im Lokalen angekommen.

  50. Truth sagt:

    Ohne Antrieb gäbe es totalen Ärger.
    Mit Antrieb aber manchmal auch.